Bürgerbeteiligung

Verbraucherschutz: Bundesweites Projekt startet in Olpe

Die Thomas Cook-Pleite hat viele Urlauber kalt erwischt.

Die Thomas Cook-Pleite hat viele Urlauber kalt erwischt.

Foto: Clara Margais / dpa

Olpe.  Ein bundesweites Bürgerprojekt soll die Verbraucherinformation und Beratung im ländlichen Raum umkrempeln. In Olpe wird der Startschuss gegeben.

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Gestrichene Flüge, abgesagte Hotelreisen und ratlose Verbraucher: Die Pleite des britischen Reisekonzerns Thomas Cook hat auch viele Menschen im Kreis Olpe hart getroffen. Und sie hat gezeigt, dass die Verbraucherpolitik viel Luft nach oben hat. Aber wie können Bürger besser informiert und beraten werden? Dafür hat das Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (BMJV) das Projekt „Experimentierwerkstatt Ländliche Verbraucherpolitik“ ins Leben gerufen. Am kommenden Samstag startet in Olpe ein Workshop mit und für Bürger, der die ländliche Verbraucherpolitik umkrempeln soll.

Das Projekt

Das BMJV hat das bundesweite Forschungsvorhaben an Marketing-Professorin Hanna Schramm-Klein (45) von der Universität Siegen und ihre Strategieberatung „Prof. Schramm-Klein GmbH“ vergeben. Die Aufgabe ist nicht gerade einfach: Gemeinsam mit „Experten“ – das sind Vertreter von Sozial- und Wirtschaftsverbänden, Verbraucherschutzorganisationen, Politik und Verwaltung – sollen sich die Bürger an einen Tisch setzen, um die Verbraucherpolitik auf dem Land neu zu definieren.

„Wir wollen Informations- und Beratungsangebote für den ländlichen Raum erarbeiten, um diese dann zum Beispiel auf kommunaler Ebene nutzbar zu machen“, erklärt Schramm-Klein. Der Hintergrund: Das BMJV hat eine Informationspflicht, aber die breit gestreute Bevölkerung auf dem Land persönlich ansprechen? Kaum möglich. „Viele Verbraucherzentralen sind ja geschlossen worden. In Lennestadt gibt es noch eine Außenstelle, mehr aber nicht“, sagt die Professorin. Außerdem sei die Verbraucherzentrale in der Informationspolitik nur einer von vielen Akteuren.

Der Workshop

Olpe ist die erste von insgesamt zwölf Stationen des zweijährigen Projekts. Unterstützt durch den Olper Bürgermeister Peter Weber wird der Workshop am Samstag, 14. Dezember, im Alten Lyzeum stattfinden. Die Veranstaltung beginnt um 9 Uhr, das Ende ist für 18 Uhr vorgesehen. Die Teilnehmer sollen aus den ländlich geprägten Ortsteilen des Kreises kommen.

Der Workshop wird interaktiv und praxisnah sein, sagt Schramm-Klein: „Es geht nicht darum, dass Wissenschaftler der Bevölkerung erzählen, wie es laufen soll. Die Idee ist es, das genau umzudrehen. Wir wollen herausfinden, welche Arten von Verbrauchern es im Kreis Olpe gibt und wie sie beraten werden wollen“, erklärt die Professorin. Die Teilnehmer sollen klarmachen, welche Hürden es bei der Informationsbeschaffung im ländlichen Raum gibt.

Die Möglichkeiten

Dass diese Hürden existieren, sei vor allem bei der Thomas-Cook-Pleite im September deutlich geworden. Viele betroffene Verbraucher hätten nicht gewusst, an wen sie sich wenden mussten. „Bevor man den Reiseveranstalter anruft, sollte man sich erstmal informieren, was man diesem überhaupt sagen soll“, sagt Schramm-Klein. Ihrer Projektgruppe sei es aber wichtig, Bürger zu informieren, „bevor das Kind in den Brunnen gefallen ist“. Möglich sei eine Smartphone-Applikation, die wie eine Katastrophen-Warn-App funktioniert und beispielsweise vor betrügerischen Händlern warnt.

Apropos App: Eine wichtige Rolle im Projekt nimmt die Technologie ein. Bevorzugen die Bürger Informationen durch eine Applikation auf dem Smartphone? Würden sie eine durch künstliche Intelligenz gesteuerte Sprachanwendung nutzen? Oder ist die persönliche Beratung durch einen Experten der Verbraucherzentrale der Favorit? Diese Fragen sollen geklärt werden. „Wir bringen unter anderem eine Virtual-Reality-Brille mit, die die Teilnehmer mal ausprobieren können“, sagt Schramm-Klein.

Allerdings werde man im Workshop keine Technologien entwickeln, sondern vielmehr herausfinden, welche Angebote sich für Verbraucher eignen. Die persönliche Beratung, so Schramm-Klein, sei noch längst nicht ausgestorben.

Für die Teilnahme am Projekt „Experimentierwerkstatt Ländliche Verbraucherpolitik im Kreis Olpe“ ist eine Anmeldung erforderlich, die auf der Website des Unternehmens www.schramm-klein.de, schriftlich oder telefonisch bei der Prof. Schramm-Klein GmbH erfolgen kann.

Die Teilnehmerzahl ist begrenzt auf jeweils zehn Bürger der Region und zehn Vertreter von regionalen Institutionen.

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