Freizeit

„Beide Seiten müssen Rücksicht nehmen“

Fahrtechnik-Trainer Marc Brodesser beim Mountainbike-Training im Wald.

Fahrtechnik-Trainer Marc Brodesser beim Mountainbike-Training im Wald.

Foto: WP

Wasserfall/Bigge.   Es war eine Schock-Nachricht für viele Biker im Sauerland: Im November 2015 hat ein Unbekannter zwischen Wasserfall und Heinrichsdorf ein Drahtseil im Wald gespannt. Eine Seltenheit ist so etwas aber nicht.

Das befand sich auf Kopfhöhe eines Moto-Cross-Fahrers, der bei einem Unfall verletzt wurde. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen versuchten Mordes - auch, weil sie ein Zeichen setzen möchte. Denn solche Taten kommen immer wieder vor.

„Ich habe sowas ähnliches auch schon erlebt. Wir nennen solche Leute Trail-Verblocker“, bestätigt Marc Brodesser aus Bigge. Der 30-Jährige ist leidenschaftlicher Mountainbiker und Fahrtechnik-Trainer. In seinen Kursen bringt er Anfängern und Erfahrenen Balance und einen sicheren Fahrstil nahe. Bevor er ins Sauerland gezogen ist, hat er einige Jahre in Bonn gelebt. Während einer Tour habe er von einem gespannten Nylonfaden erfahren. Eine Wanderin hatte ihn bemerkt und kurzerhand entfernt – bevor ein Biker zu Schaden gekommen sei.

„In Fachmedien liest man oft von solchen Sachen. Etwa alle zwei Wochen spannt jemand einen Draht irgendwo in Deutschland, um uns zu schaden“, sagt Brodesser. Ähnliches berichtet sein Freund Björn Karin aus Brilon. Er ist ebenfalls Trainer und bietet geführte Touren an. Er hat Manipulationen miterlebt – wie im Waldboden versteckte Nagelbretter. „Das gab es auch schon. Und wer ist reingetreten? Ein Wanderer.“

Aufgeben kommt nicht in Frage

Für die beiden ist das alles zwar unglaublich, aber leider Realität. „In Bonn hat auch schon einer versucht, ein Kreuz hinter eine Kurve zu bauen - als Hindernis“, erzählt Brodesser weiter. Aber auch diese Falle sei rechtzeitig entdeckt worden. Doch wegen der Fallen den Sport aufgeben? Das kommt für Brodesser, der auch einen erfolgreichen YouTube-Kanal mit über zwei Millionen Abonnenten hat, nicht in Frage. Er hat für viele eine Vorbildfunktion. „Ich denke nicht über Fallen nach.“

Der Trainer sieht das Problem vor allem in der fehlenden Kommunikation. Oft seien es Anwohner oder Wanderer, die sich von den Radfahrern gestört fühlten. Schwarze Schafe gebe es aber auf beiden Seiten, ergänzt Björn Karin. Wanderer, die Radfahrern Stöcke in die Speichen steckten, genauso wie Biker, die zu schnell und rücksichtslos auf „normalen“ Wegen unterwegs seien.

„Beide Seiten müssen Rücksicht nehmen. Als Radfahrer sollte man sich an Regeln halten.“ Da sind sich die Profis einig. Das heißt vor allem: Wanderwege bei Stoßzeiten an Wochenenden meiden, langsam an Mensch und Tier vorbeifahren, freundlich sein und keine Spuren hinterlassen. „Viele trainieren rücksichtslos im Wald. Aber vor allem laute Bremsgeräusche erschrecken viele Menschen“, sagt Björn Karin.

Dabei sei es hier im Umkreis gar nicht nötig, quer durch die Wälder zu fahren. Angelegte Mountainbike-Trails bieten den Fahrern die Möglichkeit, sich selbst auszuprobieren. „Das Sauerland ist groß genug, um Wege zu finden – hier müsste es eigentlich keine Probleme geben“, findet Brodesser.

Die Staatsanwaltschaft in Arnsberg schließt nicht aus, dass auch in Wasserfall ein militanter Naturschützer am Werk gewesen sein könnte. Nach dem Bekanntwerden der Ermittlungen sind zwar einige Anrufe bei der Polizei eingegangen. Dabei handelte es sich nach Angaben der Polizei-Pressestelle allerdings mehr um vage Andeutungen als um konkreten Zeugenhinweise.

Die Polizei hatte den Vorfall zwischen Wasserfall und Heinrichsdorf laut Oberstaatsanwalt Thomas Poggel zunächst als gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr bzw. als Körperverletzung eingestuft.


Erst bei der weiteren Bearbeitung des Falls durch die Staatsanwaltschaft in Arnsberg sei die Tat als versuchter Mord bewertet worden.


Weil das 2,5 Millimeter starke Drahtseil in Kopfhöhe der Biker gespannt war, könne man davon ausgehen, dass der Täter den Tod eines Bikers billigend in Kauf genommen hätte.


Solche Mittel seien nach dem Zweiten Weltkrieg genutzt worden, um Jeep-Fahrer zu köpfen, so Poggel.

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