Justiz

Mit Schreckschusswaffe durch Mescheder Ortsteil gelaufen

So täuschend echt können Schreckschusswaffen aussehen. Bei einer Kontrolle in Olpe bei Meschede wurde ein Mann damit erwischt.

So täuschend echt können Schreckschusswaffen aussehen. Bei einer Kontrolle in Olpe bei Meschede wurde ein Mann damit erwischt.

Foto: Jürgen Schade

Freienohl.  Bei einer Kontrolle in Olpe bei Meschede hat die Polizei eine Schreckschusswaffe bei einem jungen Mann entdeckt. Er stand noch unter Bewährung.

Weil ein 20-Jähriger mit einer Schreckschusswaffe durch Olpe bei Meschede gelaufen war, musste sich der junge Mann vor dem Jugendschöffengericht rechtfertigen. Den nötigen Kleinen Waffenschein besaß er nicht, zudem befand sich der Freienohler auf Bewährung.

Verstoß gegen Waffengesetz

Der heute 20-jährige Mann aus Freienohl wurde erst im Juni 2019 zu einer Bewährungsstrafe verurteilt – unter anderem wegen mehrfachen Fahrens ohne Führerschein, Beleidigung und Nötigung. Das war auch der Grund, warum der Verstoß gegen das Waffengesetz nun direkt vor dem Jugendschöffengericht verhandelt wurde. Einen Monat nach seiner Verurteilung, im Juli 2019, wurde der Angeklagte von der Polizei auf einem Parkplatz kontrolliert. Er hatte eine Schreckschusswaffe dabei, weil er – nach eigenen Angaben – seinem Waffenhändler einen möglichen Defekt daran zeigen wollte.

Das Magazin mit Munition befand sich nicht in der Waffe. Damit war die Waffe also nicht schussbereit – auch „nicht innerhalb von drei Sekunden oder mit weniger als drei Handgriffen“, zitierte sein Verteidiger aus dem Strafgesetzbuch. Wichtige Punkte, die der Anwalt strafmindernd ausgelegt haben wollte. Sein Mandant gab zu, die Waffe bei sich getragen zu habe.

Dass er dafür einen so genannten „Kleinen Waffenschein“ benötigt hätte, habe er nicht gewusst. Beim Kauf der Waffe vor Silvester 2018 habe ihn der Händler nicht über die Notwenigkeit informiert. Allerdings wäre ihm diese behördliche Erlaubnis aufgrund seiner Vorstrafen und seines regelmäßigen Drogenkonsums auch nicht ausgestellt worden. Jugendrichterin Mareike Vogt gab zu bedenken, dass die Waffe auch ohne Magazin den Anschein einer richtigen Waffe erweckt habe. Auch das Führen solcher „Anscheinswaffen“ ist gesetzlich verboten.

Zu Gute kam dem Angeklagten der positive Bericht der Bewährungshilfe. Der Freienohler arbeite derzeit für eine Zeitarbeitsfirma in der Lagerlogistik, ihm sei ein Ausbildungsplatz in Aussicht gestellt worden und er strebe eine Entgiftung (Angeklagter: „Ich kiffe nur noch ein bis zwei Mal in der Woche.“) an. Er sei auf einem guten Weg, so die Bewährungshelferin. Mit der Jugendgerichtshilfe habe der Mann bislang allerdings nicht zusammen gearbeitet. Die Sachbearbeiterin äußerte große Sorge, weil ihr der 20-Jährige auf dem Gerichtsflur mitgeteilt habe, dass er „keine Lust zu leben“ habe.

Zahlung ans Rockcafé

Der Verteidiger des Mannes forderte schließlich die Einstellung des Verfahrens. Auch die Staatsanwalt war mit der Einstellung des Verfahrens einverstanden, jedoch nur mit einer „deutlich spürbaren Zahlungsauflage“. Jugendrichterin Vogt stellte das Verfahren schließlich ein und der Angeklagte muss innerhalb von sechs Monaten 400 Euro an das Falken-Bildungswerk zahlen, das das Rockcafé in Meschede leitet. Diese soziale Einrichtung hatte der Angeklagte selbst ausgewählt.

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