Pflege

Reform soll Einstufung individueller machen

Seit dem 1. Januar gibt es fünf Pflegegrade statt drei Pflegestufen.

Seit dem 1. Januar gibt es fünf Pflegegrade statt drei Pflegestufen.

Foto: Mascha Brichta

Kreis Olpe.   Die Pflegereform beschert Pflegebedürftigen und pflegenden Angehörigen einige Neuerungen

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Die Pflegereform beschert Pflegebedürftigen und pflegenden Angehörigen seit Anfang des Jahres wichtige Neuerungen. Am wichtigsten ist der Ersatz der bisher drei Pflegestufen durch fünf neue Pflegegrade (wir berichteten).

„Das bedeutet allerdings nicht, dass künftig alle Pflegebedürftigen neu begutachtet werden müssen“, erklärt Gisela Haßler von der Pflegeberatung des Kreises Olpe. Stattdessen gibt es eine festgelegte Überleitung von den bisherigen Pflegestufen in die neuen Pflegegrade. So wird aus Pflegestufe 1 künftig Pflegegrad II.
Neu hinzugekommen ist der Pflegegrad 1, für den ein Entlastungsbetrag (125 Euro) für die Kostenerstattung von Tages- und Kurzzeitpflege, vollstationäre Pflege, Leistungen der Pflegedienste (auch für körperbezogene Pflegemaßnahmen) sowie für Unterstützungsangebote im Alltag von anerkannten Diensten zur Verfügung steht.

Punkte statt Minuten

„Verschlechtern“, so Gisela Haßler, „wird sich nach der Umstellung auf die Pflegerade niemand. Dafür gibt es einen Bestandsschutz“. Bei einem Antrag auf Höherstufung allerdings, sei eine erneute Prüfung erforderlich.

In einer Pressemitteilung des Kreises Olpe heißt es zu den Neuerungen: „Bislang bezog sich die Pflegebedürftigkeit vor allem auf körperliche Einschränkungen. Jetzt werden geistige und seelische Beeinträchtigungen stärker berücksichtigt und die bisherige Benachteiligung von Menschen mit Demenz und anderen in der Alltagskompetenz eingeschränk­ten Menschen aufgehoben.

In sechs pflegerelevanten Lebensbereichen (Module) beurteilen die Gutachter vom Medizinischen Dienst, inwieweit sich ein Mensch noch selbst versorgen kann oder ob und in welchem Ausmaß Unterstützung durch andere notwendig ist.“

Dabei geht es nicht mehr um Minuten, sondern um Punkte für die Ausprägung der Beeinträchtigung. Aus der Summe der Einzelpunkte wird für jedes Modul ein prozentual gewichteter Punktwert ermittelt, aus dem sich der Pflegegrad ergibt.

Wie die Pflege unter den neuen Regelungen konkret aussehen kann, wie umfassend das Leistungsangebot ist und zu welchen Bedingungen es in Anspruch genommen werden kann, darüber informieren die Pflegestützpunkte im Kreis Olpe kostenlos alle Mitglieder der Pflegeversicherung. Die Beratung ist umfassend, trägerunabhängig und wettbewerbsneutral. Gemeinsam mit den Betroffenen sollen passgenaue Lösungen gefunden werden.

Gisela Haßler: „Wichtig ist, dass Pflegebedürftige und Angehörige die Leistungen nach ihren Wünschen und ihrer Lebenssituation wählen und miteinander kombinieren. Schließlich ist jeder Mensch anders - und somit auch jede Pflegesituation.“

„Zudem überlegen wir, ob es noch weitere Angebote gibt, die dem zu Pflegenden helfen oder welche die pflegenden Angehörigen entlasten“, ergänzt Claudia Hufnagel vom Pflegestützpunkt der Knappschaft in Lennestadt.

Hubert Kölsch vom Pflegestützpunkt der AOK Nordwest in Olpe erklärt: „Je besser uns die Pflegebedürftigen und die pflegenden Angehörigen über die häusliche Situation und über mögliche Probleme bei der Pflege unterrichten, umso besser können wir dazu beitragen, optimale Lösungen für alle Beteiligten zu finden.“

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