Heimat-Urlaub 2019

Freunde fürs Leben auf dem Maroueiler Platz in Bösperde

Aktion Heimat-Urlaub auf dem Maroeuiler Platz, von links: Sven Tauch, Edmund Golla, Klaus Althof, Karl-Heinz Krause, Ina Bonse.

Aktion Heimat-Urlaub auf dem Maroeuiler Platz, von links: Sven Tauch, Edmund Golla, Klaus Althof, Karl-Heinz Krause, Ina Bonse.

Foto: Arne Poll / Westfalenpost

Bösperde/Holzen.  Auf dem Maroueiler Platz in Bösperde wird französische Kultur gelebt. Die Dorfmitte Bleibt nur die Frage: Wo sind wir hier eigentlich?

Edmund Golla hat alles im Griff. Er teilt die Handschuhe aus, ein paar Besen, die Harke und den Handfeger. Nach ein paar Minuten sind die Beete wieder restlos unkrautfrei. Der „Verein zur Pflege der Partnerschaft zwischen Bösperde und Maroeuil“ kann nicht nur Völkerfreundschaft, sondern auch Gartenpflege. Der Maroeuiler Platz ist Dorfmittelpunkt von Bösperde. Aber er will eben auch gehegt und gepflegt werden.

Offiziell kein Verein

Die Redaktion darf beim „Heimat-Urlaub“ unter dem neuen Dach am Maroeuiler Platz arbeiten. Die Initiative für den Unterstand kam über die Förderinitiative „Heimat-Scheck“. Der Verein nahm den Anstoß gerne auf, machte sich auf die Suche nach weiteren Sponsoren und gab den Auftrag an ein Unternehmen. „Wir haben das ausnahmsweise nicht selbst gemacht, weil wir entsprechende Auflagen haben“, sagt Frank Luig, der bei den Freunden das Sprecher-Amt übernommen hat. Einen Vorsitzenden haben die Freunde nicht mehr – weil es auch so funktioniert. „Wir brauchen das alles zum Glück offiziell nicht“, sagt Luig. Die Gemeinschaft ist kein eingetragener Verein. „Wir müssen nicht jede Änderung im Vorstand dem Amtsgericht mitteilen.“ Und wenn es doch einmal um offizielle Dinge geht, die bei einem Verein besser aufgehoben sind, dann ist die Initiativgemeinschaft Bösperde (IG) der passende Ansprechpartner.

In Bösperde hält man zusammen. Da ist die Feuerwehr mit dem neuen Gerätehaus nebenan. Der Pflegedienst vom Schmallenbach-Haus im alten Spritzenhaus bringt Leben ins Dorf. Die Pflegekräfte nutzen die Pausen für einen Besuch auf dem Maroeuiler Platz und haben sich auch am neuen Dach beteiligt. Die Dorf-Apotheke nebenan zieht ebenfalls Besucher an. „Wir sind seit 30 Jahren in Bösperde“, sagt Renate Dohle. Die Apothekerin und Inhaberin plädiert für eine wohnortnahe Versorgung mit Medikamenten: „Unser Gesundheitsminister verliert das immer aus dem Blickfeld“, sagt Dohle. Die kleine Dorf-Apotheke hat keine Filialen oder Mutterhäuser. Das funktioniert auch durch die Nähe zu den Arztpraxen – und weil die Kunden treu bleiben: „Man sollte sich genau überlegen, ob man im Internet bestellt.“

SMS vor dem Arbeitseinsatz

Die Gemeinschaft der Freunde Maroueil ist fest im Ortsteil verwurzelt. Auch wenn längst nicht alle Mitglieder aus Holzen-Bösperde stammen. „Ich schreib immer SMS und guck, wer Zeit hat“, sagt Golla. Dann wird zum Arbeitseinsatz gerufen. Alle zwei oder drei Wochen wird wieder Grund reingebracht. Jeder hat seinen Bereich. Der Karl-Heinz hat sein Karl-Heinz-Beet. „Der nimmt nix anderes“, sagen die Freunde. Und Heiner braucht sein „Heiner-Eck“ am Geräteschuppen. „Man braucht halt seinen Wohlfühlort“, sagen sie hier. Karl-Heinz Krause, der lange Zeit Vorsitzender war, hat sogar mittlerweile sein eigenes Schild am Beet, damit auch jeder weiß, dass es eben das Karl-Heinz-Beet ist.

Um 12 Uhr gibt’s Mittag

Es ist ein Kommen und Gehen. Bei einem sind die Kinder im Urlaub. Der nächste hat die Enkel gleich mitgebracht. Pünktlich um Zwölf wird’s plötzlich leer. Mittagessen! Zuhause steht was Warmes auf dem Tisch. Eine Hand greift in die andere. Es gibt Kaffee für die Redaktion. Auch für den Stromanschluss ist wie von Geisterhand gesorgt – wohlwissend, dass immer ein guter Geist dahinterstecken muss.

Viele der Vereinsmitglieder sind längst Rentner, aber nicht alle. Darauf legen sie hier viel Wert. Mittdreißiger Sven Tauch ist eifrig dabei. Er will demnächst das Holz unter der Skulptur auswechseln. Gibt halt immer etwas zu tun auf dem Platz.

Auch wenn sie hier nicht der „Eingetragene“ sind, pflegen sie das Vereinsleben. Die Boule-Kugeln liegen säuberlich aufgereiht in der Tür des Geräteschuppens. Wer spielen will, darf spielen.

Der Unterstand schützt perfekt

Am Freitagabend wird dann der neue Unterstand – der die Redaktion am Nachmittag bereits perfekt vor dem aufziehenden Regen geschützt hat – mit den Sponsoren eingeweiht. Ein Banner im Hintergrund betont stets die Freundschaft zur kleinen französischen Gemeinde Maroeuil bei Arras.

Es soll im nächsten Jahr wieder eine Radtour zu den Freunden geben. Die Touren finden regelmäßig statt und sind nichts für Anfänger. Einmal sind die ersten auf der 600-Kilometer-Tour schon bei Duisburg liegengeblieben. Ein anderes Mal ging einem Radler irgendwo im Nirgendwo die Puste aus. Zur Sicherheit fährt immer ein Besenwagen mit. Bislang waren Elektro-Fahrräder streng tabu. Im kommenden Jahr soll es erstmals mit elektronischer Unterstützung über die Grenze gehen. „Wir werden alle nicht jünger“, sagt Frank Luig.

Und dann bleibt noch die Frage: Wo sind wir hier eigentlich? Bösperde, hatten wir geschrieben. Und auch der Verein schreibt von Bösperde. „Das hier ist Holzen“, stellt Gerhard Schmidt richtig. Recht hat er. Ändert aber nichts dran, dass es hier schön ist.

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