Beratung

„Echte Männer“ reden in der Olper Beratungsstelle

Eine Männerfaust packt ein weibliches Handgelenk. Häusliche Gewalt ist ein wichtiges Thema in der Männerberatungsstelle in Olpe.

Eine Männerfaust packt ein weibliches Handgelenk. Häusliche Gewalt ist ein wichtiges Thema in der Männerberatungsstelle in Olpe.

Foto: Hendrik Schulz / WP

Kreis Olpe.  Sozialarbeiter Daniel Schulte berät in Olpe Männer in Lebenskrisen. Dabei geht es auch um häusliche Gewalt. Auch Männer können zu Opfern werden.

Beratung für Frauen ist an der Tagesordnung. Schon seit langem gibt es im Kreis Olpe eine Frauenberatungsstelle und ein Frauenhaus. Doch was ist, wenn Männer Hilfe brauchen? „Wir Männer haben es verpennt. Wir müssen uns jetzt auch um unsere Belange kümmern“, fordert Daniel Schulte (42) im Gespräch mit unserer Zeitung. Der Diplom-Sozialarbeiter leitet die Jungen- und Männerberatungsstelle „Echte Männer reden“ in der Olper Mühlenstraße.

Beratung ist kostenlos

Vor zwei Jahren hat der Katholische Sozialdienst diese ins Leben gerufen. „Es wurde gesagt, wir müssen etwas für Männer machen. Für Frauen gibt es sehr viel. Im Moment wird das noch aus Projektmitteln der Diözese Paderborn finanziert. Die Beratung ist kostenlos“, erläutert Daniel Schulte, der eine Ausbildung zum Jugend- und Männerberater absolviert hat. Der 42-Jährige ist aktuell der einzige im hiesigen Raum. In Nordrhein Westfalen gibt es insgesamt 14 Berater, die nächsten sind in Dortmund und Köln.

Da drängt sich die Frage auf: Was sind denn eigentlich „echte Männer?“ Dies sei ein bisschen provokativ gemeint, erklärt Schulte: „Männer reden in der Regel nicht gerne darüber, wenn sie Probleme haben. Das Selbstbild ist: Ich regele das selber. Es ist unmännlich, sich Hilfe zu holen. Das gilt schon dabei, nach dem Weg zu fragen. Unser Motto ist aber: Wenn du ein echter Mann sein willst, dann rede.“

Gespräch von Mann zu Mann

In 80 Prozent der Beratung von Daniel Schulte geht es um Lebenskrisen, in denen sich Männer befinden: „Das sind zum Beispiel Trennung, Burn Out oder Arbeitsplatzverlust. Es ist ein Unterschied, ob sich zwei Männer unterhalten oder ein Mann und eine Frau. Dann gibt es häufig einen Aha-Effekt: Da ist jemand, der mich versteht.“ Im Gespräch sollen Männer lernen, die Hintergründe ihrer Krise zu verstehen und ihr Verhalten zu ändern.

Männer aus allen sozialen Schichten kommen zu Daniel Schulte, von 16 Jahren bis ins Rentenalter. Bei einigen Lebenskrisen kommt es in den Beratungsgesprächen auch zu Suizidgedanken, so der 42-Jährige: „Die Männer sehen keinen Ausweg mehr und haben das Gefühl der Hilflosigkeit. Das wollen sie aber nicht. Es ist total bekloppt, aber dann denken sie an Suizid, um handeln zu können und zu sagen: Jetzt habe ich die Lösung. Es ist vorbei. 80 Prozent aller Selbstmorde werden von Männern begangen. Ich helfe den Männern, an ihre Gefühle heranzukommen.“ Wenn Schulte starke depressive Symptome erkennt, verweist er die Männer weiter in die Psychiatrie.

Gewaltkreislauf durchbrechen

Ein Schwerpunkt in der Beratung ist für den 42-Jährigen häusliche Gewalt. „Die zieht sich durch alle Schichten“, sagt er. Es gehe dabei um die Arbeit mit Tätern, die Gewalt ausüben, aber auch um Prävention. Dabei müssten schlagende Männer uneingeschränkt die Verantwortung für das übernehmen, was sie getan haben. Es gehe darum, den Gewaltkreislauf zu durchbrechen, betont Schulte: „Daran arbeite ich. Häufig ist es ein Vulkan, der ausbricht. Ich hatte schon Fälle, dass Männer zugeschlagen haben, weil ihre Frau falsch in die Garage gefahren ist. Das war nicht der Grund, nur der Auslöser. Wut hat sich angestaut. Die Frage ist, was war vorher. Das können Konflikte bei der Arbeit gewesen sein. Ich versuche, Hilfestellungen zu erarbeiten.“

Doch bei häuslicher Gewalt sind die Täter nicht nur Männer. „Man geht davon aus, dass in 20 Prozent der Fälle Männer zum Opfer geworden sind. Da gibt es eine riesige Dunkelziffer. Das ist gerade hier im ländlichen Raum noch ein Tabuthema“, berichtet Daniel Schulte. Er schildert einen Fall, in dem eine Freundin ihren ehemaligen Lebenspartner permanent belästigt hat. „Auch als er eine eigene Wohnung hatte, hat sie ihm weiter nachgestellt und versucht, die Kontrolle über ihn auszuüben. Dann hat die Frau ihm eine Ohrfeige gegeben.“ In einem anderen Fall habe ein schlafender Mann von seiner Frau eine Tracht Prügel bekommen. Wenn ein Streit eskaliert, würde mit Gegenständen geworfen. Bei Frauen gehe es häufig um psychische Gewalt: „Da wird viel Druck aufgebaut und gesagt: Du siehst die Kinder nicht mehr.“

Nachfrage gestiegen

„Die Polizei hat hier bei uns auch schon Frauen des Hauses verwiesen“, sagt Schulte. Der 42-Jährige kritisiert, dass es keine Anlaufstellen für Männer, die Opfer von Gewalt geworden sind, gibt: „Es gibt hier kein Angebot. In Köln und Düsseldorf soll es aber bald Gewaltschutzwohnungen für Männer geben, wie Frauenhäuser.“

Die Nachfrage in der Männerberatungsstelle in Olpe sei gestiegen. In Fällen der häuslichen Gewalt gehe die Beratung über acht bis zwölf Monate, so Schulte: „In der akuten Phase gibt es wöchentlich Termine. Dann geht es weiter wie mit einem Tanker. Wenn man das Steuerrad dreht, dauert es.“

Es gibt noch viel zu tun, meint Daniel Schulte, der fragt: „Warum sind Gleichstellungsbüros zu 90 Prozent von Frauen besetzt? Da müsste doch auch ein Mann dabei sein. Man muss noch dicke Bretter bohren.“ Der zweifache Familienvater will aber nicht locker lassen: „Ziel der Arbeit wäre, wenn es heißt: Ich breche mir keinen Zacken aus der Krone, wenn ich zur Männerberatungsstelle gehe. Davon sind wir aber noch weit entfernt.“

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