Diskussion

Theken-Talk in Menden zum Thema „Heimat“ mit lauten Tönen

Prost auf den Theken-Talk im woanders (von links):  Xenia Kehnen, Thomas Hagemann, Ina Scharrenbach, Jenni Gröhlich und Jozeh Ramazani

Prost auf den Theken-Talk im woanders (von links): Xenia Kehnen, Thomas Hagemann, Ina Scharrenbach, Jenni Gröhlich und Jozeh Ramazani

Foto: Nils Bonk

Menden.   Das Thema „Heimat“ stand beim ersten Theken-Talk im Mittelpunkt. Ministerin Scharrenbach war zu Gast. Jenni Gröhlich kannte keine leisen Töne.

Das ging ganz schön ab in Jenni Gröhlichs erstem Theken-Talk am Freitagabend im „woanders“, Thema: „Heimatistsexy“. Die Gastgeberin kannte keine leisen Töne. Wort- und lautstark verkündete sie ihre Meinung. Wenn sie „Applaus, Applaus, Applaus“ in die Runde rief, und ihre Zustimmung verteilte, bekam der Thekentalk von der Stimmung her etwas von der „Muppet-Show“.

Drei Gäste hatte die Politbloggerin Jenni Gröhlich an den Tresen gebeten: Von einem Termin in Balve kam die Ministerin für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung des Landes NRW, Ina Scharrenbach, mit etwas Verspätung nach Menden. Xenia Kehnen, zuständig für Unternehmenskommunikation und Social-Media bei den Stadtwerken, und Thomas Hagemann, Leiter der Mendener Redaktion der Westfalenpost, gehörten auch zur Thekentruppe. Die Gäste verblassten allerdings etwas angesichts des ungezügelten Temperaments von Jenni Gröhlich.

Heimat zum Beruf gemacht

Die Ministerin hat „Heimat“ zum Beruf gemacht und fördert „Heimat“ mit den Mitteln des Landes. „Sie gestalten Ihre Stadt, wir schaffen den rechtlichen Rahmen und fördern mit viel Geld. Sie haben eine wichtige Lage im Märkischen Kreis. Da ist es doch spannend zu gestalten“, lobte Ina Scharrenbach.

Jenni Gröhlich kickte den Ball gleich weiter: „Ich hoffe, Ihr habt das verstanden, liebe Stadträte.“ Xenia Kehnen, beruflich auch mit viel Heimatlichem befasst, lobte: „Wir haben so schöne Ecken.“ Die Ministerin bekannte: „Die Nachkriegsgeneration tut sich schwer mit dem Begriff ‚Heimat‘.“ Doch sei er heute vor dem Hintergrund der Globalisierung wichtig. „Heimat als Gefühl trägt und verbindet“, argumentierte sie für die Renaissance des Begriffes, der mit dem Untergang des Dritten Reiches, spätestens aber mit dem deutschen Heimatfilm in der Versenkung verschwunden war.

Thomas Hagemann goss dann etwas Wasser in den allzu süßen Heimatwein: „Ich finde es falsch, ein Ministerium so zu nennen. Wo ist denn beim Begriff Heimat die definierte Aufgabe?“

Für Flüchtlinge keine Heimat mehr

Marika Eggers, im Publikum, brachte das Thema Flüchtlinge an die Theke. Für diese Menschen sei die alte Heimat nicht mehr. Man müsse ihnen helfen, eine neue Heimat zu finden. Darauf Jenni Gröhlich, ihre Rolle als Moderatorin völlig überziehend, mit Blick ins Publikum: „Wo sind denn die Syrer? Ich sehe hier nichts! Die sind ja auch eingeladen!“ Sie hatte wohl vergessen, dass man sich für diese Veranstaltung anmelden musste und dass man über sehr gute Sprachkenntnisse verfügen muss, um folgen zu können. Sie blieb es auch schuldig mitzuteilen, ob und wie sie Syrer eingeladen hat.

Begriff kann auch ausgrenzen

Xenia Kehnen berichtete von ihrem Aufenthalt in Neapel und wie sie sich dort in Stadt und Land hineingefunden habe.

Gordon Blankenhagen brachte es vielleicht auf den Punkt: „Heimat hat nichts mit Fußgängerzone, Geld und Einkaufen zu tun – Heimat ist da, wo das Herz ist.“

Achim Puhl, Leiter der Volkshochschule, bremste die zeitweise lautstarke Heimateuphorie herunter und machte deutlich, dass der Heimatbegriff sehr wohl ausgrenzen kann. Er formulierte mit Bedacht: „Ich habe Angst, dass die Heimat der einen nicht die Heimat der anderen werden kann.“

Unklar blieb auch, wo die Heimat anfängt und wo sie aufhört. An der Stadtgrenze, an der Kreisgrenze, an der Landesgrenze? Müssen sich Neubürger die neue Heimat aus eigener Kraft „erobern“, oder sollte man sie an die Hand nehmen, um die neue Heimat zu entdecken?

Theken-Talk eine super Idee

Die Idee des Theken-Talks ist super. Jenni Gröhlich sollte sich allerdings manchmal bei dem von ihr ins Leben gerufenen Format etwas ­zurücknehmen, und den Gästen mehr Raum geben, denn die sind wichtig.

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