Oldtimer-Rallye

Engländer Sanders mit 14 PS bei der Sauerland Klassik am Start

Tom Sanders mit dem Austin 7. Englischen Matsch kennt das Auto schon, den der Sauerländer Berge lernt er im Herbst kennen

Tom Sanders mit dem Austin 7. Englischen Matsch kennt das Auto schon, den der Sauerländer Berge lernt er im Herbst kennen

Foto: privat

Attendorn.   Bei der Oldtimer-Rallye Sauerland Klassik geht Paul Sanders aus England mit einem Austin Seven, Baujahr 1930, an den Start.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Die zweite Auflage der Sauerland Klassik wird wieder international. Zu den ersten Nennungen für die Oldtimer-Rallye vom 4. bis 7. Oktober gehört Paul Sanders, der mit einem Austin Seven, Baujahr 1930, an den Start gehen wird.

Seine Frau will keine Scheidung

„Ich will alte Freunde besuchen und die Landschaft genießen. Die ist wunderschön, das weiß hier nur niemand“, sagt der 56-Jährige, der vor rund 30 Jahren seine Ausbildung zum Werkzeugmacher bei Kostal in Lüdenscheid gemacht hat und so Verbindungen ins Sauerland bekam.

„Mein Bruder hat damals bei Kostal gearbeitet. Ich bin dann auch rüber gekommen und habe eine Lehre gemacht. Das war eine sehr schöne Zeit.“

Der alte Austin wird mit einer Familienbesatzung an den Start rollen, absehbar aber nicht in der gemeldeten Version mit Paul Sanders als Fahrer und Ehefrau Hillary als Beifahrerin: „Ich habe mit meiner Frau gesprochen, sie will keine Scheidung von mir, deswegen werde ich mit meinem Sohn an den Start gehen“, sagt Sanders und spielt dabei auf das bei Oldtimer-Rallyes gelegentlich nicht ganz konfliktfreie Verhältnis von Fahrer und Beifahrer nach vergeigten Sonderprüfungen an. Vater und Sohn werden auf jeden Fall viel Zeit haben, die Schönheiten der Landschaft zu genießen, denn mit 14 PS ist der Austin alles andere als übermotorisiert und egal, von welcher Seite er kommt, nach der Auffahrt zum Rhein-Weser-Turm wird sich der kleine Vierzylinder jede Menge Anerkennung verdient haben. Sanders / Sanders vermutlich auch, denn der Austin erfordert eine sportliche Einstellung: Er ist ein sehr offener Zweisitzer . . .

Berühmt ist er auch

Und ein berühmter. Auch wenn man es sich heute kaum vorstellen kann, er ist der Urvater aller BMW. 1929 produzierte BMW sein erstes Auto, einen Dixi 3/15, der nichts anderes war als die Lizenzfertigung eines Austin Seven. „Das erste Auto“, sagt Paul Sanders, „das die heute übliche Verteilung der Pedale hatte. Bis dahin war das Gaspedal meistens in der Mitte.“

Sanders Austin hat auch eine besondere Geschichte. Er gehörte dem in England legendären Sammler Colin Crabbe, der ihn eigentlich für seine Frau gekauft hatte, aber selbst damit Veranstaltungen besuchte, die es nur in Großbritannien gibt. Dort werden Oldtimer in sogenannten Trials durch schweres Gelände geprügelt. „Das Auto hat ein paar Beulen, die ich aber nicht beseitigen lassen will“, sagt Sanders, „sie gehören zu der Geschichte des Wagens.“ Colin Crabbe ist Spross einer schottischen Familie, die mit Ingwer-Weinen ein Vermögen gemacht hat, das Colin Crabbe mit seiner Auto-Sammel-Leidenschaft maßgeblich vergrößern konnte. 1968 erfuhr er nämlich, dass man in Polen, dicht an der Grenze zu Russland, einen Mercedes-Silberpfeil (W 125) entdeckt hatte. „Er hat das Auto“, sagt Paul Sanders und muss lange überlegen, um das Wort „gestohlen“, zu vermeiden „in seine Hände bekommen.“

Gutes Geschäft

Colin Crabbe selbst schreibt in einem Buch, dass er zwei Wochen, nachdem er die Nachricht vom Silberpfeil erhalten hatte, am Checkpoint Charlie gestanden und ein Kuvert mit 10 000 Dollar in der Tasche gehabt habe. Den Silberpfeil hat er später an Bernie Ecclestone verkauft, der ihn dann aber auch weiter verkauft hat. Es ist der einzige Silberpfeil in Privatbesitz. Der Wert heute: achtstellig.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben