Gericht

Gerichtsverhandlung nach Messer-Attacke bei Schützenfest

Im Park neben dem Kurhaus in Bad Fredeburg ist es beim Schützenfest 2018 zu einer Prügelei gekommen. Ein 21-Jähriger wurde dort mit einem Messer verletzt.

Im Park neben dem Kurhaus in Bad Fredeburg ist es beim Schützenfest 2018 zu einer Prügelei gekommen. Ein 21-Jähriger wurde dort mit einem Messer verletzt.

Foto: Hans Blossey

Bad Fredeburg.  Beim Schützenfest in Bad Fredeburg ist ein Streit eskaliert. Es gab einen Freispruch und ein kompliziertes Bewährungsabkommen für die Angeklagten

Zwei Schnittwunden im Gesicht, zwei am Arm, Prellungen: Das Bad Fredeburger Schützenfest 2018 wird ein 21-Jähriger nicht vergessen. Seine Narben erinnern ihn daran. Wie aus dem Nichts kippten Unbekannte ihm und seinen Freunden im Park neben dem Kurhaus Bier über den Kopf. Die Situation eskalierte: Es kam zur Prügelei. Einer der Angreifer trennte den 21-Jährigen von der Gruppe, bedrohte und verletzte ihn mit einem Messer - „ich war mit Blut überströmt“. Auf der Anklagebank saßen jetzt zwei 21-jährige Schmallenberger - unter anderem wurde ihnen gemeinschaftliche, gefährliche Körperverletzung vorgeworfen. Einen Freund des Opfers sollen sie bewusstlos geschlagen haben. Aber beide hatten ein Alibi. Am Ende gab es einen Freispruch für den einen und ein kompliziertes Bewährungsabkommen für den anderen vor Gericht.

Der Hintergrund

Am ersten Abend des Fredeburger Schützenfestes müssen sich wüste Szenen im Park zugetragen haben: Es kam zu einer Schlägerei zwischen zwei Gruppen. Es wurde geschubst, geschlagen und getreten. Als einer der Männer, die den Streit begonnen hatten, ein Messer zog, artete es aus. Das Opfer, ein 21-jähriger Schmallenberger, konnte zur Security flüchten, ein Freund rief die Polizei. Als diese vor Ort ankam, waren die Täter bereits geflohen.

Die Zeugen

Die beiden Angeklagten wurden durch einen Bekannten des Opfers identifiziert: Er hatte eine Zeit lang mit ihnen Fußball gespielt und ihre Namen an die Polizei weitergegeben. Er war der einzige, der sie zuvor kannte. Alle identifizierten die beiden Männer bei einer Lichtbild-Vorlage auf dem Polizeirevier. Einer mit schulterlangen Haaren, den anderen mit Kurzhaarschnitt. Auch im Gerichtssaal waren sich die meisten sicher (neun Zeugen wurden gehört): „Wir erkennen sie wieder.“ Einen als Angreifer mit dem Messer. Der andere 21-Jährige Schmallenberger soll das Opfer mit einem Schlag verletzt haben (zum Tatzeitpunkt laut Zeugen lange Haare). Auf Nachfrage bestätigten die Zeugen auch, sich vorab das Facebook-Profil eines der Angeklagten angesehen zu haben.

Die Alibis

Beide Angeklagten stritten die Vorwürfe ab: Zeugen konnten ihre Geschichten bestätigen. Der angeklagte „Messer-Täter“ sagte dazu: „Als ich mit einem Freund ankam, kam eine betrunkene Gruppe zu mir, die mich beschuldigt hat. Ich war gar nicht da, als es die Prügelei gab.“ Eine Arbeitskollegin des zweiten Angeklagten erzählte: „Wir waren zusammen dort. Als wir zum Rauchen rauskamen, war eine Prügelei in vollem Gange. Er rannte hin, um die Leute auseinanderzuhalten. Ich habe ihn da raus geholt. Dann sind wir wieder feiern gegangen.“ Nachdem mehrere Zeugen ihn mit langen Haaren identifiziert hatten, stellte sie klar: „Er hatte da schon seit mindestens zwei Jahren kurze Haare.“ Handelte es sich also um eine Verwechslung?

Das Urteil

Beide Verteidiger forderten einen Freispruch. „Er war’s nicht“, sagte der Verteidiger des 21-Jährigen, der zwei Jugendliche in der Nacht geschlagen haben soll. Auch an der Messer-Attacke sei er nicht beteiligt gewesen. „Es gibt keine überzeugenden Argumente für eine Verurteilung.“ Der Rechtsanwalt des angeklagten „Messer-Täters“: „Diese Attacke ist geschehen. Aber ich bin überzeugt, dass hier die falschen auf der Anklagebank sitzen.“

Anders sahen das Staatsanwaltschaft und der Nebenklagevertreter des Opfers. Sie waren sicher: „Es handelt sich um die Täter.“ Sie seien durch die Zeugenaussagen überführt worden. Nach gut einer Stunde Beratung verkündete die Richterin einen Freispruch für den 21-Jährigen Schmallenberger, der an der Prügelei beteiligt und zwei Jugendliche geschlagen haben soll. Der 21-Jährige, der wegen der Messer-Attacke beschuldigt war, wurde zu einem komplizierten und ungewöhnlichem Bewährungsabkommen verurteilt: Eine Straf-Dauer für die Jugendstrafe wird erst dann festgelegt, wenn er gegen Bewährungsauflagen verstößt.

>>>> Hintergrund: Entscheidung für bestimmte Bewährungszeit aussetzen

Nach § 27 Jugendgerichtsgesetz gilt: Kann nach Erschöpfung der Ermittlungsmöglichkeiten nicht mit Sicherheit beurteilt werden, ob nach der Straftat eines Jugendlichen eine Jugendstrafe erforderlich ist, so kann der Richter die Schuld des Jugendlichen feststellen, die Entscheidung über die Verhängung der Jugendstrafe aber für eine von ihm zu bestimmende Bewährungszeit aussetzen.

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