Polizei-Opferschutz

Nach häuslicher Gewalt: „Wollen Sie ihn wiederhaben?“

Eine Frau versucht sich auf diesem Symbolbild vor der Gewalt eines Mannes zu schützen.

Eine Frau versucht sich auf diesem Symbolbild vor der Gewalt eines Mannes zu schützen.

Foto: Maurizio Gambarini / dpa

Meschede.  Bei der Polizei im HSK kümmert sich Manfred Oehm um den Opferschutz. Meistens spricht er mit Frauen, nur selten mit Männern.

Wenn seine Kollegen gehen, fängt für Manfred Oehm die Arbeit an. Er ist Opferschutzbeauftragter der Polizei im Hochsauerlandkreis. Dabei kümmert er sich um Betroffene von häuslicher Gewalt, meist sind es Frauen, nur ab und zu auch Männer.

Erst waren Schreie zu hören, dann Schläge. Nachbarn riefen die Polizei. Die Beamten rückten an, schnell herrschte Ruhe. Sie können den Angreifer aus der Wohnung verweisen und für bis zu zehn Tage ein Rückkehrverbot aussprechen. So soll weitere Gewalt verhindert werden - und das Opfer kann zur Ruhe kommen. Spätestens wenn die Anzeige geschrieben wird, kümmert sich auch Manfred Oehm um diese Fälle. Jeder geht über seinen Schreibtisch.

Er nimmt Kontakt mit den Betroffenen auf. Vor allem checkt er noch einmal ab: Handelt es sich um einen so genannten High-Risk-Fall? So werden jene Auseinandersetzungen bezeichnet, bei denen es besonders brutal zugegangen ist - und bei denen die Beamten befürchten, dass sie im Wiederholungsfall schlimm enden könnten. Manchmal hilft dann nur noch der Auszug. Oehm vermittelt an Beratungsstellen und an Frauenhäuser. Er kennt die Kontakte und die Adressen. Dem Kriminalhauptkommissar geht es darum, sich zusätzlich zu den Beamten, die vor Ort waren, ein Bild von dem Fall zu machen: „Ich frage bei Frauen ganz offen: Wollen Sie ihn wieder haben - oder nicht?“

Arbeit als Angebot

Seine Arbeit ist ein Angebot. Es besteht keine Pflicht es anzunehmen. Oehm sieht sich als Lotse. Manchmal schafft er es nur bis zum Anrufbeantworter. Oehm spricht drauf. „Einige melden sich sofort, andere nach einer Woche. Und einige gar nicht.“ Diejenigen, die mit ihm in Kontakt kommen, erlebt der Beamte oftmals als „völlig überfordert mit ihrer Situation“. Gewalt haben sie meistens nicht zum ersten Mal erlebt - doch an einem gewissen Punkt wollen und können sie nicht mehr weiter. Oehm hilft bei den praktischen Sachen: „Das Konto ist gesperrt, keine Karte vorhanden“, schildert der Polizist ein Beispiel aus dem Alltag. Viele Opfer von häuslicher Gewalt stehen ohne Geld da. „Wir weisen auf die Jobcenter hin, wir erklären, dass man Arbeitslosengeld II beantragen kann.“

Aus allen Schichten

Gleichzeitig stellt Oehm bei Bedarf den Kontakt zu den Jugendämtern her, wenn Jungen und Mädchen mitbetroffen sind. „Solche Taten machen leider etwas mit den Kindern“, sagt der Beamte. Der Weiße Ring, die Hilfsorganisation für Kriminalitätsopfer, ist eine weitere Anlaufstelle, an die er vermittelt. Täter und Opfer, mit denen er zu tun hat, kommen aus allen Schichten und aus allen Berufen. Bei den Taten „ist häufig Alkohol getrunken worden“, weiß der Kriminalhauptkommissar.

Bei jungen Leuten sind zunehmend Drogen ein Thema. Diejenigen, die die Polizei alarmieren, sind oft Nachbarn, Verwandte - und manchmal auch die Kinder in höchster Not.

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