Natur

Viele offene Fragen zu den Seeadlern auf der Bislicher Insel

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Auf der Bislicher Insel gibt es wieder Seeadler – niemand weiß genau, woher sie kommen.

Auf der Bislicher Insel gibt es wieder Seeadler – niemand weiß genau, woher sie kommen.

Foto: Hachmeister / RVR Ruhr Grün

Kreis Wesel.  Vor fünf Wochen wurde das Seeeadlerpaar von der Bislicher Insel vertrieben, das hat Naturfreunde berührt. Der aktuelle Stand zu den Vögeln.

Natur kann grausam sein – das hat sich bei den Seeadlern an der Bislicher Insel gezeigt: Wie berichtet, war das seit Jahren dort brütende Paar am Palmsonntag von einem fremden männlichen Artgenossen vertrieben worden. Die beiden bereits geschlüpften Jungen sind tot, vermutete Dr. Ilka Weidig, Leiterin des RVR-Naturforums, seinerzeit. Mehr als vier Wochen später ist der Stand der Dinge uneindeutig. So ist nach wie vor der Verbleib der Elterntiere unklar. Auch ist nach wie vor nicht sicher, ob das Adlerweibchen den Kampf mit dem fremden Adler überlebt hat.

Viele Sichtungen werden an das Naturforum gemeldet

Eine NRZ-Leserin meldete, mehrere Tage nach dem Vorfall, drei Seeadler – zwei große und einen kleineren – über einem Wald an der Rheinberger Straße zwischen Bislicher Insel und Xanten gesehen zu haben. Viele weitere Naturfreunde meldeten dem Naturforum ebenfalls Sichtungen. Viele Menschen hat der Vorgang bewegt, waren die seltenen Greifvögel doch das einzige Brutpaar in NRW.

Das Problem ist aktuell, dass niemand genau sagen kann, um welche Tiere es sich jeweils handelt: Sind es die Neuen? Die Vertriebenen – oder ganz andere? Heinz Hermann Verholte, Gebietsbetreuer beim RVR Naturforum Bislicher Insel, sagt dazu: „Es gibt zahlreiche, zum Teil sehr unterschiedliche Vermutungen. Ganz sicher können wir nur sagen, dass ein Paar dort ist und dass es in diesem Jahr keine Brut mehr geben wird, dafür ist es bereits zu spät.“ Fest stehe auch, „dass sich die beiden gut verstehen, sie balzen sogar etwas“. Somit nähren sie die Hoffnung, dass es im kommenden Jahr Adlernachwuchs auf der Bislicher Insel geben wird.

Identifizierung der Greifvögel ist derzeit nicht möglich

Aktuell könne niemand genau sagen, um welche Adler es sich genau bei dem Paar auf der Bislicher Insel handelt, ob ein Partner zu den Alteingesessenen gehört oder nicht. Ohnehin ist Bewegung in der Adlerpopulation, Verholte berichtet, dass jüngst in der Kirchheller Heide in Bottrop ein Seeadler gesichtet wurde. „Diese Vögel haben riesige Reviere“, erläutert er. Und sie seien im Kommen, suchten sich neue Reviere. Möglich, dass das Paar auf der Bislicher Insel nicht mehr lange das einzige Brutpaar in NRW bleibt.

Die große Anteilnahme an dem Vorfall begrüßt Verholte, weil es das Interesse an der Natur dokumentiert, das sich vielleicht auch auf andere Vogelarten ausweitet. Nur neigen Naturfreunde dazu, die Dinge aus menschlicher Sicht zu sehen, „das ist nachvollziehbar, aber es ist bei Seeadlern nicht ungewöhnlich, dass so etwas passiert“.

Auch Naturforumschefin Ilka Weidig sieht die Vorgänge gelassen und hatte es damals begrüßt, dass die Bislicher Insel so attraktiv für die Seeadler sei, dass sie sich um das Revier streiten. Wie Weidig sieht auch Verholte in erster Linie das Positive. Es sei ein großer Erfolg, dass das alte Paar jahrelang erfolgreich auf der Bislicher Insel gebrütet habe. Das sei durchaus nicht selbstverständlich, die Natur sei voller Eventualitäten, Stürmen oder Nahrungsengpässen beispielsweise. 2017 hatte sich das Paar auf der Bislicher Insel angesiedelt und seitdem neun Junge großgezogen.

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