Magersucht

Bulimie: Elke Lechner wurde früher mit Ärzte-Lied gemobbt

Elke Lechner mit 29 Jahren. Damals wog sie bei 1,62 Meter Körpergröße 28 Kilogramm.  

Elke Lechner mit 29 Jahren. Damals wog sie bei 1,62 Meter Körpergröße 28 Kilogramm.  

Foto: Privat

Wehrstapel/Dortmund.  „Die fette Elke“ - Elke Lechner aus Wehrstapel leidet 20 Jahre an Bulimie. Zu den Auslösern zählte auch das Ärzte-Lied. Yoga rettet ihr Leben.

„Die fette Elke“, singen die Ärzte in ihrem Lied „Elke“. Der Song wurde in den frühen 90ern rauf und runter gespielt und sorgte dafür, dass Elke Lechner von ihren Klassenkameraden gemobbt wurde. Sie wog damals 56 Kilogramm bei einer Größe von 1,62 Metern.

„Ich war nicht dick“, sagt die heute 42-Jährige, aber für ihr schlechtes Selbstwertgefühl wurden die Zeilen zum Mantra. Mit 15 Jahren begann ihre Magersucht. Yoga half ihr zu überleben. Heute möchte die Frau ihre Erfahrungen teilen, unter anderem mit dem YouTube-Kanal und ihrer Internetseite Yogahilft.de.

Auf 28 Kilogramm abgemagert

In ihren schlechtesten Zeiten wog Elke Lechner 28 Kilogramm. „Ich habe meine Gefühle ausgekotzt“, erzählt sie und klingt dabei sehr reflektiert.

Ihren Körper, ihre negativen Gefühle und Gedanken habe sie so betäubt. Hinter ihr lag eine zerrüttete Beziehung zu ihren Eltern und ein hoher Leistungsdruck an sie selbst. Erst mit Ende 20 wird sie stationär aufgenommen. „Das war viel zu spät, aber ich habe mich immer geweigert“, sagt sie.

Ein Jahr blieb sie in der Klinik, wird in der Zeit sogar entmündigt. In der Klinik zwingt man sie zum Essen. Eine Gewichtszunahme von 700 Gramm pro Woche waren Pflicht. Sie wog schließlich 48 Kilogramm.

„Wahrscheinlich habe ich viel Glück oder ein gutes Karma gehabt, dass es mich überhaupt noch gibt“, so Elke Lechner. Denn auch ihre Organe nahmen trotz der Essstörung, die sich über Jahrzehnte zieht, kaum Schaden. Nur der Darm bereitet Probleme. „Ich kann nicht alles verdauen und muss mit Yoga-Übungen nachhelfen“, erzählt sie. Heute wiegt sie 43 Kilogramm. Die Gewichtsangaben ziehen sich wie ein Zeitstrahl durch ihr Leben.

Spirituelle Reise nach Thailand

Probleme mit dem Alltag hat die 42-Jährige immer noch. „Da ich meine Gefühle jahrelang betäubt habe, kommen jetzt alle hoch. Ich habe nie die Fähigkeit erlangt, mit meinen Ängsten umzugehen. Das muss ich jetzt langsam lernen“, sagt sie. Erst vor wenigen Wochen kam sie aus einer stationären Psychotherapie zurück und lebt nun in Dortmund.

Vorher führte sie ihr Weg von Wehrstapel über einen Aufenthalt in Europas größtem Yoga Ashram zu einer neunmonatigen spirituellen Reise durch Thailand. „Yoga hat mir immer geholfen. Ohne würde ich nicht mehr leben“, sagt die examinierte Krankenschwester und ausgebildete Yogalehrerin. Meistens übt sie drei bis vier Stunden am Tag, die Übungen, das Atmen geben ihr eine innere Kraft. Das Essen werde allerdings immer ein Thema für sie sein. Nicht, weil sich die Figur ändern könnte, sondern aus Angst vor dem Kontrollverlust. Vor exakt drei Jahren hat sie sich das letzte Mal übergeben.

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Tipps für betroffene Eltern

Von ihrem Vater und ihrer Mutter habe sie als Teenager keine Hilfe erfahren. „Deshalb bitte ich alle Eltern, genau hinzuschauen. Es hilft nicht, zu sagen iss, iss, iss.“ Zur Not müsse das Kind eingewiesen werden. „Ohne mit der Wimper zu zucken, würde ich mein Kind ins Krankenhaus fahren.

Denn ich weiß aus eigener Erfahrung: je früher, einem geholfen wird, desto besser wirkt eine Therapie.“ Mit ihrer Seite yogahilft.de möchte sie nun anderen Mut machen und den Austausch suchen. Denn am wichtigsten sei es, den Kontakt nach Außen und zu anderen zu halten: „Sonst spricht permanent der Kopf, wenn du allein bist.“

  • Elke Lechner (42) wuchs in der Nähe von Augsburg auf, ist ausgebildete Krankenschwester und arbeitete viele Jahre als Animateurin in Hotels auf der ganzen Welt. Zuletzt lebte sie in Wehrstapel, ist nun aber nach Dortmund gezogen.
  • Die 42-Jährige ist aufgrund ihrer Krankheit bereits verrentet. Sie arbeitet nebenbei als Yogalehrerin und lebte mehreren Jahre in Europas größtem Yoga Ashrams in Bad Meinberg.

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