Corona

Corona: In Kreis Weseler Kliniken werden Blutkonserven knapp

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Im Sommer war die Spendenbereitschaft gering. Derzeit geht ebenfalls wenig: Kliniken und DRK rufen dringend dazu auf, zu spenden.

Im Sommer war die Spendenbereitschaft gering. Derzeit geht ebenfalls wenig: Kliniken und DRK rufen dringend dazu auf, zu spenden.

Foto: Lars Fröhlich / FUNKE Foto Services

Kreis Wesel.  Corona gefährdet die Versorgung an Blutkonserven - nur auf dem Land gibt es genug Spender, doch es brechen Termine weg. Das sind die Folgen.

In den Krankenhäusern werden die Blutkonserven knapp, wieder einmal. Das ist eine Auswirkung der Coronapandemie – bekannt, aber nicht gelöst. Dabei sind die Menschen vor allem in den ländlichen Bereichen des Kreises weiter bereit, zu helfen: „Die Landbevölkerung spendet für die Stadtbevölkerung mit“, sagt Stephan David Küpper, Pressesprecher des DRK-Blutspendedienstes Breitscheid, der laut Kreis Wesel quasi das Monopol in dieser Region hat.

Homeoffice und reduzierte Kontakte wirken sich aus

Je urbaner es wird, umso geringer ist demnach die Spendenbereitschaft inzwischen - konkrete Zahlen aus 2021 liegen noch nicht vor. Doch das ist nicht das Hauptproblem: „Wir konnten viele Termine coronabedingt nicht anbieten. Normalerweise sind wir in Schulen stationiert, gehen in Unternehmen, wo die Mitarbeiter spenden“, erläutert Küpper.

Das sei auch im vergangenen Jahr wegen der Pandemie kaum möglich gewesen. Viele Menschen arbeiten im Homeoffice, zudem reduzieren Unternehmen die Kontakte und lassen keine Externen mehr ins Haus: Stützpfeiler, die fehlen, Termine, die wegbrechen: „15 bis 20 Prozent des Gesamtaufkommens sind weg“, sagt Küpper.

Spendentreue Landbevölkerung hält die Versorgung aufrecht

Die wenigen öffentlichen Termine, vor allem auf dem Land, seien aber gut besucht. Das halte bislang die Versorgung am Laufen. Küpper appelliert: „Wir dürfen nicht nachlassen, bitte spenden Sie weiter!“ Seit Oktober hat sich bereits ein Mangel abgezeichnet. Die Folge: „Wir müssen unsere Blutlieferungen an die Kliniken kürzen, beispielsweise nur sechs oder sieben Konserven liefern, wenn zehn bestellt sind“, so Küpper.

In den acht Krankenhäusern des Kreises Wesel ist der Engpass zum Teil deutlich spürbar. Jörg Verfürth vom St. Bernhard in Kamp-Lintfort erläutert, dass das Haus im Schnitt rund 150 Konserven im Monat benötigt. „Das DRK hat die Engpässe angekündigt und transparent gemacht“, sagt der Sprecher. Daher habe man den Standard, wie viele Konserven pro Eingriff benötigt werden, nun neu bewertet und die Bestellungen reduziert. „Unsere Botschaft ist aber: Die Versorgung ist gesichert. Es gibt immer genug Vorrat für Unfälle und Notfälle“, so Verfürth. Blutkonserven sind nur begrenzt haltbar, das erschwert die Vorratshaltung.

Am St. Josef in Moers „navigieren wir immer hart am Wind“, drückt es der Ärztliche Direktor Dr. Thomas Ziegenfuß aus, der auch Chefarzt der Anästhesie und der Intensivmedizin ist. Der Mangel sei da, doch die Klinik könne damit umgehen, „wir wuppen das“, sagt Sprecherin Regina Ozwirk. Allerdings appellieren alle Krankenhäuser, zur Blutspende zur gehen: Für große Operationen wie Hüfte, Bauch, Gynäkologie, Onkologie und Gastroenterologie sowie Unfallchirurgie werden Blutkonserven dringend benötigt.

Auch das Krankenhaus Bethanien in Moers stellt sich auf die aktuelle Situation ein: Der Bedarf hier ist hoch, pro Jahr benötigt das Haus rund 4500 verschiedene Blutprodukte, die aus den Spenden gewonnen werden. „Ja, wir spüren den Engpass“,, teilt Sprecherin Melissa Lenz auf Anfrage mit. „In der Ferienzeit gab es schon immer geringere Spenden, aber durch Corona sind die Ausmaße deutlich höher. Deshalb haben wir alle Stationen darüber informiert, dass sie wahrscheinlich weniger Blutkonserven bekommen als sie bestellt haben und sie deshalb damit haushalten müssen.“

Am St. Vinzenz-Krankenhaus in Dinslaken sei der Mangel nicht spürbar, sagt Sprecherin Lisa Himbert auf Anfrage, das Haus verbraucht pro Jahr rund 600 Erythrozytenkonzentrate – also Blutprodukte zur Transfusion, die aus Blutspenden gewonnen werden. Gemeinsam mit dem DRK hatte das Hospital Anfang Oktober eine Blutspendeaktion organisiert: Das Mobil stand am Krankenhaus, Mitarbeitende, Bürgerinnen und Bürger spendeten nach Terminvereinbarung. Auch das St. Vinzenz appelliert: „Blut spenden. Leben retten! Gehen Sie zur Blutspende. Jede Spende hilft!“ Im Xantener Krankenhaus St. Josef sind aktuell keine Versorgungsengpässe zu verzeichnen, ergab eine Nachfrage.

Rhesusfaktor negativ ist schwer zu bekommen

Besonders schwierig, erläutert Jessica Reinartz vom Evangelischen Krankenhaus Dinslaken, ist es, Rhesusfaktor negative Blutkonserven in ausreichender Menge zu bekommen. Hier sei es im vergangenen Jahr teilweise zu einer Knappheit gekommen. Ein Risiko in der Versorgung der Patienten habe es dennoch nicht gegeben, „insbesondere auch, weil es seitens der Blutspendedienste immer ein Notfallkontingent an Blutkonserven gibt, die im Notfall per Blaulicht an die jeweiligen Krankenhäuser unseres Verbundes gebracht werden können“. Dennoch komme es in der Pandemie immer wieder zu Engpässen und Verzögerungen, „deshalb bitten wir die Bevölkerung auch in dieser pandemischen Lage keine Scheu zu haben, Blut zu spenden“.

Operationen musste das Evangelische Krankenhaus Wesel noch nicht verschieben, sagt Chefarzt Dr. Joachim Große (Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin): Die Situation sei aber sehr erschwert und bringe einen hohen Organisationsaufwand mit sich. Aktuell müsse die Spendenbereitschaft dringend steigen. „Blut kann nicht künstlich hergestellt werden“, mahnt der Mediziner.

Kreative Lösungsansätze, um den Mangel auszugleichen

Aktuell erhält das Marien-Hospital Wesel nach eigenen Angaben rund 30 Prozent der überwiegend beim DRK-Blutspendedienst Breitscheid bestellten Konserven nicht. „Wir versuchen dann, über andere Wege etwas zu organisieren, was einen höheren logistischen Aufwand bedeutet und auch nicht immer erfolgreich ist, weil andere die gleichen Probleme haben“, erläutert Sprecher Gerd Heiming. Auch er betont, dass die Versorgung der Patienten gewährleistet sei. Eine Konserve enthält circa 300 Milliliter Blut, das Weseler Haus benötige täglich unterschiedliche Mengen. „Es gibt einen regelmäßigen täglichen ‘Lieferdienst’, darüber hinaus kann nach Bedarf rund um die Uhr bestellt werden.“

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