Flüchtlinge

Flüchtlingsunterkunft Menden: Der Putz rieselt von der Wand

Ein Blick in das Badezimmer einer Wohnung in der Flüchtlingsunterkunft Wunne in Menden. Wände sind teilweise völlig unverputzt

Ein Blick in das Badezimmer einer Wohnung in der Flüchtlingsunterkunft Wunne in Menden. Wände sind teilweise völlig unverputzt

Foto: Stefan Meinhardt

Menden.   Nackte Wände, Schimmel an der Decke: Die Flüchtlingsunterkünfte in der Wunne sind renovierungsbedürftig. Die Probleme sind der Stadt bekannt.

Die Mendener Flüchtlingsunterkünfte in der Wunne sind stark renovierungsbedürftig. Die Stadt will in den kommenden Monaten die dringendsten Arbeiten angehen.

Die Zustände der einzelnen Räume schwanken stark. In einem Badezimmer rieselt der Putz von der nackten Wand, dahinter offenbaren sich Metallstreben. Ein junger Bewohner zeigt auf seinem Handy ein Video von dem Tag, als Brocken aus der Decke in der Badewanne lagen. Die Decke der Küche ist von Schimmel befallen.

„Wir hoffen, dass wir nur vorübergehend hier wohnen“, sagt der 17-Jährige, der mit seiner Mutter, seinen fünf Brüdern und seiner Schwester seit September in einer Wohnung in der Wunne lebt. Seine Schwester zeigt das Bettgestell, in dem sie schläft. An den scharfen Kanten besteht Verletzungsgefahr.

In einer anderen Wohnung lebt ein Paar mit seinen fünf kleinen Kindern. Theoretisch gibt es hier ein zweites Badezimmer. Die Tür ist jedoch verschlossen – von der Hausverwaltung, wie die Bewohner sagen. Im Türrahmen steht jetzt ein Schuhregal.

In anderen Zimmern sieht es besser aus. Zwar leben hier drei Personen recht eng zusammen, jedoch sind hier zumindest die Wände verputzt und sauber. Auch in dieser Wohnung sind einzelne Türen verschlossen.

366 Menschen in den Unterkünften

Dennis Bröcking vom Team Integration der Stadt Menden erklärt auf Nachfrage der Westfalenpost, warum das so ist: „Wir müssen Wohnraum für mögliche neue Bewohner vorhalten.“ Von der Erstaufnahmeeinrichtung in Bochum aus werden die Menschen auf die NRW-Kommunen verteilt. Die Kollegen hätten angedeutet, so Bröcking, dass der Zuzug in den kommenden Monaten konstant bleibt oder tendenziell eher ansteigt.

Zurzeit leben in den Mendener Asylbewerberunterkünften 366 Menschen. Wer noch auf das Ergebnis seines Asylverfahrens wartet, darf nicht in eine eigene Wohnung ziehen. Ein knappes Viertel der Bewohner hat einen Aufenthaltstitel und ist Bezieher von Arbeitslosengeld II. Diese Personen könnten sich theoretisch auch auf dem freien Wohnungsmarkt eine Bleibe suchen. „Es gibt im Moment aber kaum bezahlbare Wohnungen“, sagt Bröcking. „Der Markt ist abgegrast.“

Die Probleme in der Wunne sind ihm bekannt. „Wir sind dabei, die Wohneinheiten zu renovieren“, sagt er. Eine Schwierigkeit sei, dass die Stadt die Häuser in der Wunne nur angemietet hat. Größere Arbeiten müssen mit dem Eigentümer abgestimmt werden.

Mit als erstes sollen die Anzahl der Abfallcontainer erhöht, die Klingelanlage erneuert und die Briefkästen ertüchtigt werden. „Es ist wichtig, dass die Post vom BAMF (Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, Anm. d. R.) vernünftig zugestellt werden kann.“

Künftig Standardmöblierung

Auch Bewohner erzählen, dass es Probleme mit Briefen gibt. Ein 26-jähriger Afghane berichtet: „Kinder kommen und zerreißen die Post.“ Er schlägt vor, dass die Korrespondenz zentral bei einer städtischen Mitarbeiterin im Büro gesammelt wird. „Ich nehme die Anregung in unsere nächste Sitzung mit“, sagt Bröcking, verweist aber auf die eingeschränkten Handlungsspielräume der Verwaltung.

In den kommenden Wochen und Monaten soll in allen Wohnungen der Mendener Asylbewerberunterkünfte eine Standardmöblierung eingeführt werden. Grund dafür ist, dass es in den vergangenen Jahren „vermehrt Probleme mit Ungeziefer“ bei selbst angeschafften Möbeln gegeben habe Ein entsprechendes Schreiben verschickte die Stadt Ende Mai. Private Möbel können eingelagert oder verkauft werden.

Dass das Zusammenleben in der Unterkunft für die Menschen in der Wunne nicht immer leicht ist, sei der Verwaltung bewusst. Alle hätten darunter zu leiden, wenn sich einige wenige daneben benehmen. Bröcking berichtet von einem Fall aus der vergangenen Woche: Ein Bewohner habe im gemeinschaftlich genutzten Waschkeller die Stromkabel von sieben Waschmaschinen zerschnitten. „Da musst so schnell wie möglich etwas passieren, die Bewohner sind darauf angewiesen.“ Innerhalb von zwei Tagen sei das Problem behoben gewesen.

Die Kosten zahlt die Stadt, eine Erstattung durch Land oder Bund ist abgesehen von einer Prokopfpauschale nicht vorgesehen. Diese bekommt die Kommune auch nur für die Personen, die ein Asylverfahren durchlaufen (aktuell 230 der 366), nicht aber für jene, die Arbeitslosengeld beziehen.

„Wir geben den Menschen einen Vertrauensvorschuss“, sagt Bröcking. „In den allermeisten Fällen wird dieser auch zurückgezahlt.“ Er bittet die Bewohner, auf akute Probleme weiterhin hinzuweisen.

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