Busverkehr

Harbecke: „Das vergessene Dorf im ÖPNV von Schmallenberg“?

Michael und Ulrike Pathe in Harbecke: Er sagt - der kleine 136-Einwohner-Ort wird im ÖPNV völlig vergessen. 

Michael und Ulrike Pathe in Harbecke: Er sagt - der kleine 136-Einwohner-Ort wird im ÖPNV völlig vergessen. 

Foto: Laura Handke

Schmallenberg/Harbecke.  Verbesserungen im ÖPNV in Schmallenberg? Nicht in Harbecke. Zweimal am Tag kommt dort ein Bus. Die nächsten Haltestellen sind weit entfernt

Es tut sich was im Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) in Schmallenberg: Neue Buslinien kommen hinzu, der Samstagsverkehr wird ausgebaut, auch der Fahrplan des Bürgerbusses wird überarbeitet (wir berichteten). „Überall gibt es augenscheinlich Verbesserungen - nur nicht in Harbecke. Es kommt ein bisschen so rüber, als wäre Harbecke das vergessene Dorf“, sagen Michael und Ulrike Pathe. Beide wohnen schon lange im Ort - und haben selbst schon zu spüren bekommen, dass man in der Mobilität dort sehr eingeschränkt ist: „Zweimal am Tag kommt hier im Dorf der Bus. Einmal um kurz vor acht, einmal gegen 12. Danach ist nichts mehr. Das kann anstrengend werden, gerade für ältere Menschen oder Familien mit Kindern. Denn man kommt ohne Auto hier nicht weg“, ärgert sich Michael Pathe. Er wünscht sich, dass die Stadt etwas unternimmt.

Nächste Haltestellen gut 1,5 Kilometer entfernt

Dass der Busverkehr in Harbecke ein Problem ist, das weiß das Paar schon lange. „Das war früher immer eine einzige Fahrerei mit den Kindern, wenn sie zur Schule mussten, als Mitglieder in Vereinen angemeldet waren oder sich mit Freunden treffen wollten. Da sie hier selbstständig mit dem Bus nicht wegkamen, mussten wir sie immer fahren.“

Auch zum Einkaufen oder in die Stadt geht es nicht ohne Auto. „Der Bus kommt hier im Ort zweimal am Tag. Die nächsten Haltestellen, die regelmäßiger angefahren werden, liegen von uns aus in Werpe oder Lenne. Das ist in beide Richtungen gut 1,5 Kilometer Fußweg“, weiß Pathe. Und das ist nicht für jeden machbar: „Wir haben auch viele ältere Menschen hier im Dorf. Ohne Nachbarschaftshilfe geht es hier nicht.“

Mietanfragen werden zurückgezogen

Und wie es ist, wenn man eigentlich auf den ÖPNV angewiesen ist, das weiß der 65-Jährige genau: Pathe war gut ein Jahr lang krank und konnte nicht arbeiten. Seine Frau hingegen musste zur Arbeit - „und ich regelmäßig zum Arzt, und wir haben nur einen Wagen. Meine Frau musste mich nachdem ich wieder arbeitsfähig war, aber noch kein Auto fahren durfte, morgens gegen 6 Uhr nach Schmallenberg zur Bushaltestelle bringen. Von dort bin ich dann nach Meschede zu meiner Dienststelle gefahren und nachmittags bin ich von meiner Frau dann gegen 16.30 Uhr wieder in Schmallenberg an der Haltestelle abgeholt worden.“ Das sei etwa über einen Zeitraum von acht Monaten so gelaufen. „Wenn ich den Bus vom Harbecker Weg hätte nehmen müssen, wäre ich noch über eine Stunde länger unterwegs gewesen“, so Pathe.

Auch mehrere Mietanfragen, die sie für eine leerstehende Wohnung in Harbecke bekommen haben, wären zurückgenommen worden: „Weil der ÖPNV hier so schlecht ist. Viele Familien sind darauf angewiesen“, erklärt Ulrike Pathe. Auch sie wünscht sich Veränderungen: „Es wäre ja schon mal ein Anfang, wenn es nachmittags noch mal ein bis zwei Fahrten geben würde“, sagt sie. Insgesamt hat Harbecke 136 Einwohner. Ob sich Verbesserungen auch andere Familien oder Dorfbewohner wünschen? „Das wissen wir nicht genau. Das müsste man mal abfragen. Die Situation haben augenscheinlich alle schon lange akzeptiert und sagen ,das war ja schon immer so’. Aber eigentlich kann das nicht sein“, ist sich das Paar einig.

Gefährlicher Weg ohne Bürgersteig und Beleuchtung

Vor allem auch, weil die Strecke zu den nächsten Haltestellen nicht ganz ungefährlich ist: „Man muss zu Fuß die K 25 bei Wind, Wetter, Eis und Schnee oder auch bei völliger Dunkelheit die unbeleuchtete Straße zum Harbecker Weg entlang laufen.“ Die K 25 sei morgens, nachmittags und abends relativ stark befahren. „Da sie auch nicht sonderlich breit ist, ist der Weg auch nicht ganz ungefährlich - zumal es keinen Gehweg und keinen Randstreifen gibt“, sagt Michael Pathe. „Wenigsten der Bürgerbus könnte Harbecke noch einmal am Tag anfahren“, findet er.

>>>HINTERGRUND

Das sagt der Kreis: Grundsätzlich versuche der Kreis alle Gebiete und Ziele über den ÖPNV zu erschließen, schreibt Martin Reuther, Pressesprecher des Kreises, auf unsere Anfrage. Ausnahmen hiervon gelten für sehr kleine, abseits gelegen Wohnlagen mit weniger als 250 Einwohnern - dazu gehöre Harbecke mit seinen 136 Einwohnern. Der nächstgelegene Haltepunkt liege 1.300 Meter entfernt. „Möglicherweise gebe es Chancen für ergänzende Konzepte zur Bewältigung der „letzten Meile“, „attraktive Fuß- und Radwege sowie Radabstellanlagen.“ Der Hochsauerlandkreis stehe den kreisangehörigen Städten und Gemeinden bei diesen Fragen beratend zur Seite, so Reuther. „Darüber hinaus können sich kleine Orte und Siedlungen auch für die Bedienung durch die ehrenamtlichen Bürgerbusvereine eignen.“

Das sagt die Stadt: Darauf verweist auch Berthold Vogt vom Ordnungsamt der Stadt, der Bus sei seit 2004 unterwegs. „Allein, für diesen einen Bus ist es schwierig, ausreichend ehrenamtliche Fahrer zu finden“, erklärt Vogt. Gäbe es mehr ehrenamtliche Fahrer, könnte auch das Bürgerbus-System ausgebaut werden. Vorausgesetzt, die Stadt erhält die Konzession für die Strecke. Auch das sei immer eine Hürde.

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