Dechenhöhlen-Jubiläum

Fantastische Reise in unterirdische Welten

Auf den Aufnahmen der gewaltigen Höhlen von überall auf der Welt, die in 3D-Technik natürlich noch beeindruckender waren, wirkten die Menschen oft wie kleine Spielzeugfiguren.

Auf den Aufnahmen der gewaltigen Höhlen von überall auf der Welt, die in 3D-Technik natürlich noch beeindruckender waren, wirkten die Menschen oft wie kleine Spielzeugfiguren.

Foto: Michel Renda

Letmathe.   Die 3D-Bildershows waren der Höhepunkt des Festabends zum Jubiläum „150 Jahre Dechenhöhle“ und der Jahrestagung des Höhlen- und Karstforscher.

Alexander Platte hatte wahrlich nicht zu viel versprochen. Der Vorsitzende der Speläogruppe Letmathe hatte 2017 im Urlaub in Frankreich die weltweit bekannten Höhlenfotografen Michel Renda und Daniel Chailloux kennen gelernt und sie spontan zur 58. Jahrestagung des Verbandes der deutschen Höhlen- und Karstforscher (VdHK) eingeladen, die am Sonntag nach vier Tagen mit sechs Workshops und 19 Vorträgen in der Saatschule und vor allem 26 Exkursionen und Führungen in der Region zu Ende ging.

„Ich hatte gefragt, ob sie ein paar Bilder mitbringen würden“, erzählte Platte, der im Vorfeld gehofft hatte, damit noch für ein besonderes „i-Tüpfelchen“ bei der Tagung zu sorgen. Dass der 61-jährige Renda und der elf Jahre ältere Chailloux, die seit 15 bzw. 30 Jahren überall auf der Welt Höhlen in 3D fotografieren, mit ihrem großen Technik-Equipment samt mehrerer Rechner, zwei Beamer und natürlich auch der passenden Brillen für die fast 200 Gäste anreisten, überraschte auch Platte. Die beiden Franzosen sorgten damit am Samstag für den unumstrittenen Höhepunkt des Festabends im Saalbau anlässlich der Entdeckung der Dechenhöhle vor 150 Jahren und der gesamten Tagung.

„Kristallfabriken“ und„Kathedralen aus Eis“

Insgesamt 85 Minuten lang, mit elf 3D-Bilder-Shows zwischen vier und 14 Minuten Länge, entführten die beiden Mitglieder des „La Salle 3D International Teams“, der Vereinigung der weltweit besten Höhlenfotografen, das Publikum in unterirdische „Kristallfabriken“ in Frankreich, den USA und Mexiko, in „Kathedralen aus Eis“ ebenso wie in die „Lava Tubes“ auf Hawaii, Sizilien und der Insel La Réunion, um nur einige der zahlreichen Stationen zu nennen. Auf den Bildern der oft gigantischen unterirdischen Höhlen wirkten die anderen Forscher und Fotografen teilweise wie kleine Spielzeugfiguren. Und dank der 3D-Technik hatten die Zuschauer stets das Gefühl, mittendrin zu sein in diesen fantastischen Unterwelten, die die Natur im Laufe der Jahrmillionen geschaffen hat. Immer wieder gab es Applaus vom begeisterten Publikum, und ein Raunen ging gar durch den Saal, als es zum Finale um Mitternacht in die Chauvet-Höhle mit ihren 30 000 Jahre alten Felsmalereien ging.

Mit einem Höhepunkt hatte der Abend auch schon begonnen: Die VdHK-Vorsitzende Bärbel Vogel zeichnete den Ennepetaler Stefan Voigt mit dem renommierten Dr.-Benno-Wolf-Preis für seine fast vier Jahrzehnte Einsatz in der Höhlenforschung und dem Höhlenschutz aus. Der Initiator des „Ennepetaler Modells“ zum Höhlenschutz, der zudem inzwischen mit seiner Garten- und Landschaftsbau-Firma insgesamt 35 Hektar mit mehr als 26 Höhlen erworben hat, habe gezeigt, dass sich „Höhlenforschung und Höhlenschutz, inte­griert in die abgestimmte Landschaftspflege und kombiniert mit der Unterstützung der Behörden, im Ehrenamt realisieren und eigenständig finanzieren lassen“, wie der stellvertretende Verbandsvorsitzende Andreas Wolf in seiner Laudatio ausführte.

Die hohe Auszeichnung gebühre aber nicht ihm allein, sagte Voigt in seiner Dankesansprache, sondern seinem gesamten Verein, dem Arbeitskreis Kluterthöhle, seiner Familie und auch der Stadt Ennepetal, die „100-prozentig hinter der Kluterthöhle“ stehe, wie der 55-Jährige im Gespräch mit der Heimatzeitung mit dem Blick nach Iserlohn anmerkte.

Stadt muss sich über Bedeutung der Höhle klar sein

Denn dass es dort Verbesserungspotenzial gibt bei der Wahrnehmung des „Leuchtturms Dechenhöhle“, wie ihn Iserlohns damaliger Bürgermeister Klaus Müller 2006 bezeichnet hatte, hatte Brad Wuest, der Präsident der Internationalen Schauhöhlen-Vereinigung, schon bei seinem Besuch im November 2017 angemerkt. In seinem Grußwort für das neue Dechenhöhlen-Buch, das an diesem Wochenende zum ersten Mal verkauft wurde, hatte der Amerikaner jetzt noch einmal betont, dass sich die Stadt über den Schatz klar sein müsse, den sie mit der Dechenhöhle habe.

Auch Betriebsleiter Dr. Stefan Niggemann machte zum Schluss seines Vortrags, in dem er die letzten 150 Jahre des „Geburtstagskindes“ detailreich Revue passieren ließ, deutlich, welches Potenzial der gesamte Bereich mit den bislang entdeckten 20 Kilometern an Gängen in der Dechenhöhle, der Hüttenbläserschachthöhle, der B7-Höhle und dem Bunker-Emst-Höhlensystem sowie mit der Pater-und-Nonne-Felsformation, dem Burgberg und dem Steinbruch bietet.

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