Mobilfunk

Wie Funklöcher im Kreis Olpe bald beseitigt werden sollen

Der neue Funkturmmast der Telekom in Drolshagen.

Der neue Funkturmmast der Telekom in Drolshagen.

Foto: Josef Schmidt

Kreis Olpe.  Die Regierung will mit einer großen Kampagne den Bau von Mobilfunkmasten fördern. Vor allem Landwirte im Kreis Olpe sollen davon profitieren.

Die vielen Funklöcher im Kreis Olpe sind ein großes Ärgernis nicht nur für die Verbraucher, sondern auch für die heimischen Unternehmen. Innerhalb der nächsten zwei Jahre soll eine entscheidende Wende gelingen. Die Bundesregierung gab am Montag bekannt, den Internet- und Handyempfang in den kommenden zwei Jahren grundlegend verbessern zu wollen. „Auch der Landwirt auf dem Acker“ werde die Möglichkeit haben, ein 5G-Betriebsnetz aufzubauen, sagte Kanzleramtschef Helge Braun (CDU).

Fast 100 Prozent Versorgung

Um Deutschlands Funklöcher zu schließen, will der Bund 1,1 Milliarden Euro zur Verfügung stellen. 5000 Masten in besonders betroffenen Regionen sollen bundesweit gefördert werden. Fast 100 Prozent der Haushalte und 97,5 Prozent der Fläche sollen dann unterm Strich versorgt werden, bekräftigte Andreas Scheuer (CSU), zuständiger Bundesminister für digitale Infrastruktur. Wie viel Geld im Kreis Olpe ankommen wird bzw. wie viele neue Mobilfunkmasten die Regierung hier bauen will, steht noch nicht fest.

Ein gravierender Unterschied ist, dass die Politik wieder selbst in den Markt eingreift. Die Bundesregierung will eine Mobilfunkinfrastrukturgesellschaft gründen, um den Ausbau zu unterstützen und wenn nötig selbst Aufträge zu vergeben. Somit sei man nicht mehr abhängig von den großen Mobilfunkbetreibern.

Die Politik hat seinerzeit einen Riesenfehler gemacht und im Zuge des neoliberalen Wahnsinns solche wichtigen Dinge aus staatlicher Verantwortung entlassen“, kritisierte Kreisdirektor Theo Melcher in einem WP-Interview vor einem Jahr die Marktmacht der Mobilfunkkonzerne. Weil ein Ausbau in eher abgelegenen Gebieten wie beispielsweise Albaum, Heinsberg oder Brachthausen nicht immer wirtschaftlich ist, kann dort bald der Staat einspringen.

Hilfe für Landwirte im Kreis Olpe?

Der Ausbau des neuen, superschnellen 5G-Netzes biete somit eine große Chance für Landwirte im Kreis Olpe, sagt Stefan Glusa, Geschäftsführer der Telekommunikations-Gesellschaft Südwestfalen. „Die Mobilfunkanbieter verdienen ihr Geld in den Massenmärkten, in den Städten eben. Deswegen ist es so wichtig, dass bei 5G eine lokale Nutzung möglich wird. Der Bund hat ein gewisses Kontingent reserviert und nicht versteigert, damit man sich lokal selbst ein Funknetz aufbauen kann.“

Dazu kann der Landwirt bei der Bundesnetzagentur einen Antrag stellen, um gegen eine Nutzungsgebühr eine eigene Mobilfunkversorgung auf seinem Hof oder seinem Acker bereitzustellen. „Das war bei 4G nicht möglich. Das ist der entscheidende Unterschied“, so Glusa.

Angst vor der Strahlung

Zu den größten Problemen beim Mobilfunkausbau gehören lange Genehmigungsverfahren für neue Masten - wie dies zum Beispiel auch beim Bau von Windrädern der Fall ist. Dazu kommt: In der Bevölkerung gibt es zum Teil erhebliche Vorbehalte gegen den Bau neuer Mobilfunkmasten. Grund ist unter anderem die Sorge vor zusätzlicher Strahlenbelastung.

Manche Studien behaupten, die Strahlung sei krebserregend. Anderen Forschern zufolge hat die Strahlung keinen Einfluss auf die Gesundheit. Langzeitstudien für die noch recht neue Technologie gibt es bisher nicht. Die zuständige Behörde sieht keinen Anlass, sich ernsthaft Sorgen zu machen. Die Präsidentin des Bundesamts für Strahlenschutz (BfS), Inge Paulini, sagt: „Die gesundheitlichen Auswirkungen des Mobilfunks sind inzwischen gut erforscht. Demnach gibt es keinen Beleg für negative gesundheitliche Auswirkungen unterhalb der Grenzwerte.“

Wegen der Vorbehalte gegen die Mobilfunkmasten plant die Bundesregierung eine „Kommunikationsinitiative“, um die Akzeptanz in der Bevölkerung zu erhöhen. „Ja, es gibt viele besorgte Bürger, die vor Gefahren der neuen Technik warnen“, meint Stefan Glusa. Vor der Einführung jeder neuen Mobilfunktechnologie – also auch bei 2G, 3G und 4G – sei die Skepsis groß gewesen.

Aber die Studienlage sei klar: Solange die Grenzwerte nicht überschritten würden, gebe es keine Gefahren für Bürger. „Der Ausbau des Netzes sorgt ja auch dafür, dass Strahlung der Masten geringer wird. Denn je mehr Standorte wir haben, desto weniger müssen die Mobilfunkmasten in die Breite strahlen.“

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