Pflege

Corona: So öffnen die Seniorenheime in Menden an Muttertag

Corona: Das Foto zeigt das  Altenheim Jochen-Klepper-Haus, das aktuell 115 Bewohner zählt.

Corona: Das Foto zeigt das  Altenheim Jochen-Klepper-Haus, das aktuell 115 Bewohner zählt.

Foto: Thomas Hagemann

Menden  Es gibt einen neuen Erlass und damit neue Optionen: Die Mendener Einrichtungen gehen unterschiedlich mit damit um. Einige erlauben jetzt Besuch.

Die Corona-Pandemie wirbelt das System durcheinander und verlangt von allen Bürgerinnen und Bürgern nicht nur Geduld, sondern auch Durchhaltevermögen, Verzicht und Disziplin. Doch das Gesundheits- und Sozialministerium hat nun einige Lockerungen der strengen Maßnahmen beschlossen. Zum Muttertag am kommenden Sonntag, 10. Mai, werden demnach die aktuell bestehenden, generellen Besuchsverbote in den Einrichtungen der Pflege und der Eingliederungshilfe aufgehoben. Wie gehen die Einrichtungen in Menden damit um? Können am Sonntag alle Bewohner ihre Angehörigen treffen? Ein Überblick.

St. Vincenz Altenheim

Das St. Vincenz Altenheim in Menden möchte nichts überstürzen. Mit "gebotener Sorgfalt und angemessener Form" sollen nach und nach Lockerungen vorgenommen werden, heißt es in einer Pressemitteilung der Katholischen Kliniken im Märkischen Kreis. Franz-Josef Rademacher ist Fachbereichsleiter der Altenhilfe und erklärt dazu: "Wir wollen das vorsichtig und angemessen betrachten." Alle Türen plötzlich weit zu öffnen, das hält er für fahrlässig. "Am schlimmsten wäre es, wenn wir in 14 Tagen dann wieder alles auf Anfang setzen müssen." Den Erlass betrachtet er zwiegespalten. "Da kam mehr so aus der Hüfte heraus und ob der Tag richtig gewählt ist, ist fraglich."

Am Wochenende wird alles beibehalten wie es ist. Konkret heißt das: Die bisher bereits eingerichteten Kontaktmöglichkeiten wie das "Angehörigen-Handy" und das "Besuchsfenster" werden weiterhin angeboten und im Hinblick auf den Muttertag intensiviert. Via Smartphone ist der Videochat also weiterhin möglich. Das Besuchsfenster ist ein durch Plexiglas geschützter Bereich in Eingangsnähe, "wo sich Bewohner und Angehörige gegenübersitzen", sagt Rademacher. Dazu müssen vorher Termine vereinbart werden. Maximal zwei Besucher pro Bewohner sind erlaubt. "Das lässt mehr zu als Videotelefonie."

Ab der kommenden Woche möchte man über eine Ausweitung nachdenken. So könnte ein Besuchsbereich in der Cafeteria gestaltet werden. Wichtig ist bei allen Lockerungen: Schutzmaßnahmen müssen eingehalten werden.

Jochen-Klepper-Haus

Das Jochen-Klepper-Haus verweist auf der Webseite weiterhin auf das strenge Besuchsverbot. Die Einrichtungsleitung stand am Freitagnachmittag nicht für nähere Fragen zur Verfügung.

Im Ausschuss für öffentliche Sicherheit und Ordnung hat der Erste Beigeordnete Sebastian Arlt bekannt gegeben, dass die Quarantäne des Jochen-Klepper-Hauses seit dem 5. Mai aufgehoben sei. Es erfolgen aber wohl weitere Beobachtungen der Situation in Zusammenarbeit mit Kreisgesundheitsamt.

Haus Natalena

Im Haus Natalena gibt es eine Terminliste, sagt Leiterin Janina Bertram. Auf der Terrasse habe man einen Pavillon aufgestellt, in dem sich Tisch und Stühle mit genügend Abstand befinden. Die 32 Bewohner des Hauses haben die Möglichkeit, sich dort mit ihren Angehörigen (maximal zwei Personen pro Bewohner) zu treffen. 30 Minuten sind pro Treffen angesetzt.

Cramer'sche Fabrik

In der Camer'schen Fabrik mit ihren 80 Bewohnern werden ebenfalls Termine vergeben und 30-minütige Treffen angeboten. Die Zeiten sind klar geregelt: Eine Person pro Bewohner, montags bis freitags von 9.30 bis 11.30 Uhr und von 14.30 bis 16.30 Uhr. Auf den Terminlisten tragen die Verantwortlichen ein, wer wann kommt. "Damit nicht alle auf einmal kommen", sagt Eva Mestermann. Insgesamt können fünf Bewohner gleichzeitig Besuch empfangen. Dazu stehen draußen drei Plätze und im Inneren der Einrichtung ein geschützter Bereich mit weiteren zwei Plätzen zur Verfügung.

Hansapark Menden

Einrichtungleiterin Michaela Dittrich freut sich auf Muttertag. Es werde für das Personal zwar stressig, doch für die Bewohner und Angehörigen sicherlich ein schöner Tag. Im Hansapark Menden gibt es ab Sonntag einen Therapieraum, der zum Besucherraum umfunktioniert wird. Er hat bodentiefe Fenster. Die Bewohner werden in dem Raum sitzen, die Besucher vor dem Fenster unter einem Pavillon im geschützten Rahmen. 30 Minuten sind erlaubt. Jeder soll die Möglichkeit haben, zeitnah seinen Besuch empfangen zu können. "Das ist ein Zeichen und nimmt viel Druck raus", sagt Dittrich.

"Wir hatten einen Plan im Schreibtisch", sagt sie. Man sei gut vorbereitet und nimmt Termine entgegen. Zum abgesprochenen Zeitpunkt können Angehörige zur Einrichtung kommen, wo ihre Daten erfasst und ein kurzes Screening erfolgt. Mit genug Abstand führt das Personal den Besuch dann zum entsprechenden Bereich. Eingang und Ausgang sind streng voneinander getrennt, damit sich niemand begegnet.

"Die Umsetzung ist schwierig, aber man kann sich nicht davor sperren. Das wäre unmenschlich", sagt Dittrich. Bewohner und auch Angehörige würden sich gegenseitig sehr vermissen und viele Tränen vergießen. Da sei es egal, dass die Treffen nur eine halbe Stunde erlaubt sind. Die 57 Bewohner freuen sich darauf. Nach dem Sonntag will Dittrich mit ihrem Team in Ruhe weiterplanen. Die neue Lösung erfordert viel Personal und ist aufwendig. Viele Kollegen würden mehr arbeiten, als sie eigentlich müssten.

Integra

Beim Integra Seniorenpflegezentrum wird es am Sonntag auch eine neue Lösung geben. Daran arbeiten alle Beteiligten aktuell unter Hochdruck. So ist der Techniker unterwegs, um Holz und Plexiglas zu besorgen, sagt Einrichtungsleiterin Delia Heinen. Sie ärgert sich über die Kurzfristigkeit des Erlasses und klagt darüber, dass es sich dabei nicht um Fairplay handle. "Jeder Frisör, jedes Restaurant hat Vorlauf. Man muss doch so viel Verständnis haben, dass man weiß, dass sowas nicht in drei Tagen zu bewältigen ist", sagt Dittrich. Kollegen machen Überstunden oder opfern freie Tage, um die Öffnung am Wochenende zu bewerkstelligen. Denn Delia Heinen möchte den Erlass trotzdem so schnell es geht umsetzen - auch damit es keinen Ärger mit der Heimaufsicht gibt.

Also werden im Restaurant drei separate Bereiche eingerichtet, in denen Besuche möglich sind. Die Besucher können über die Terrasse hereinkommen, die Bewohner über das Haus. Beide Seiten sind durch Plexiglas und Abstand getrennt. Vorab müssen die Besucher diverse Angaben machen - unter anderem zu ihrem Gesundheitszustand. Auch Fieber wird gemessen. Wenn alles in Ordnung ist, geht es mit Maske, sauberen Hände und Abstand ins Restaurant in den zugewiesenen Bereich. Auch hier sind Treffen zunächst auf 30 Minuten begrenzt.

"Ich wünsche mir, dass es so läuft wie geplant und dass unsere Bewohner einen schönen Moment mit ihren Angehörigen erleben können", sagt Heinen. 80 Menschen werden in ihrer Einrichtung aktuell betreut. "Sie alle möchten natürlich Besuch." Eine logistische Herausforderung.

Hinweis:

In allen Einrichtungen gelten hohe Sicherheitsstandards. Die Besucher müssen Mundschutz tragen und gesund sein. Es gilt, sich die Hände zu waschen, zu desinfizieren und den Mindestabstand einzuhalten. Berührungen sind nicht möglich.

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