Natur

Neue Generation der Schmallenberger Jungjäger wächst heran

Kathrin Richard arbeitet gerne zusammen mit ihren Hunden Don und Ben, Neuankömmling Artus wird langsam an die Jagd herangeführt.

Kathrin Richard arbeitet gerne zusammen mit ihren Hunden Don und Ben, Neuankömmling Artus wird langsam an die Jagd herangeführt.

Foto: Isabelle Silberg

Schmallenberg.  Jagen liegt im Trend - warum das so ist und was sich verändert hat, berichten die Schmallenberger Jungjäger Kathrin Richard und Alexander Vogt.

Was früher eine reine Männer-Domäne war, weckt mittlerweile bei vielen Frauen Interesse. Im Jagdjahr 2018 bis 2019 zählte man in Deutschland 388.500 Jagdschein-Inhaber, davon sind sieben Prozent weiblich. „Jäger erkennt man am grünen Hut und am Dackel“, an diese Stereotype denken die meisten Menschen, doch dieses Bild hat sich gewandelt. Mittlerweile ist jeder vierte Jungjäger eine Jungjägerin. Allerdings wird die Jagd nicht nur für Frauen attraktiver, sondern allgemein für jüngere Menschen, die alte Traditionen mit junger Denkweise verbinden. Dabei geht es auch um Essgewohnheiten und Tierliebe. Kathrin Richard (25) aus Hundesossen ist eine dieser jungen Jägerinnen. Sie berichtet zusammen mit Alexander Vogt (31) aus Oberkirchen über ihre Leidenschaft.

Wie kamen Sie zur Jagd?

Kathrin Richard: Mir wurde es quasi in die Wiege gelegt, seit ich klein bin, bin ich immer mit meinem Opa und Papa jagdlich unterwegs gewesen, am liebsten mit den Hunden, damals hatten wir eine Kopovbracke „Aika“, als dann vor zehn Jahren unser „Ben“ dazu kam, begann ich selbst bei der Hundemeute „Sausturm Grafschaft“ mitzugehen.

Alexander Vogt: Ich bin auch in einer Jägerfamilie groß geworden und von klein auf immer schon mit zur Jagd gegangen. Dadurch dass wir eine Eigenjagd haben, war für mich klar, dass ich mit 16 Jahren den Jugendjagdschein mache.

Wird man als Jägerin von den Jägern ernst genommen oder muss man sich mehr beweisen als die männlichen Kollegen?

Kathrin Richard: Im Großen und Ganzen wird man ernst genommen, aber gerade bei der etwas älteren Generation, habe ich schon mal das Gefühl, dass ich erst zeigen muss, dass ich meinen männlichen Kollegen ebenbürtig bin. Wirklich negativ ist mir aber noch niemand begegnet, das sind dann eher mal so „lustige“ Sprüche. (lacht)

Alexander Vogt: Ich habe noch nie mitbekommen, dass eine Jägerin nicht ernst genommen wurde. Ich denke in der heutigen Zeit ist für Vorurteile kein Platz mehr. Ich freue mich immer über jeden neuen Jagd-Interessenten, egal ob männlich oder weiblich. Außerdem verbessert sich so der Eindruck der Jäger in der Öffentlichkeit.

Wieso wird die Jagd für Frauen immer interessanter?

Kathrin Richard: Die meisten Frauen sind als Hundeführerinnen aktiv, ich denke, dass Frauen oft einen etwas anderen Bezug zum Tier haben. Hinzu kommt natürlich, dass sich viele Frauen bewusster ernähren wollen. Ich esse das, was ich selbst erlegt habe, weiß genau wie das Tier gelebt hat und dass es ihm an nichts gefehlt hat.

Alexander Vogt: Ich meine bei den Beweggründen für die Jagd liegt der Jagdhund bei den Frauen auf Platz 5 und bei den Männern auf Platz 12. Allgemein ist es aber auch der bewusstere Umgang mit dem Produkt „Fleisch“, der Trend geht wieder zurück von der Massentierhaltung zum einzelnen Tier.

Gibt es einen Umschwung in der Jägerschaft?

Kathrin Richard: Definitiv. Durch die sozialen Medien ist die Jagd einerseits in den letzten Jahren zu einer Art Mode geworden, was viele dazu animiert, selbst jagen zu gehen. Darunter gibt es bestimmt auch mal ein paar schwarze Schafe, aber gleichzeitig ist die Jagd durch die sozialen Medien auch transparenter für die Öffentlichkeit geworden. Das zeigt anderen Menschen, dass es beim Jagen nicht nur um das Erlegen von Tieren geht, sondern dass da viel mehr zugehört. Wichtig ist meiner Meinung nach, dass man darauf achtet, was gepostet wird, um so unnötige Provokation zu vermeiden.

Alexander Richard: Ja, man merkt auf jeden Fall eine Veränderung, ob die nur positiv ist, weiß ich nicht genau, aber man merkt, dass eine ganz andere Generation heranwächst. Wo wir früher den älteren Jägern zugehört haben, schaut man sich heute diverse Jagdblogger im Internet an, da gibt es sowohl Positiv-, als auch Negativ-Beispiele. Allgemein ist die Jagd leichter zugänglich geworden, jemand der in einem Schnellkurs den Jagdschein erworben hat, geht sicher mit einer anderen Einstellung jagen als der, der es von Kinderbeinen an miterlebt hat.

>>>HINTERGRUND

Der Hegering Schmallenberg zählt 236 Mitglieder, davon sind 13 weiblich.

Jagdgebrauchshunde sind Hunderassen, die in verschiedenen jagdlichen Bereichen eingesetzt werden und auf diese spezialisiert sind.

Der Begriff Jungjäger bezieht sich nicht auf das Alter, sondern auf den „frischen“ Erwerb des Jagdscheins.

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