Feinstaub-Debatte

Feuerwerker Martin Reißner: „Es gibt größere Umweltsünder“

Martin Reißner und sein Sohn Jonas Darius Reißner sind Pyrotechniker.

Martin Reißner und sein Sohn Jonas Darius Reißner sind Pyrotechniker.

Foto: Privat

Attendorn/Olpe.  Martin Reißner ist Pyrotechniker und schießt weltweit seine Feuerwerke. Er wehrt sich dagegen, dass Silvesterfeuerwerke verboten werden sollen.

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Martin Reißner ist ein Künstler. Ganz ohne Farbe und Pinsel. Seine Leinwand ist der Nachthimmel. Der 54-jährige Mann aus Neger ist Pyrotechniker. Mit seinen Feuerwerkskörpern zeichnet er bunte, glitzernde Formen über den Köpfen der Zuschauer. Doch nun ist seine Arbeit in Gefahr. Denn die Deutsche Umwelthilfe will Feuerwerke aufgrund der Umweltbelastung teilweise verbieten. Reißner ist entsetzt: „Das kann es doch nicht sein“, sagt er. „Da gibt es viel größere Umweltsünder. Die schießen gerade mit Kanonen auf Spatzen.“

Alles muss stimmen

Er ist längst ein Meister auf seinem Gebiet. Martin Reißner reist durch die Welt, zündet Feuerwerke in ganz Europa, in Japan, China, Afrika. Silvester 2017/2018 hat er mit seinem Werk den Scheich in Abu Dhabi erfreut. Er ist regelmäßig beim Seenachtsfest in Sondern, seit vielen Jahren erfreut er die zum Jahreswechsel die Gäste im Romantikhotel Platte. Jedes Mal eine Herausforderung. Alles muss stimmen. Die Menge, die Stückzahl, der Betrachterwinkel, der Schutzabstand, das Zusammenspiel von Licht und Farben, die Musik. Martin Reißner ist Feuerwerker aus Leidenschaft. Es sind nicht nur die geometrischen Formen, die sich vor dem Nachthimmel abzeichnen, die ihn so faszinieren. Es sind vor allem die Reaktionen der Zuschauer, die ihn berühren. „Es kommen so oft Menschen auf mich zu, die sich bedanken, die richtig gerührt sind“, erzählt der Pyrotechniker.

Doch Feuerwerke werden kritisiert. In den Medien sorgt die Initiative der Deutschen Umwelthilfe (DUH) für Aufsehen. Sie hat in einigen deutschen Kommunen ein offizielles Silvesterfeuerwerksverbot innerhalb von Innenstädten beantragt. Kritisiert wird die Feinstaubbelastung und die Verschmutzung, die durch Pyrotechnik entsteht. Von 5000 Tonnen Feinstaub an Silvester ist dort die Rede. Außerdem wurde unter anderem in Köln heftig diskutiert, ob die „Kölner Lichter“ in Zeiten des Klimanotstandes noch angemessen seien. Auch der Naturschutzbund Deutschland (NABU) spricht von einer Belastung für Umwelt, Mensch und Tier. Aber ist ein Verbot notwendig? Nein, sagt Martin Reißner und greift das Thema „Kölner Lichter“ beispielhaft auf. „Da fahren unzählige Schiffe auf dem Rhein“, sagt er. „Und die sind mit ihrem CO2 und Feinstaub ja wohl die größeren Umweltsünder.“

Nicht so schädlich wie Dieselmotoren

Dass Feuerwerk nicht umweltförderlich ist, will Martin Reißner gar nicht bestreiten. Aber man müsse die Relation sehen. „Auf uns kleines Gewerbe kann man ja rumhacken“, echauffiert er sich. „Aber dann können wir ja auch das Motorradfahren verbieten, oder vielleicht die Traktoren bei den Karnevalszügen.“

Reißner hat Rückendeckung vom Verband der pyrotechnischen Industrie. In einer Stellungnahme betont der Verband, dass die 5000 Tonnen utopisch wären. Die DUH beziehe sich auf Schätzwerten, die jeglicher Grundlage entbehren. Der Feinstaub aus Feuerwerkskörpern sei im Gegensatz zu Verbrennungsmotoren „wesentlich unbedenklicher“. Partikel aus den Feuerwerkskörpern seien wasserlöslich und wasseranziehend, verschwinden daher schnell aus der Luft und auch aus der Lunge. „Die lenken bewusst von den eigentlichen Umweltsündern ab“, sagt Reißner. „Man darf auch nicht vergessen, dass da Arbeitsplätze dranhängen.“

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