Träume

Mit dem Rhönrad nach Teheran

Shahin Sadatolhosseini (links)

Shahin Sadatolhosseini (links)

Foto: Jürgen Kortmann

Meschede.   7000 Kilometer will er in einem Jahr zurücklegen:Shahin Sadatolhosseini rollt dafür sein Rhönrad bis nach Teheran. Es ist sein Lebenstraum, den er sich erfüllen möchte.

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Über den Jakobsweg nach Santiago de Compostela schmunzelt er nur: „Alle gehen offenbar in diese Richtung.“ Der Traum von Shahin Sadatolhosseini geht noch etwas weiter. „Ich pilgere meinen eigenen Weg“, sagt er – und der ist 7000 Kilometer weit, von Aachen nach Teheran im Iran. Und den ganzen Weg obendrein auch noch mit dem Rhönrad.

Meschede war Etappenziel, am Donnerstagabend kam der 44-Jährige klatschnass in die „Mono-Bar“, konnte dort seine Sachen trocknen, bestellte einen Grog zum inneren Aufwärmen und wurde von Wirt Thomas Bigge auch eingeladen, bei ihm zu übernachten. Das ist schon seine erste Erfahrung auf dem Weg: „Deutschland ist ein gastliches Land.“ Thomas Bigge bewundert ihn dafür: „Der Weg ist das Ziel. Wenn man einen Traum hat, und ihn verwirklicht, dann ist das ein Stück Gesundwerden.“

Freitag machte sich Shahin wieder auf den Weg, über den Wochenmarkt, mit Brilon als nächstem Tagesziel. Die Strecken in Deutschland wählt er entlang der Radwege, von Dresden aus will er dann südlich nach Tschechien, Österreich, Ungarn, die Balkan-Route nach Süden, über Griechenland und die Türkei (wenn es dann noch passt, mit dem 1500 Kilometer langen Umweg über Georgien, Armenien und Aserbaidschan) in den Iran. Am 22. Dezember ist er in Aachen gestartet, 365 Tage hat er für seinen Pilgerweg eingeplant, auf dem er die vier Jahreszeiten erleben will.

Akrobatik, Tanz und Ästhetik

Dieser Weg ist sein Traum. „Sehr verrückt“, gibt er zu – aber eben ein Traum. Seit 30 Jahren lebt er in Deutschland, die Familie flüchtete 1985 wegen des iranisch-irakischen Krieges. Er studierte Design, aus ihm wurde ein Künstler, ein Maler und Fotograf und Choreograph. Jetzt will Shahin die im Iran noch lebenden entfernten Verwandten treffen. Er will seine persische und die deutsche Identität zusammenzubringen.

Und in seinem Leben spielt das Rhönrad eine wichtige Rolle. Shahin turnte im Iran liebend gern, in Aachen fand er dann keinen Kunstturnverein, da blieb er auf seiner Suche bei den Rhönradfahrern hängen. Er liebt die Artistik, die damit möglich ist: „Ich wollte immer schon über Kopf stehen.“ Das Rhönrad verkörpert für ihn die Symbiose aus Akrobatik, Tanz und Ästhetik.

Auf den 7000 Kilometern rollt er sein über 20 Jahre altes Rad natürlich, nur auf besonderen Wunsch turnt er darin. Denn irgendwo muss er ja sein Gepäck lassen. Eine Stunde kostet es ihn immer, seine Taschen in dem Rad zu befestigen. Auf seinem Weg dient ihm das Rhönrad als „Schneckenhaus“, wie er es nennt; er kann eine Hängematte darin befestigen oder einen Überwurf, um darin zu schlafen. Bisher musste er aber nur dreimal draußen schlafen – eben wegen der Gastfreundschaft unterwegs.

Mit seinem Weg möchte er ein Friedenszeichen setzen: „Wenn ich rolle, lächeln schon die Leute.“ Auch auf dem Markt in Meschede wurde er darauf angesprochen, Kinder rollten mit. Shahin freut sich darüber: „Dadurch laden sich meine Batterien für den Weg wieder voll auf.“

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