Oldtimer-Rallye

Norweger hat die weiteste Anreise zur Sauerland Klassik

Helge Holck Dykesteen bei der Sauerland Klassik 2015

Helge Holck Dykesteen bei der Sauerland Klassik 2015

Foto: privat

Stavanger / Attendorn.   Helge Holck Dykesteen hat die weiteste Anreise zur Sauerland Klassik. Ihn stoppen weder Viren, fallende Ölpreise noch Journalisten.

Für Helge Holck Dykesteen aus Stavanger hatte die zweite Ausgabe der Sauerland Klassik gedanklich schon in der vergangenen Woche begonnen. An einem außergewöhnlichen Ort und der Start war ausgesprochen schwierig.

Der Norweger ist geschäftlich viel unterwegs. War in Amerika, ganz kurz wieder in Stavanger und dann weitergeflogen nach Hongkong. In seinem Hotel kämpfte er mit einem doppelten Jetlag und einer schweren Erkältung, die er sich in den USA gefangen hatte, „weil dort alle Klimaanlagen immer nur mit maximaler Power arbeiten“, sagt Dykesteen.Endlich zur Ruhe gekommen, reißt ihn in tiefer Nacht das Telefon aus unruhigem Schlaf und irgend so ein Presse-Onkel aus Attendorn will mit ihm über die Sauerland Klassik reden.

Er ragt zweifach heraus

Aber Helge Holck Dykesteen ist nicht nachtragend. Zurück in Stavanger und gesundheitlich wieder auf der Höhe ruft er zurück: Nein, es ging im wirklich nicht gut in jener Nacht, und ja, er freut sich auf die Sauerland Klassik, denn er weiß genau, worauf er sich einlässt. 2015 war er auch schon in Attendorn und begeistert von Land und Leuten: „Das habe ich nicht vergessen“, sagt er, „das war wirklich einmalig.“

Auch in diesem Jahr ragt Helge Holck Dykesteen heraus aus dem Teilnehmerfeld. Erstens wegen der Anreise. Er kommt aus Stavanger, das sind knapp 1300 Kilometer, die er auf eigener Achse in Angriff nimmt. 1300 Kilometer hin, 1300 Kilometer zurück und dazwischen gute 600 Kilometer über winklige Landstraßen im Sauerland. Das ist unerschrocken, denn gut 3200 Kilometer sind es nur dann, wenn ihm nicht wieder so ein Missgeschick widerfährt wie 2015. Damals hatte er seinen Führerschein in einem Hotel in Vechta liegengelassen, musste umkehren und so noch ein paar Kilometer dranhängen.

Herausragend aus dem Teilnehmerfeld sind aber auch seine Autos, Helge Holck Dykesteen hat eine Vorliebe für US-Automobile. Warum? „Als ich ein Kind war“, erinnert er sich, „war Norwegen ein armes Land. Kaum jemand konnte sich damals ein Auto leisten. Unser Nachbar war der erste in Stavanger, der sich einen amerikanischen Wagen kaufen konnte, einen Ford mit Automatikgetriebe.“

Die Erinnerung war prägend, denn seither sammelt Dykesteen US-Cars. 2015 war er mit einem Oldsmobile Indy Pace Car am Start, dieses Jahr wird es ein Pontiac TransAm Pace Car. Ein Foto von ihm und dem Auto gibt es noch nicht, denn derzeit schwimmt der Pontiac noch in einem Container auf dem Atlantik: „Ich hab das Auto in den USA gerade erst gekauft, das ist noch gar nicht hier.“

Die Zeiten haben sich geändert in Norwegen. Das Nordsee-Öl hat das Land reich gemacht und trotzdem erinnert ihn manches wieder an die Zeit seiner Kindheit. Die Wirtschaft liegt am Boden, allein rund um Stavanger, dem Zentrum der norwegischen Ölindustrie, sind 50 000 Jobs verloren gegangen. „Viele Förderplattformen“, sagt er, „liegen an der Küste, die Versorger-Flotte auch.“ Der Ölpreis ist zu niedrig für das teure Nordsee-Öl.

Hart im Nehmen

Wer, wie Dykesteen in der Ölindustrie tätig ist, braucht einen langen Atem und muss hart im Nehmen sein. Das ist er, was er auch bei Oldtimer-Rallyes schon unter Beweis gestellt hat - nicht nur wegen der langen Anreisen. Vor zwei Jahren war er auch bei der von Peter Göbel organisierten Histo Monte am Start und erkrankte zwei Tage vorher so ernsthaft, dass sein Beifahrer darauf bestand, dass er zum Arzt gehen sollte: „Das habe ich aber nicht gemacht, dann hätte ich Startverbot bekommen“, so der Norweger, der sich so schnell von nichts beeindrucken lässt: nicht von Viren, nicht vom fallenden Ölpreis und schon gar nicht von zur Unzeit anrufenden Journalisten.

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