Fracking

Fracking ja, aber ohne Chemie - CDU-Experte Dr. Sensburg zur Lage im Hochsauerland

Fracking im Hochsauerland? Langfristig könnte es saubere Bohrungen geben, glaubt Dr. Sensburg (CDU).

Fracking im Hochsauerland? Langfristig könnte es saubere Bohrungen geben, glaubt Dr. Sensburg (CDU).

Foto: dpa

Meschede.   Könnte schon bald Fracking im Hochsauerland stattfinden? Die Bundesregierung arbeitet zurzeit an einem Gesetzentwurf. Darin soll geregelt werden, unter welchen Umständen Gas aus tiefen Gesteinsschichten gefördert werden darf. Der CDU-Bundestagsabgeordnete Dr. Patrick Sensburg sieht absehbar keine Bohrungen im heimischen Raum - langfristig aber vielleicht schon.

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Herr Sensburg, es gibt Befürchtungen, dass es schon sehr bald zum Fracking im Hochsauerland kommen könnte. Was sagen Sie dazu?

Nein, das halte ich nicht für möglich. Ein Fracking mit dem Einsatz von Chemikalien, wie wir das heutzutage kennen, wird hier nicht stattfinden. Da, wo Umweltrisiken bestehen, wird es nicht erlaubt werden. Wir wären auch schlecht beraten, wenn ich beispielsweise an unsere Talsperren, unsere Brauereien und unsere Trinkwasservorkommen denke.

Was macht Sie denn so sicher, dass hier Fracking nicht in absehbarer Zeit betrieben wird?

Ich gehe davon aus, dass wir bis zur Sommerpause ein Gesetz dazu im Bundestag verabschiedet haben. Eine Arbeitsgruppe aus CDU, CSU und FDP, der ich angehört habe, hat sich Gedanken zu dem Thema gemacht und in mehreren Sitzungen ein Papier mit den Knackpunkten entwickelt. Darin enthalten sind hohe Hürden, zum Beispiel ein Verbot des Frackings in Wasserschutzgebieten sowie die Pflicht zu einer Umweltverträglichkeitsprüfung. Konkret bedeutet das: Eine Genehmigung würde unter anderem am Einsatz von Chemikalien scheitern.

Bei Probebohrungen gibt es allerdings Meinungen in der Koalition, dass da auch eine verkürzte Umweltverträglichkeitsprüfung ausreichen würden. Wie stehen Sie dazu?

Meine Position ist klar: Ich halte das für zu gefährlich, weil schon bei Probe-Fracks etwas schief gehen kann. Die Unternehmen können auf andere Weise herausfinden, ob sich lukrative Schiefergasvorkommen im Boden befinden, beispielsweise durch Schallwellen oder Analysen der Gesteine. Wenn sie dann noch Probe-Fracks machen wollen, müssen sie eben eine volle Umweltverträglichkeitsprüfung auf ihre Kosten durchlaufen.

Würden Sie das Fracking grundsätzlich verbieten wollen?

Nein, derzeit aber schon für umweltgefährdendes Fracking, also die Variante mit Chemikalien. Ich bin mir sicher, dass die Unternehmen ihre Techniken weiterentwickeln werden. Wenn morgen eine Firma kommt und sagt: Wir können das anders als in den USA und machen das nur mit Wasser und Sand und wir haben einen Filter, der dafür sorgt, dass nur Gas und sonst nichts nach oben kommt, dann haben wir keinen Grund diese Förderung zu verbieten. Immerhin können dann wertvolle Bodenschätze gefördert werden.

Glauben Sie die Bevölkerung wäre dann weniger skeptisch?

Entscheidend ist aus meiner Sicht, ob die Umwelt gefährdet wird oder nicht. Wenn es keine Risiken gäbe, wären wir dumm, wenn wir diese Ressourcen nicht nutzen und weiterhin Gas aus Russland importieren würden. Wir müssen uns doch auch einmal fragen: Wie sichern wir unseren Wohlstand? Wir werden weiterhin Energie brauchen, und zwar solche, die wir bezahlen können. Daher können wir uns nicht gänzlich jedweder Technologie verschließen. In Deutschland sind wir doch stark geworden, weil wir immer neue Innovationen hervorgebracht haben. Dauerhaft dürfen wir die Tür für das Fracking daher nicht zuschlagen. Vielleicht ist es ja gerade eine deutsche Firma, die das erste saubere Fracking erfindet.

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