Fahrerlager

Warum die 2. Sauerland-Klassik 2017 so klasse war

Dietmar Pütz und Manuela Rocholl-Pütz aus Freienohl sind leidenschaftliche Porsche-Fans.

Dietmar Pütz und Manuela Rocholl-Pütz aus Freienohl sind leidenschaftliche Porsche-Fans.

Foto: Hartwig Sellmann

Attendorn.  Fazit der 2. Sauerland-Klassik 2017: Mehr geht nicht! Die Teilnehmer aus 128 Teams sind begeistert, trotz der Regen-Rallye. Geschichten aus dem Fahrerlager.

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Ralf und Corinna Böcking aus Wilnsdorf bei Siegen haben ihren großen Auftritt auf den beiden letzten Etappen der Sauerland-Klassik. Er als Polizist, sie als Nonne verkleidet, sitzt das Ehepaar im Cockpit des Citroen Mehari (Baujahr 1981). Eine Homage an die alten Filme mit Louis de Funès.

Ehepaar Böcking im Film-Outfit

Der historische Mehari fuhr darin immer durchs Bild. Klar also, dass die Böckings den Gag am Samstag auf die Piste bringen müssen. Der kurze Abstecher zum 4. Hilchenbacher Autosalon führt schließlich auch ins Siegerland. Ein Heimspiel für die zwei. Der Oldtimer und die Rallyes sind ein Hobby, das ihnen riesig Freude macht. "Es geht uns nur um Spaß", sagt der 49-jährige Ralf.

Mit dem "Beach Buggy", wie er seinen Citroen nennt, nehmen Klaus Böcking und seine Gattin rundum Attendorn an der "Sanduhr-Klassen-Wertung" teil. Sauerland-Klassik: Oldtimer-Rallye im Land der 1000 Berge Das heißt keine Prüfung mit digitalem Schnickschnack an Bord, sondern via Stoppuhr - auch deshalb, weil's immer viel Spaß macht.

Den Strandwagen haben sie vor fünf Jahren aus Sizilien erworben. Nach Sizilien sind beide mit Mehari auch im Sommer 2016 gefahren: 1300 Kilometer in vier Tagen. "Ein tolles Erlebnis", sagt Klaus Bröcking. Noch doller ist ihr Schaulaufen beim Finale der Sauerland-Klassik im Louis-de-Funès-Film-Kostüm. Großes Kino!

2. Sauerland-Klassik: Stimmen der Teilnehmer
2. Sauerland-Klassik: Stimmen der Teilnehmer

Porsche-Fans aus Freienohl

Die große Liebe von Dietmar Pütz (57) und Manuela Rocholl-Pütz (55) aus Freienohl ist ein Porsche. Genauer gesagt der 912 Targa, Baujahr 1969 aus den USA. 2014 haben sie den "Urzwölfer" von einem Händler in Holland gekauft. Nur 2500 Stück sind von dieser Sorte gebaut worden.

"Der 12er gilt als Aschenputtel zum 11er - und sie wissen ja, wie das ist im Märchen", schwärmt Manuela Rocholl-Pütz. Der heutige Wert ihres alten Schätzchens liegt im fünfstelligen Euro-Bereich. "Der 12er hat Porsche das Überleben gesichert", ergänzt Dietmar Pütz.

Der Ingenieur legt gerne selbst Hand an, wenn es an dem Oldtimer etwas zu schrauben gibt. Manuela Rocholl-Pütz teilt das Hobby ihres Mannes. "Sonst wäre es gar nicht möglich", macht Dietmar Pütz klar. Seit ihrem 18. Lebensjahr sind beide Porsche-Fans und seit kurzem auch Mitglied im Urzwölfer-Club auf Facebook. Das Motto der Gruppe: "Be cool, drive fore."

Martino Lupo liebt die Oldtimer-Rallye

Vorfahrt braucht Martino Lupo (46) in seinem Fiat X1/9 Bertone (Baujahr 1981) nicht. Der Lokalmatador aus Attendorn hat bei jedem Klassik-Start ein Heimspiel und viele Freunde am Straßenrand. "Alle sind euphorisiert", lacht Lupo. "Das Tolle an der Rallye ist die Atmosphäre und die Zeitreise zurück in die Vergangenheit mit den alten Autos." Seinen "Oldie" hat Martino vom Vater einer alten Schulkameradin aus Heggen erstanden.

Gevelsberger mit Jaguar im Sauerland

Stolz steht Nikolaus Hirsch (49) aus Gevelsberg neben seinem Jaguar MK 2 (Baujahr 1963). Seit vier Jahren leisten sich er und seine Frau Andrea (53) diesen schicken Schlitten. "Für seine damalige Zeit ein ziemlich modernes Auto", meint Nikolaus Hirsch. Mit dem Jaguar haben sie bei der Sauerland-Klassik drei Tage lang "Land der 1000 Berge" und seine Umgebung kennengelernt. Eine gradiose Erfahrung auf den vier Etappen und für Andrea Hirsch auch eine Reise zurück in ihre Kindheit als sie in den Ferien "öfter mal am Biggesee" gewesen ist.

Mit der Ente aus Essen angereist

Nicht weit ernfernt vom Biggesee haben Dr. Wolfgang (68) und Antje Schmidt-Ewig (65) gelebt: in Halver. 1980 sind beide ins Ruhrgebiet nach Essen gezogen. Zehn Jahre später kam ihre "Ente" auf den Markt. Der Citroen 2CV (Baujahr 1990) wird von den Oldtimer-Liebhabern gehegt und gepflegt.

"Der Wagen hat in den letzten 25 Jahren keinen Regen mehr gesehen", sagt Wolfgang Schmidt-Ewig. Nur an schönen Tagen werde die "Ente" bewegt und zu besonderen Anlässen. Für die drei Kinder, Stefanie (42), Jan Philipp (40) und Caroline (35) diente der 2C sogar als "Hochzeitskutsche". Nun sind die Eltern in der "Ente" erstmals eine Klassiker-Rallye gefahren. Das Verdeck allerdings blieb zu, wegen des Dauerregens rundum Attendorn.

Im sonnigen Herbst 2015 hätte das anders ausgesehen. Doch an der Premiere des Oldtimer-Events konnten die Schmidt-Ewigs nicht teilnehmen. Alle Plätze waren bereits vergeben. Zwei Jahre später hat Antje Schmidt-Ewig ihren Mann mit der frühzeitigen Anmeldung überrascht. Startnummer 126 sei ein "sehr schönes Geburtstagsgeschenk", schmunzelt Gatte Wolfgang.

Ford lässt die Oldtimer rollen

Ein Prestige-Objekt ist jedes Modell im Team der Ford Classic Cars. 153 Oldtimer stehen im Stall der Amerikaner in Köln-Niehl. Achim Gerstmeyer und Klaus Niederberger fahren ein Ford T-Model 1930 zur Sauerland-Klassik in Attendorn bei der Technischen Abnahme vor. Pilot Hartwig Petersen steigt erst in den Rallye-Etappen ein. "Unser Museum ist auf der Straße. Wir lassen die Fahrzeuge rollen", sagen seine Team-Begleiter über die Ford-Philosophie. Mehr geht nicht!

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