Corona

Corona: So arbeitet die Lokalredaktion aus dem Kreis Olpe

Redaktionsleiter Thorsten Streber bei der täglichen Videokonferenz mit den anderen Lokalchefs und der Chefredaktion.

Redaktionsleiter Thorsten Streber bei der täglichen Videokonferenz mit den anderen Lokalchefs und der Chefredaktion.

Foto: Thorsten Streber / WP

Kreis Olpe.  Die überwiegende Mehrheit der Redakteure aus dem Kreis Olpe arbeitet in der Coronakrise aus dem Homeoffice. Wie das funktioniert, lesen Sie hier:

Mittwochmorgen, 9.30 Uhr. Das Team versammelt sich rund um den großen Konferenztisch in der Olper Redaktion: Welches Thema machen wir wie groß? Für welche Artikel interessierten sich unsere Leser ganz besonders? Welchen offenen Fragen müssen wir noch nachgehen? Und wer besucht die Ausschusssitzung am Abend im Kreishaus? In unserer wöchentlichen Themenkonferenz sind viele Fragen zu klären. An normalen Tagen.

Doch (fast) nichts ist mehr normal in Corona-Tagen.

Was für den Einzelhandel gilt und für die Industrie, für den Vereins- und Kulturbetrieb, das gilt für den Alltag einer Lokalredaktion eben auch. Denn an diesem Mittwoch wählt sich jeder Reporter von unterschiedlichen Standorten im Kreis Olpe und darüber hinaus telefonisch in die Konferenz ein – aus der Küche in Olpe, dem Arbeitszimmer in Attendorn oder dem Schlafzimmer in Bilstein.

Fast jeder arbeitet inzwischen aus dem Homeoffice, also von zuhause aus. Und so unterschiedlich die Standorte, so unterschiedlich nehmen auch die Kollegen die neue Situation wahr.

Die Kaum-erst-Angekommene

Gerade mal einen Tag war Britta Prasse als Redakteurin in Olpe, als sie ihr neues Büro in der Martinstraße wieder gegen ihre gemütliche Wohnung in Siegen eintauschte.

„Ehrlich gesagt hätte es für mich persönlich keinen schlimmeren Zeitpunkt geben können“, sagt sie. „Ich hatte mich so auf das Team und den neuen Standort gefreut und jetzt darf ich das alles erst in ein paar Wochen ,richtig’ kennenlernen. Manchmal kann ich auch die ein oder andere Stimmen in der Konferenz noch nicht ganz zuordnen.“

Gerade auch als neue Reporterin vor Ort sei es wichtig, sich persönlich vorzustellen.

Damit der Gesprächspartner auch ein Gesicht zu der Person hat. „Das finde ich persönlich sehr schade, dass mir diese Möglichkeit gerade fehlt.“

Und was kommt zuerst? Die Rückkehr ins Büro oder der Umzug in den schönen Kreis Olpe? „Naja“, sagt sie, „Wohnungsbesichtigungen sind ja noch nicht verboten...“

Der Alles-wie-immer-Kollege

Am wenigsten umgewöhnen muss sich wohl Flemming Krause. Der Rhoder fährt weiter jeden Morgen nach Attendorn, um von dort über den nördlichen Kreis Olpe zu berichten. Aber ganz alltäglich ist die Arbeit auch für ihn nicht. „Wir leben nun einmal davon, dass wir unter die Leute kommen und die Geschichten ,von der Straße’ holen“, sagt er. „Das fehlt mir schon.“

Nelly König aus der benachbarten Bäckerei ist da ein willkommener Gesprächspartner geworden – natürlich mit dem nötigen Abstand draußen vor dem Geschäft in der Sonne. „Dafür habe ich sonst kaum mal die Zeit.“

Gibt es denn nichts, wofür er die Kollegen im Homeoffice beneidet? „Eigentlich nur darum, dass sie sich morgens nicht frisch machen müssen...“ Nur ein Scherz, natürlich. „Im Ernst: Ich bin froh, weiter in Attendorn im Büro zu sitzen.“ Wenngleich Besuche von Bürgern aus Sicherheitsgründen vorerst ausbleiben müssen.

Die Seltener-Telefonierende

Überall klingeln die Telefone dieser Tage noch häufiger als sonst. Denn nichts geht mehr auf Zuruf, seit niemand mehr im Nachbarbüro sitzt. Nur eine Kollegin genießt die Ruhe – oder okay, zumindest etwas größere Pausen zwischen dem Klingeln: Redaktionssekretärin Nadine Niederschlag-Grebe, die für die Zeit der Corona-Krise das Büro in Lennestadt bezogen hat. Zwar ist das Telefon in Olpe auf die neue Nummer umgestellt: „Aber es rufen bei weitem nicht mehr so viele Menschen an wie sonst.“

Was fehlt? „Der Kontakt zu den Vereinen und Kollegen und die Späße zwischendurch.“ Wenngleich auch die Assistenz jetzt fester Bestandteil der beiden täglichen Konferenzen ist und die Reporter mit ihren Kontakten von Wenden bis Grevenbrück auf so manche spannende Geschichte stößt.

„Ich gehe gerne arbeiten und bin froh, dass ich meine Arbeitszeiten anpassen durfte“, bilanziert sie die neue Situation. Dann bleibt Tochter Finnja tagsüber nicht ganz so lange allein im noch WLAN-losen Neubau.

Der Laptop-Neuling

Nach mehr als 30 Berufsjahren bei der WESTFALENPOST arbeitet Roland Vossel dieser Tage zum ersten Mal von zuhause aus. Das ist ungewohnt, doch der Lokalreporter sammelt viele gute Erfahrungen. „Die Kommunikation per Telefon oder Mail mit den Menschen klappt gut, auch weil man sich hier schon so lange kennt. Die Gespräche enden immer gleich: ,Bleib‘ gesund’ oder ,Bleiben Sie gesund’.“

Ein Problem offenbart nur der Dienstlaptop am heimischen Schreibtisch. Immer wieder wird der Bildschirm schwarz. „Wenn man das Notebook zu- und dann wieder aufklappt, geht es wieder.“ Doch auch das ist mit den Tagen schon etwas besser geworden – außer nachmittags während der Telefonkonferenz. „Dann ist wahrscheinlich alles überlastet.“ Da muss die IT wohl noch mal ran. Nach der Corona-Krise.

Der Laptop-Routinier

Nichts Neues ist das mobile Arbeiten für Sportreporter Lothar Linke. Wenn er abends und am Wochenende auf den Fußballplätzen oder in den Sporthallen im gesamten Kreis unterwegs ist, gehört die Arbeit per Laptop seit Jahren mit dazu.

Die Arbeit zu Hause ist aber auch für ihn etwas Neues. Dass er dabei die Nähe zu Kühlschrank und Toilette zu schätzen gelernt hat, verriet er Ihnen bereits an anderer Stelle.

Geradezu waghalsig war nur der Weg, der zu dem Foto für diese Seite führte. Das Smartphone wurde in der Kapuze einer Jacke deponiert, die auf einem Stuhl hing. „Wenn ich gehustet hätte, wäre das Handy runtergefallen“, erzählt der Sportreporter. Nach zig Versuchen mit dem Selbstauslöser war dann das perfekte Motiv im Kasten – nur den Gelbstich kann sich der Fotograf bis heute nicht erklären.

Der Am-Katzentisch-Sitzende

Die räumliche Distanz zu den Kollegen ist für Blattmacher Ulrich Friske nichts Neues. Denn wie alle Experten, die für die Gestaltung der Seiten verantwortlich sind, sitzt er auch in normalen Zeiten nicht in der Lokalredaktion, sondern am Südwestfalen-Desk im Pressehaus in Hagen. Doch auch das steht inzwischen quasi leer.

Zu Hause in Balve hat er fürs Arbeiten aber nicht etwa das prächtige Wohnzimmer abbekommen, das gebührt den drei Ballett tanzenden Töchtern, die zwar Arbeitsblätter bearbeiten sollen, denen der zusammenbrechende Schulserver aber immer öfter gefühlte Ferien ermöglicht. Doch auch wenn die Atmosphäre festlicher sein könnte und im Vergleich zum gewöhnlichen Arbeitsplatz ein zweiter Bildschirm fehlt: „Homeoffice funktioniert ganz gut – und ich sehe mein Haus auch mal bei Tageslicht.“ Denn sonst verbringt er 90 Minuten am Tag auf den Landstraßen des nördlichen Sauerlands.

Einen Zeitvorteil erkennt er dann aber doch irgendwie nicht: „Denn natürlich lädt der Anschluss zu Hause auch dazu ein, samstags schon mal an der Montagsausgabe zu basteln, abends noch was für den nächsten Tag vorzubereiten oder sich morgens früher als sonst schon mal mit den Themen des Tages zu beschäftigen.“

Die Ausblick-Genießerin

„Die Mischung macht’s!“ So blickt Reporterin Verena Hallermann auf die ersten Tage im Homeoffice. Ja, der persönliche Kontakt zu den Menschen fehlt – ob zu Interviewpartnern, Lesern oder auch Kollegen. Aber es zeige sich: Vieles lässt sich eben auch telefonisch klären.

Und Not macht erfinderisch: „Ich habe jetzt erstmals ein WhatsApp- Gruppen-Interview geführt. Vorher wäre ich nie auf die Idee gekommen – das funktioniert aber fantastisch, verkürzt die Wege und etliche Verständnis-Nachfragen am Telefon entfallen.“

Ob die Texte dann auch noch besser sind, wenn sie vom Küchentisch mit einer herrlichen Aussicht über Olpe statt vom Büro in der Martinstraße mit Blick auf die eher trostlose Krankenhaus-Fassade geschrieben werden, müssen am Ende Sie, liebe Leser, entscheiden. Für Verena Hallermann steht fest: „Homeoffice ist toll! Aber eben keine Dauerlösung.“

Der Neue-Themen-Entdecker

Was bleibt einem Sportreporter, wenn die Fußballplätze leer bleiben müssen, keine Handballspiele mehr stattfinden und alle Leichtathletik-Wettkämpfe abgesagt sind? Tim Cordes, der dieser Tage aus dem Eigenheim in Meggen statt aus der Redaktion in Olpe berichtet, nimmt sich seit Beginn der Corona-Krise ganz anderer Themen an.

„Die Besuche auf den Sportplätzen fehlen natürlich. Die Spannung, die Emotionen, die Bratwurst. Alles gehört dazu. Gerade jetzt, wo sich abzeichnet, dass die Saison womöglich nicht mehr zu Ende gespielt wird.“ Mehr Raum bleibt hingegen für die bunten Geschichten über die Sportler, die hinter den Rekorden und Ergebnissen stecken.

Doch nicht nur die spärliche Terminlage führt zu anderen Themen, auch das veränderte Arbeitsumfeld. „Statt mit den Kollegen über den bevorstehenden Spieltag in der Bundesliga, die schwierigen Auswärtsaufgaben der Landesligisten oder einfach nur den neuesten Stadttratsch zu reden, unterhalte ich mich im Homeoffice eher mit meiner fünfjährigen Tochter über Trampoline, Stelzenlaufen oder die neue Folge von der Sendung mit der Maus.“

Der Würde-gern-Urlauber

Bilstein statt Kanada: Nur böse Zungen würden von einer Verschlechterung sprechen, die Volker Eberts dieser Tage ereilt hat. Das Coronavirus hat seine Reisepläne durchkreuzt und den Vize-Redaktionschef eher als gedacht wieder an den Schreibtisch gebracht.

„Homeoffice im Schlafzimmer? Es gibt Schlimmeres“, findet er. Mit T-Shirt und Jogginghose ist der Bequemlichkeitsfaktor hoch. Nur das WLAN schwächelt manchmal etwas. Dass er sich die Datenleitungen der Lennestädter Redaktion einmal zurückwünschen würde, hätte er wohl auch nie gedacht.

Und Kanada? „Wenn ich in den wolkenlosen blauen Himmel da draußen schaue, denke ich mir, einen schöneren Himmel gibt es über dem Stanley Park in Vancouver oder auf dem Whistler Mountain auch nicht.“ Und mit ein bisschen Fantasie sehen die Blumenmuster auf den Schlafzimmergardinen sogar aus wie kanadische Ahornblätter.

Der Nicht-mehr-weit-Pendler

Der Weg zur Bahn, um von Wuppertal zur Arbeit am Südwestfalen-Desk in Hagen zu gelangen, gehört für Philipp Singer zum Alltag. „Das ist schon fast ein Automatismus geworden“, erzählt der Mediengestalter. Doch die Automatismen haben sich umgekehrt. Statt zur Bahn führt der Weg morgens zum Wohnzimmer, wo der Laptop wartet – mit der gleichen Arbeit wie vorher im Hagener Großraumbüro. „Insgesamt läuft es sehr positiv, auch wenn es mal eine kleine technische Herausforderung gibt.“ Während er in Hagen mit bis zu 15 Kollegen in einem Raum sitzt, hat er zu Hause zumindest keine akustische Ablenkung. „Die Ruhe genieße ich definitiv“, sagt er – wobei völlige Stille auch nicht das Wahre zu sein scheint, „zwischendurch höre beim Arbeiten auch gerne mal Musik.“

Der Aus-der-Ferne-Beobachter

Aus den eigenen vier Wänden beobachtet Reporter Josef Schmidt die Corona-Krise – aber ausnahmsweise nicht am Laptop. Er genießt ein paar freie Tage als Ersatz für Wochenend-Dienste – und wird die Arbeit doch nicht ganz los. Wer bekommt die bestimmenden Themen in dieser Zeit schon aus seinem Kopf?

Der Fäden-Verknoter

Irgendjemand muss auf der Kommandobrücke die Stellung halten. Und das ist in diesen Tagen meist der Redaktionsleiter. Ich sitze also ganz allein in unserer Olper Redaktion und versuche, per Telefon und Chat Kontakt zu den Reportern zu halten. Neu zum Tagesablauf gehört eine Videokonferenz mit den anderen Lokalchefs und der Chefredaktion. Denn die Ausnahmesituation wirft nicht nur in Olpe viele Fragen auf.

Plötzlich klingelt es dann an der Tür. Dabei ist auch unsere Redaktion in Corona-Zeiten für den Publikumsverkehr gesperrt. Aber Entwarnung: Es ist nur der UPS-Mann mit neuem Toner für unsere Drucker. Neuer Toner, den im Moment eigentlich eh niemand braucht. Denn in der Redaktion wird in diesen Tagen kaum noch gedruckt.

Aber viel wichtiger: Ich bin mächtig stolz auf mein Team, das relevante Themen aufspürt, wichtige Zusammenhänge recherchiert und tolle Geschichten aufschreibt, so dass wir Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, auch ohne Pressekonferenzen, Versammlungen und Konzerte so viele Seiten über den Kreis Olpe bieten können wie an normalen Tagen – ganz egal, wo wir uns zur Konferenz versammeln.

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