Neubau

Raiffeisenmarkt entsteht auf grüner Wiese in Lennestadt

Josef Hesse, Geschäftsführer der Raiffeisen-Genossenschaft Sauer-Siegerland, steht vor einem großen Plakat vor der Hauptgeschäftsstelle in Attendorn.

Josef Hesse, Geschäftsführer der Raiffeisen-Genossenschaft Sauer-Siegerland, steht vor einem großen Plakat vor der Hauptgeschäftsstelle in Attendorn.

Foto: Flemming Krause / WP

Kreis Olpe.  Gemeinde Finnentrop reicht Klage am Verwaltungsgericht ein. Sie fürchtet um den Verlust von Kaufkraft. Neubau kostet fünf bis sechs Mio. Euro.

Vor wenigen Wochen erteilte die Stadt Lennestadt der Raiffeisen-Genossenschaft Sauer-Siegerland die Genehmigung für ihr Bauvorhaben im „Drei-Länder-Eck“ zwischen Lennestadt, Attendorn und Finnentrop. Das Unternehmen mit Sitz in der Hansestadt wird sich an der Bundesstraße 236 am Neukamp in Grevenbrück, genauer gesagt zwischen Bamenohl und Trockenbrück unmittelbar neben dem Dolle-Bosch-Dienst, erweitern und künftig mit den Sortimenten Einzelhandel, Landwirtschaft, Baustoffe und einer Tankstelle am neuen Standort vertreten sein.

Kunden, die beispielsweise Gartenmöbel, Tiernahrung, Kleidung, Fenster oder Türen kaufen möchten, seien laut Josef Hesse, seit 2005 Geschäftsführer der Raiffeisen-Genossenschaft Sauer-Siegerland, im neuen Quartier bestens aufgehoben.

Groß- und Außenhandelskaufmann

Mit einem Investitionsvolumen von rund fünf bis sechs Millionen Euro entsteht der Markt auf dem ehemaligen Gelände der Firma Kebben, die vor Jahren nach Attendorn umgesiedelt ist. Seitdem befindet sich das Grundstück im Besitz der Raiffeisen-Genossenschaftsbank.

„Wir möchten mit diesem Neubau den Bedarfen unserer Kunden gerecht werden und ein möglichst breites Angebot schaffen“, betont der 52-jährige Hesse, der seit den 80er Jahren im Unternehmen ist und dort auch den Beruf des Groß- und Außenhandelskaufmann erlernte, im Gespräch mit dieser Redaktion. Die Lage am Neukamp sei aufgrund der Anbindung an die Bundesstraße ideal, auch wenn etwas außerhalb gelegen. „Wir müssen mit unserem Markt auch gar nicht in die Einkaufsstraße gehen“, erklärt der gebürtige Attendorner und ergänzt: „Wir verkaufen viele größere Produkte wie zum Beispiel Garten- und Baubedarf, der von unseren Kunden mit größeren Autos abgeholt wird. Da braucht man Platz.“

Hundt: Enorme Kaufkraftbindung

Mit großer Vorfreude blickt Lennestadts Bürgermeister Stefan Hundt dem absehbaren Baustart entgegen: „Wir reden hier von einem wichtigen Projekt für Lennestadt, das eine enorme Kaufkraftbindung für das Veischedetal, Lennetal und Oenetal bedeutet. Dieses besondere Angebot fehlte uns bislang an dieser Stelle.“ Möglicherweise rücken noch in diesem Jahr die Bagger an. Aktuell befindet sich die Raiffeisen in der Phase der Auftragsvergabe und sitzt mit heimischen Bauunternehmen, die auf eine entsprechende Ausschreibung reagiert haben, an einem Tisch.

Die Begeisterung seines Kollegen Stefan Hundt teilt Finnentrops Bürgermeister Dietmar Heß in keiner Weise. Ganz im Gegenteil: Die Gemeinde hat sogar eine Klage vor dem Verwaltungsgericht gegen den Neubau eingereicht, allerdings bis dato noch ohne eine Begründung. Diese müsste die Gemeinde bis Ende dieses Monats einreichen. „Wir prüfen noch, ob wir dabei bleiben“, sagt Heß auf Nachfrage und begründet diesen Schritt wie folgt: „Zum einen vertreten wir den Standpunkt, dass es nicht in Ordnung ist, ein solches Projekt auf der grünen Wiese umzusetzen. Und dann fühlen wir uns von Lennestadt provoziert, weil die Stadt öffentlich geäußert hat, der Gemeinde Finnentrop eine Million Euro Kaufkraft zu entziehen.“ Vor allem aber entstehe ein konkurrierendes Angebot, beispielsweise zum Baustoffhandel „Bauking“ oder dem Hagebaumarkt in Bamenohl. „Um das deutlich zu sagen: Mit nachbarschaftlicher Rücksichtnahme hat das nichts zu tun“, schäumt Heß.

Umsatzerwartung: 10 Millionen Euro

Dieses Argument kann Stefan Hundt nicht nachvollziehen, binde der neue Raiffeisen-Markt doch einen ganz speziellen Kundenstamm. Die eingereichte Klage entbehre daher jeglichem fachlich durchdachtem Hintergrund, so Lennestadts Bürgermeister.

„Auch ich habe dafür wenig Verständnis. Wir denken bei der Auswahl des Standortes vor allem an unsere Kunden in dieser Region, für die es eine Bereicherung sein wird“, erklärt Hesse. Übrigens auch für die Kunden aus Finnentrop. Aufgeteilt wird der neue Markt, der mit einer Umsatzerwartung von 10 Millionen Euro jährlich an den Start geht, in die Bereiche Einzelhandel (rund 2000 Quadratmeter Verkaufsfläche) und Großhandel (rund 3000 Quadratmeter Verkaufsfläche).

Neben einem Hauptgebäude, in dem Verkauf und Verwaltung untergebracht sind, und der Tankstelle, die rund um die Uhr geöffnet haben wird, entstehen zwei Lagerhallen für die Sortimente Landwirtschaft und Baustoffe. Darüber hinaus werden etwa 80 Parkplätze gebaut. Laut Hesse würden 25 Mitarbeiter an den Neukamp wechseln.

Mecklinghausen wird geschlossen

Wenn man so will, fällt der Raiffeisen-Markt in Mecklinghausen mit dem Schwerpunkt Baustoffhandel der Expansion zum Opfer. Er wird mit Eröffnung des neuen Marktes geschlossen. Ware und Personal werden aber komplett zum Neukamp mit umziehen, verspricht Hesse.

Die Anzeichen verdichten sich zudem, dass darüber hinaus auch der Standort in Schönholthausen, wo Kunden Kleinstteile für den täglichen Gebrauch erwerben können, bald geschlossen wird. Das letzte Wort sei dabei aber noch nicht gesprochen, betont der Geschäftsführer. Jetzt freue er sich in erster Linie darauf, dass möglichst noch in diesem Jahr mit den Neubau begonnen wird und die ersten Kunden bereits 2020 auf der grünen Wiese am Neukamp einkaufen können.

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