Wirtschaft

Kommunen müssen handeln, denn Gewerbeflächen werden knapp

Im Gewerbegebiet Lake in Schmallenberg (rechts im Bild) gibt es aktuell keine freien Gewerbeflächen mehr.

Im Gewerbegebiet Lake in Schmallenberg (rechts im Bild) gibt es aktuell keine freien Gewerbeflächen mehr.

Foto: Hans Blossey

Meschede/Bestwig/Eslohe/Schmallenberg.   Zusätzliche Gewerbeflächen werden benötigt. Meschede und Schmallenberg planen neue Gebiete. Eslohe ist schon einen Schritt weiter...

Freie Gewerbeflächen sind eine wichtige Voraussetzung für die Entwicklung einer Kommune. Nur so haben Unternehmen die Möglichkeit, sich anzusiedeln, zu erweitern und Arbeitsplätze zu schaffen. Und dadurch werden weitere Impulse erzeugt: Arbeitsplätze bedeuten, dass junge Familien bleiben bzw. zuziehen, dass es Kindergärten und Schulen vor Ort gibt und auch, dass die Freiwillige Feuerwehr ihre Hilfsfristen einhalten kann. Nur wer nah am Wohnort arbeitet, kann im Ernstfall schnell zur Hilfe eilen. Wie sind unsere Kommunen aufgestellt, wenn es um freie Gewerbeflächen geht? Unsere Zeitung hat nachgefragt.

Meschede

Freie Gewerbeflächen gibt es im Stadtgebiet Meschede in EnsteNord „Auf dem Bruch“. Von den knapp 25.000 Quadratmetern Fläche sind allerdings 14.000 Quadratmeter reserviert. Ebenfalls reserviert sind 38.000 Quadratmeter in Enste-Nord, nördlich von Astroplast. In Enste-Süd „Am Steinbach“ stehen etwa 19.000 Quadratmeter zur freien Verfügung. Der Preis dieser Flächen liegt bei 49 Euro pro Quadratmeter. Verkauft werden sie durch die Wirtschaftsförderungsgesellschaft Hochsauerlandkreis (WFG HSK).

In Freienohl im Gewerbegebiet Brumlingsen stehen etwa 9.000 Quadratmeter zur Verfügung. Verkauft werden auch diese durch die WFG-HSK. In Wennemen in der Südstraße umfasst eine eingeschränkte Gewerbefläche, also ein Mischgebiet, ca. 7.000 Quadratmeter. Der Kaufpreis liegt bei 25 Euro. Der Verkauf läuft über die städtische Mescheder Immobilien- und Service GmbH (MIMS GmbH).

Weitere Flächen, die jedoch im Privateigentum sind, liegen in Meschede, Briloner Straße (7.000 Quadratmeter), in Remblinghausen, Zum Osterfeld (4.700 Quadratmeter) und in Freienohl, Im Langel (3.300 Quadratmeter).

„Viele Firmen verfügen über Reserveflächen für eigene Ausbauzwecke, die daher nicht auf dem Markt verfügbar sind“, ergänzt Angelika Beuter, Pressesprecherin der Stadt Meschede. Dazu gehörten ITH, Held KG und Bauking in Enste sowie Veltins in Grevenstein.

Mit vorausschauendem Blick arbeiten Stadt und WFG an einem neuen Gewerbegebiet Freienohl/Wennemen. „Ein Grundstück wurde bereits erworben. Hier könnten ca. 127.000 Quadratmeter Bruttogewerbefläche entstehen“, sagt Angelika Beuter. Wann es dort zur Umsetzung komme, sei aber noch nicht bekannt.

Bestwig

In Bestwig stehen im „Wohn- und Gewerbegebiet Wiebusch II“ freie Gewerbeflächen in einer Größenordnung von ca. 25.000 Quadratmetern zur Verfügung. Eigentümerin ist auch hier die Wirtschaftsförderungsgesellschaft des Hochsauerlandkreises (WFG). Die Grundstückspreise liegen hier bei 49 Euro pro Quadratmeter. Weitere Gewerbeflächen sind derzeit laut Pressestelle nicht geplant.

Eslohe

6.500 Quadratmeter freie Gewerbefläche hält die Gemeinde Eslohe zurzeit vor. Diese Fläche befindet sich in Bremke im Stakelbrauk. „Dort liegt unser Gewerbeschwerpunkt“, erklärt Georg Sommer von der Gemeinde Eslohe. Etwa 40 Euro kostet der Quadratmeter. Da diese Fläche nicht ausreichend sei, habe die Gemeinde dort bereits zehn Hektar zusätzlich erworben. „Da muss der Flächennutzungsplan aber noch geändert werden“, erklärt Georg Sommer. Der Bebauungsplan sei in Arbeit. „Die Erschließung ist für 2020 geplant.“

Schmallenberg

In der Kernstadt Schmallenberg selbst gibt es aktuell keine freien Gewerbeflächen. Das Problem: Sind potenzielle Flächen in privatem Besitz und der Eigentümer möchte nicht verkaufen, hat die Kommune keine Möglichkeiten. „Freie Flächen gibt es aber noch im Gewerbepark Hochsauerland II in Bad Fredeburg“, erklärt Josef Schörmann von der Stadt Schmallenberg. „Dort läuft die Erschließungsmaßnahme.“ Von 8,9 Hektar seien noch 5,2 frei. Der Quadratmeter kostet 35 Euro. „Damit setzen wir uns aber nicht zur Ruhe“, ergänzt Schörmann. „Wir haben mehrere Ideen, wo wir Flächen ausweisen können.“ Die seien aber noch nicht spruchreif. Außerdem gebe es im Stadtgebiet weitere kleinere Flächen in den Dörfern, die jedoch als Potenzialflächen für die dort schon ansässigen Betriebe dienen sollen.

Aktuell werde zudem ein Zukunft gerichtetes Konzept für die Region entwickelt, wie Josef Schörmann erklärt: „Auf Ebene des HSK und des Kreis Soest soll zusammen mit der Wirtschaftsförderungsgesellschaft HSK und der Bezirksregierung ein gemeinsames Gewerbeflächen-Entwicklungskonzept entstehen.“

>>> Drei-Fragen- Interview mit Frank Linnekugel von der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Hochsauerlandkreis:

1. Was ist das Ziel eines übergeordneten Industrie- und Gewerbeflächen-Entwicklungskonzepts?

Ziel ist die Suche von geeigneten Standorten für die An- und Umsiedlung von Industrie- und Gewerbebetrieben. Im HSK ist die Flächenverfügbarkeit derzeit sehr unterschiedlich. Manche Kommunen verfügen nur noch über wenige Flächen. Somit soll dieses Konzept an bestimmten, zum Beispiel infrastrukturell besonders geeigneten Standorten, auch perspektivisch eine gewisse Flächenvorsorge ermöglichen.

2. Warum ist eine Zusammenarbeit von Kreis und Kommunen wichtig?

Die Zusammenarbeit mit den Kommunen ist seit vielen Jahren sehr vertrauensvoll. Die Flächen liegen physisch ja auf dem Gebiet der Kommunen und sind in der Regel in deren Eigentum. Wir als Kreis haben hier gemäß Abstimmung mit der Bezirksregierung eine koordinierende Funktion. Der Landesentwicklungsplan sieht zudem ein interkommunal abgestimmtes Vorgehen vor.

3. Was genau beinhaltet ein solches Konzept?

Das Konzept soll u.a. eine Bestandsaufnahme, Flächenvorschläge sowie Handlungsvorschläge und Entwicklungsperspektiven beinhalten. Es zielt damit auf eine Stärkung und Weiterentwicklung des Gewerbestandorts Hochsauerlandkreis mit seinen Städten und Gemeinden ab. Es soll sowohl den betrieblichen Anforderungen bestehender und zukünftiger Betriebe, als auch der Bedeutung des Freiraums Rechnung tragen. Das Gewerbe- und Industrieflächenkonzept ist als Fachbeitrag von der Regionalplanungsbehörde zu berücksichtigen und bildet damit die Grundlage für die Festlegung neuer Gewerbe- und Industrieflächen bei Regionalplanänderungsverfahren. Diese Konzepterstellung erarbeiten wir gemeinsam mit unseren zwölf Kommunen, der Kreis Soest erarbeitet diese parallel mit seinen Kommunen.

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