Sicherheit

„Das Grundproblem ist das gleiche wie in Köln“

Junge Frauen bei einem Selbstverteidigungsseminar. Der Bestwiger Sicherheitsdienst LH Security will nach den Vorfällen in der Silvesternacht in Köln kostenlose Kurse für Frauen anbieten.

Junge Frauen bei einem Selbstverteidigungsseminar. Der Bestwiger Sicherheitsdienst LH Security will nach den Vorfällen in der Silvesternacht in Köln kostenlose Kurse für Frauen anbieten.

Foto: FUNKE FotoServices

Bestwig.   Ludger Hilgenhaus ist Inhaber des Bestwiger Sicherheitsdienstes LH Security. Berufsbedingt hat auch er sich mit den Vorfällen in der Silvesternacht am Kölner Hauptbahnhof beschäftigt - und reagiert jetzt auf die Ängste vieler Frauen.

Hilgenhaus bietet kostenlose Selbstverteidigungskurse für sie an. Außerdem mahnt er zur Vorsicht beim Umgang mit Pfefferspray.

Herr Hilgenhaus, ist es nach Köln nicht übertrieben, nun kostenlose Selbstverteidigungskurse für Frauen im Sauerland anzubieten?

Hilgenhaus: Meines Erachtens ist es das ganz und gar nicht. Solche Pro­bleme gibt es eben nicht nur in Großstädten, sie können auch hier bei uns auftreten - wenn vielleicht auch nicht in dieser Dimension. Aber das Grundproblem ist hier im Sauerland das gleiche wie in Köln.

Welches „Grundproblem“ meinen sie konkret?

Viele Migranten mit einem islamischen Hintergrund vertreten oft ein Männerbild, das durch machohaftes Auftreten gekennzeichnet ist und offensichtlich auch vor Gewalt nicht zurückschreckt. Das ist teilweise Frauenverachtung. Da nützt es in meinen Augen auch nichts, wenn diese Flüchtlinge einen Zettel an die Hand bekommen, wie sie sich in Deutschland zu verhalten haben und darüber informiert werden, was unsere Werte sind. Nach 18 und mehr Jahren in einem anderen Kulturkreis wird ein einfacher Zettel eine solche Einstellung nicht ändern. Das Phänomen ist ja nicht neu - nur seit Köln wird endlich darüber gesprochen.

Macht Ihnen als Chef einer Sicherheitsdienstfirma nicht Sorge, dass viele Frauen sich nun mit Pfefferspray ausstatten?

Als Notmaßnahme kann man die Pfeffersprays sicherlich akzeptieren. Man darf aber nicht vergessen, dass sie eigentlich zur Abwehr von Tieren da sind. Wenn ich Pfefferspray gegen Menschen anwende, ohne nachweisen zu können, dass ich tatsächlich in Notwehr gehandelt habe, laufe ich schnell Gefahr, mich wegen gefährlicher Körperverletzung verantworten zu müssen.

Nun steht Karneval an und sie sorgen im Auftrag der Veranstalter in vielen Hallen für die Sicherheit. Pfeffersprays dürfen doch sicherlich nicht mit hineingenommen werden, oder?

Nein, auf keinen Fall. Wir werden an den Eingängen die Pfeffersprays einsammeln und nach den Veranstaltungen wieder aushändigen. Damit wollen wir verhindern, dass durch eingesetztes Pfefferspray in der Halle eine Panik ausgelöst wird.

Sollte man sein Pfefferspray namentlich kennzeichnen? Es ist ja damit zu rechnen, dass es eine ganze Menge an Flaschen sein wird, die sie einsammeln müssen.

Die Dosen mit dem Pfefferspray können natürlich gern markiert werden. Unbedingt notwendig ist das aber nicht. Alles, was wir am Eingang einsammeln, wird ohnehin gekennzeichnet und protokolliert. So ist gewährleistest, dass jeder seine eigene Flasche auch wiederbekommt.

Sie wollen kostenlose Selbstverteidigungskurse für Frauen anbieten. Wie werden die Kurse konkret ablaufen?

Ich denke, es wird insgesamt zwei bis drei Kurse geben - je nachdem, wie groß das Interesse ist. Derzeit befinden wir uns noch in der Planungsphase. Stattfinden werden die Kurse vermutlich im März. Es wird dabei natürlich einen praktischen Teil geben, in dem die Frauen Techniken lernen, mit denen sie sich bei Belästigungen zur Wehr setzen können. Es wird aber auch eine Gesprächsrunde geben, in der Erfahrungen ausgetauscht werden sollen.

Was ist Ihre Motivation für dieses kostenlose Angebot?

Ich sehe das als meinen persönlichen Beitrag in der heutigen Zeit an. Als Sicherheitsdienst haben wir schon extrem viele praktische Erfahrungen im Alltag gemacht. Wir wissen also durchaus, wovon wir in einem solchen Kurs reden. Warum sollte man dieses Wissen nicht einfach mal unentgeltlich weitergeben.

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