Bauvoranfrage

Moschee an der Gartenstraße

In dem Komples Sportcasino/AOK plant der Verband der Islamischen Kulturzentren ein Gemeindezentrum.

In dem Komples Sportcasino/AOK plant der Verband der Islamischen Kulturzentren ein Gemeindezentrum.

Foto: WP

Menden wird voraussichtlich eine weitere Moschee bekommen: Der Verband der Islamischen Kulturzentren plant in der Gartenstraße 26 – im Komplex Sportcasino/AOK – ein Gemeindezentrum. Und zwar für eine Gemeinde, die es offiziell noch nicht gibt. Die Bauvoranfrage für die 280 Quadratmeter großen Räumlichkeiten ist gestellt.

Es wird keine Kuppel und kein Minarett geben – das machte Seyfi Ögütlü, der Pressereferent des Verbands der Islamischen Kulturzentren (VIKZ) in Köln, gestern im Gespräch mit der WP deutlich. Nicht nur, weil der aus sunnitischen Muslimen bestehende Verband Mieter sein wird. „Wir haben in Deutschland circa 300 Moscheen“, so Ögütlü. „Und nur eine Handvoll davon hat Kuppel und Minarett.“

Im ersten Obergeschoss soll die Moschee entstehen – jedoch nicht im Sportcasino, die Tanzsportler werden dort weiter wirken. Ob die Einrichtung nun über den früheren Räumlichkeiten von Teppich Prinz oder in den Hinterhofgebäuden entsteht – das konnte der Pressereferent aus Köln nicht genau sagen.

Bei dem Vorhaben in der Gartenstraße will er auch nicht von einer Moschee sprechen. „Eine Moschee ist für uns eigentlich eine Sammlung von mehreren Elementen, wie Gebeträume, aber auch Aufenthaltsräume und Bibliotheken.“ In Menden wird das alles kleiner ausfallen. Zwei getrennte Gebeträume für Frauen und Männer, Unterrichtsräume, ein Sanitärbereich und eventuell Aufenthaltsräume soll es geben.

Nachhilfe für Schüler

Gemeinhin wird der Mendener aber wohl von einer Moschee sprechen, denn die Schwerpunkte sind natürlich religiös: „Ein wesentlicher Teil der Nutzung entfällt auf das wöchentliche Freitagsgebet. Außerdem finden zweimal im Jahr die Feiertagsgebete statt“, so Seyfi Ögütlü.

Die Unterrichtsräume würden zur religiösen Unterweisung genutzt – aber eben nicht nur dazu, wie der Pressereferent ausdrücklich betont: „Hier soll Nachhilfeunterricht gegeben werden. Und zwar nicht für eine Koranschule, sondern Nachhilfe für den Unterricht an den staatlichen Schulen.“ Es sei nun mal Fakt, dass muslimische Kinder oft aus bildungsfernen Familien kämen, wo die Hausaufgabenbetreuung nicht gewährleistet sei. Dies wolle man auffangen, da Bildung der beste Weg zur Integration sei. Auf die deutsche Sprache lege man wert.

Der Verband der Islamischen Kulturzentren wurde bereits 1973 gegründet, er gilt damit als älteste organisierte islamische Religionsgemeinschaft. Sie wird weithin als religiös, aber unpolitisch eingeschätzt. In den vergangenen Jahren gab es allerdings auch Vorwürfe, dass der VIKZ einen fundamentalistischeren Kurs fahre. Ein Vorwurf, den Pressereferent Ögütlü zurückweist: „Das stimmt nicht. Wir stehen auf dem Boden des Grundgesetzes. Wir haben unsere Bildungsprogramme unter anderem auch von der Universität Duisburg begutachten lassen. Alle Ergebnisse können auf unserer Internetseite www.vikz.de eingesehen werden.“

Der VIKZ will die Nachbarn, die Mendener Bürger und die Kirchengemeinden über die weiteren Pläne detailliert informieren. Es soll auch eine feierliche Eröffnung für alle Bürger geben. Der VIKZ hat in Menden bislang auch nur 20 Mitglieder, es sollen aber mehr werden, ein eigener Ortsverein sei in der Gründungsphase.

Eine Sogwirkung, bei der Muslime von weit her anreisen – so wie bei der geplanten schiitischen Moschee an der Fingerhutsmühle von Nachbarn befürchtet – schließt Seyfi Ögütlü für Menden aus: „Wir haben ja bereits Gemeindezentren in Hagen, Iserlohn, Dortmund und Schwerte.“

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