Genuss

In der Brauerei Bräukels im Jammertal reift Weihnachtsbier

Michael Stinn, Tim Steinhanses und Nic Steinhanses (von links) sind Hobby-Bierbrauer aus Leidenschaft. 

Michael Stinn, Tim Steinhanses und Nic Steinhanses (von links) sind Hobby-Bierbrauer aus Leidenschaft. 

Foto: Volker Eberts / EBE

Jammertal.  Die drei Hobbybrauer Michael Stinn, Tim und Nic Steinhanses arbeiten in ihrer Bräukels-Brauerei im Jammertal an einem Weihnachtsbier.

Der Besuch eines Braukurses kann unberechenbare Folgen haben. Viele leiden am Tag danach unter Kopfschmerzen, bei Michael Stinn aus Langenei waren die Nebenwirkungen anders. Er fand soviel Gefallen an diesem begnadeten Lebensmittel-Handwerk, dass er zusammen mit seinen zwei Freunden Nic und Tim Steinhanses eine eigene Brauerei gründete – „Bräukels“. Vier Jahre später wissen die drei Langeneier, dass Bierbrauen keine „Schnapsidee“ ist.

Mittlerweile hat sich die Bräukels GbR zu einem aufstrebenden Unternehmen entwickelt, dass die drei Hobbybrauer, allesamt Familienväter, ein wenig auf die Bremse treten lässt, damit die zeitintensive Nebenbeschäftigung das bleibt, was es sein soll – ein Hobby.

Klar, wer kein Bier mag, der kann auch keins brauen. Michael Stinn (38), im Hauptberuf Technologieberater in der Softwareentwicklung, kocht gern und probiert gern mal was anderes aus, auch bei den Biersorten. Seine beiden Freunde, Nic Steinhanses (46), Lehrer für Deutsch, Bio und Technik an der Erich Kästner Realschule in Bad Fredeburg und dessen Bruder Tim (38), Holztechniker, als echte Sauerländer dem Gerstensaft ebenfalls zugetan und der üblichen Industriebiere überdrüssig, mussten nicht lange überzeugt werden. Auch sie hatten schnell Blut, pardon Bier, geleckt.

Die erste „Brauanlage“ in Nics Garage in Saalhausen bestand aus einem heizbaren Glühwein- oder Suppenbottich, einem Plastikeimer und einem Holzlöffel, die Zutaten Hopfen, Malz und Hefe wurden im Internet geordert. Fehlte nur noch das Wasser. Nic Steinhanses: „Wir hatten damals zunächst die Idee, das Wasser aus dem Bräukelken in Saalhausen zu nehmen.“ Das Wasser erwies sich aber als ungeeignet, aber so war der Name des Bieres und der Brauerei geboren – Bräukels.

Der erste Sud, jetzt mit Saalhauser Quellwasser des örtlichen Wasserbeschaffungsverbandes, schmeckte schon vielversprechend, erinnert sich Michael Stinn. Die Produktion lief an – zunächst nur zum Eigengebrauch. Erst wurden alle acht Wochen 20 Liter gebraut, dann 50, dann 100 „und dann wollten auch noch andere mittrinken“ so Michael Stinn. Kontinuierlich wurde das Equipment der Brauanlage erweitert, um den „Ausstoß“ zu erhöhen. Das Bräukels-Projekt sprach sich rum und die kleine Garagen-Brauerei erreichte bald ihre Kapazitätsgrenzen.

Aufhören oder Vergrößern

Das Projekt stand am Scheideweg. Michael Stinn: „Wir haben dann ein halbes Jahr überlegt, wie es weiter gehen soll.“ Zum 1. Dezember letzten Jahres wurde die ehemalige Gaststätte „Forelle“ im Jammertal frei und die drei Freunde schlugen zu. Unterstützt von mehreren Sponsoren und Unterstützen aus dem Freundeskreis investierten sie rund 80.000 Euro in eine neue Brauereianlage mit Gärtanks, Kühlhaus, Flaschenabfüller etc., nicht vollautomatisch, sondern von Hand zu bedienen, aber groß genug, um in einem Braugang gut 230 Liter Gerstensaft zu erzeugen. Der Start im Januar war ein Fiasko. Michael Stinn: „Kein einziges Gerät funktionierte am Anfang und der erste Sud war eher mäßig“.

Die Kinderwehwehchen sind längst überstanden. Alle acht Wochen wird jetzt im Jammertal frisch gebraut, einmal im Monat können Brauereibesichtigungen für 20 Personen gebucht werden. Das ganze Drumherum wurde professionalisiert. Es gibt ein eigenes Logo, eigene Bierdeckel, Gläser, Aufkleber – Corporate Identity wie bei den Großen.

Das Alles wäre sinnlos und die Idee längst begraben, wenn das „Produkt“ nicht stimmen oder schmecken würde. Der Autor dieser Zeilen kann nach dem Selbstversuch feststellen: Bräukels-Biere schmecken individuell und hervorragend. Dass sie den Geschmacksnerv der Lennestädter Biertrinker getroffen haben, beweist die Nachfrage. Nicht nur bei Freunden und den Nachbarn im Jammertal gehört „Bräukels“ mittlerweile zum „Hausbier“, immer mehr Betriebe und private Veranstalter wollen ihren Feiern und Festen mit dem eleganten, bernsteinfarbenen „Bräukels“ im Glas eine besondere Note geben.

Geschmack ist nicht alles

Für die drei Hobbybrauer spielt der Geschmack aber gar nicht die Hauptrolle. „Wir wollen gar nicht jedem schmecken“, erklärt Michael Stinn. Wichtiger sei, dass ihr Bier einen eigenen Charakter habe, individuell, weg vom Mainstream-Geschmack.

So ist das obergärige Bräukels Original mit 5,1 Prozent Alkohol-Gehalt eher fruchtig, frisch und spritzig, das untergärige „Erlkönig-Bier“ malziger und die „Rote Zora“ ein typisches, herberes Herbstbier. Das Improvisieren mit anderen Geschmacksnoten soll eine Tugend von „Bräukels“ bleiben. Für nächstes Jahr ist der „Schwarze Rabe ohne Fruchtfleisch“, ein Stout-Bier, das den irischen Klassikern ähneln soll, geplant. Im Frühling wird der „Fichtenflitzer“ gebraut und im Sommer ein „Sommer-Ale mit Maracuja-Note“.

Weihnachtsbier

Trotz dieser Fantasie-Namen werde jedes Bier strikt nach dem Natürlichkeitsgebot gebraut. Die Lebensmittelüberwachung des Kreises kontrolliert mit Stichproben. Der Geschmack ergebe sich durch die Zugabe unterschiedlicher Hopfenarten und nicht durch Mixerei und Panscherei wie bei modernen Craft-Bieren. Nicht ohne Hintergrund steht auf jedem Logo „Dem Hopfen sei Dank“.

Seit dem jüngsten Brautag am Samstag reift übrigens obergäriges „Weihnachtsbier“ in den Lagerfässern in der „Forelle“, es soll erstmals an einem eigenen „Bräukels-Stand“ beim Langeneier Weihnachtsmarkt verkauft werden. Keine Frage, auch dieses Gebräu aus dem Hause „Bräukels“ wird ein Renner werden.

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