Bauprojekt

Schmallenberg: Alte Gärtnerei wird abgerissen

Die „Alte Gärtnerei“ in Schmallenberg wird abgerissen.

Die „Alte Gärtnerei“ in Schmallenberg wird abgerissen.

Foto: Laura handke

Schmallenberg.  Bis zu 40 Wohnungen könnten in Zentrumsnähe in Schmallenberg entstehen. Deswegen muss eine alte Gärtnerei abgerissen werden. Die Hintergründe.

Die Siedlungs- und Baugenossenschaft Meschede hat große Pläne für Schmallenberg: Bis zu 40 neue Mietwohnungen könnten an der „Hohen Fohr“ in Zentrumsnähe entstehen. Die Abrissarbeiten der ehemaligen Gärtnerei auf dem Gelände haben in dieser Woche gestartet. „Mit den Wohnungen wollen wir einen Beitrag für altersgerechtes Wohnen im Stadtgebiet leisten“, betont Vorstand Josef Lumme. Im Interview gibt er einen Einblick in den Stand der Planungen und erläutert Hintergründe.

Wie weit sind die Planungen zu den neuen Wohneinheiten an der Hohen Fohr?

Josef Lumme: Im Januar haben wir einen beschränkten Planerwettbewerb gestartet, in dem sich potenzielle Architekten um das Projekt bewerben können. Danach rechnen wir mit den ersten Entwürfen bis Mitte des Jahres. Im weiteren Verfahren wird der Planer, der die Wettbewerbsanforderungen am besten erfüllt, den Auftrag erhalten, um dann in das Verfahren der Bauantragstellung zu gehen.

Gibt es schon viele Interessenten für die Wohnungen?

Bei der durchgeführten Umfrage Ende des Jahres 2018 haben über 100 Bürger im Alter zwischen 60 und 90 Jahren ihr Interesse an dem nachbarschaftlich geprägten Wohnprojekt bekundet.

Welche Wohnungsgrößen soll es geben und wie viele Wohnungen insgesamt?

Aus der Befragung ergaben sich klare Vorstellungen über die gewünschten Wohnungsgrößen. Die Mehrheit sprach sich für 50 bis 70 Quadratmeter Wohnfläche aus (wir berichteten). Bis zu 40 Wohneinheiten sind angedacht, dazu werden 18 Plätze für Tagespflege mit eingeplant.

Wann ist der Bau des Hauses geplant und gibt es einen ungefähren Zeitplan?

Die planerischen Tätigkeiten sollten bis Ende Herbst 2020 abgeschlossen sein, um dann das Winterhalbjahr für die Ausschreibung zu nutzen. Dann könnte es je nach Witterungseinflüssen frühzeitig Anfang 2021 mit den Bauarbeiten los gehen. Wir rechnen mit circa 18 Monaten Bauzeit.

Das Grundstück ist aktuell noch in städtischem Besitz, wann wird es an SBG übergehen und ist das bereits beschlossene Sache?

Die Rückbau- und Aufbereitungsarbeiten werden voraussichtlich bis Mai dieses Jahres abgeschlossen sein, so dass dem Grundstückserwerb nichts mehr im Wege stehen dürfte.

Erläutern Sie noch einmal kurz das Konzept, was hinter den Wohnungen steckt?

Die Befragung der Haushalte in Schmallenberg hat das bestätigt, was wir in Meschede und Eslohe bereits erfolgreich umgesetzt haben: Nachbarschaftliches Wohnen ist eine der zentralen Antworten auf die sich wandelnde Gesellschaft. Wer im Alter nicht vereinsamen will, braucht gute Nachbarschaft. Daher richtet sich unser Angebot in erster Linie an Menschen jenseits der 60, aber auch Jüngere sind herzlich willkommen.

Aufkommende mögliche Zukunftssorgen werden durch das gemeinschaftliche genossenschaftliche Wohnen ein großes Stück genommen. Großzügig angelegte Kommunikationsräume in und außerhalb des Wohnprojektes ermöglichen vielerlei Begegnungen und Aktivitäten, unter dem Motto „Rückzug und Kommunikation“. Zudem räumen wir der Mietergemeinschaft von Anfang an unter dem Stichwort „Mieterselbstverwaltung“ ein großzügiges Mitspracherecht bei der Gestaltung der Räumlichkeiten sowie bei der Vergabe der Wohnungen mit ein.

Wie hoch liegen die geschätzten Baukosten?

Die Baumaßnahme werden wir u. a. auch unter dem Gesichtspunkt moderner Gebäudetechnik und unter Einsatz regenerativer Energien umsetzen. Zudem wird ein ansprechendes Außenanlagenkonzept vorgesehen, dass bestimmte Attraktivität und Wohnqualität gewährleistet. Genossenschaftliches Wohnen bedeutet für uns auch beste Wohnqualität bei bezahlbaren Mieten. Diese haben wir aus heutiger Sicht mit etwa 10 Euro warm kalkuliert. Wo wir am Ende des Tages mit den Baukosten landen, wird sich erst nach Vorlage erster Entwürfe und der damit verbundenen Kostenschätzung ergeben.

Hintergrund zu den Arbeiten

Das Gelände liegt an der Straße „Hohe Fohr“ und wurde seit den 1960er-Jahren bis etwa ins Jahr 2000 als Gärtnerei genutzt. Auf dem Areal stehen mehrere Gebäude wie eine Ausstellungs- bzw. Verkaufshalle, ein Wohn- und Geschäftshaus, ein Lager/Technikgebäude sowie acht Gewächshäuser. Vor allem letztere befinden sich teilweise in einem schlechten baulichen Zustand. Die Stadt erwarb das Gelände 2017 und bis 2018 wohnten noch Mieter in den Wohngebäuden. Bereits am Montag haben im Auftrag des AAV - Verband für Flächenrecycling und Altlastensanierung, Hattingen - die Rückbau- und Aufbereitungsarbeiten auf dem Gelände begonnen. Diese finden in enger Abstimmung mit der Stadt statt und sollen voraussichtlich bis Mai abgeschlossen sein. Mit der Durchführung wurde ein Fachunternehmen beauftragt, das nach Rodung der Fläche die Gebäude entrümpeln und entkernen wird. Danach werden schadstoffhaltige Bauteile wie Dachschindeln und Dachbahnen entfernt. Anschließend erfolgt der Abbruch der oberirdischen Bausubstanz sowie der unterirdischen Tanks, Schächte und Kanäle.

Die Arbeiten erfordern laut AAV „umfangreiche Arbeitssicherheitsmaßnahmen. So werden z. B. Schutzkleidung und Atemmasken zum Einsatz kommen. Eine mögliche Freisetzung von Asbestfasern wird durch eine Berieselung mit Wasser unterbunden. Außerdem sind immissionsschutzrechtliche Regelungen wie lärm-, staub- und erschütterungsarme Arbeitsverfahren einzuhalten.“ Die Anwohner wurden vor Beginn durch die Stadt informiert. Eine Gefahr für die Anwohner besteht nicht. Die Stadt meldete die Fläche im Jahr 2018 beim Sonder-Förderprogramm „Brachflächenmobilisierung für dauerhaften Wohnraum“ des Landes Nordrhein-Westfalen beim AAV an. Die Stadt wird damit finanziell wie auch personell und fachlich entlastet: Der AAV trägt 100 Prozent der Kosten für die Aufbereitung der Fläche und steuert und überwacht darüber hinaus den kompletten Aufbereitungsprozess.

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