Abschlussbericht

Corona: Deshalb war die Pandemie im Kreis Olpe so heftig

Im Kreis Olpe sind besonders viele Menschen, die mit dem Coronavirus infiziert waren, gestorben.

Im Kreis Olpe sind besonders viele Menschen, die mit dem Coronavirus infiziert waren, gestorben.

Foto: Volker Herold / FUNKE Foto Services

Kreis Olpe.  Im Kreis Olpe sind besonders viele Menschen am Coronavirus gestorben. Ein Bericht des Gesundheitsministeriums nennt jetzt erstmals Gründe dafür.

In der Anfangszeit der Corona-Pandemie könnten Infektionsfälle im Kreis Olpe zu spät erkannt worden sein. Diese Vermutung äußert das Landesgesundheitsministerium in seinem Abschlussbericht zum Infektionsgeschehen im Kreis Olpe, das der Kreisverwaltung inzwischen vorliegt. Demnach sollen Skiurlauber das Virus unerkannt in den Kreis getragen haben.

„In Olpe wurde bezogen auf die Bevölkerung dreimal häufiger als sonst in NRW ein Expositionsort Österreich angegeben“, heißt es in der zwölfseitigen Zusammenfassung. Zu Beginn der Pandemie waren die Skigebiete – vor allem in Tirol – vom Robert-Koch-Institut (RKI) noch nicht als Risikogebiet ausgewiesen, so dass keine flächendeckenden Testungen von Reiserückkehrern durchgeführt wurden, so dass Infektionen unerkannt blieben.

Ein „Superspreader-Ereignis“ oder größere Ausbrüche an einzelnen Stellen wurden nicht festgestellt.

Die hohe Sterblichkeit führt das Ministerium auf die systematischen Testungen in der stationären und ambulanten Pflege durch, die der Kreis nach den ersten Fällen in Altenheimen angeordnet hatte. „Dadurch dürften zum einen überdurchschnittlich viele Infektionen bei der Gruppe der älteren und hochaltrigen Menschen erkannt worden sein, die auch landesdurchschnittlich eine erhöhte Fallsterblichkeit aufweist. Zum anderen könnten in der Folge auch vermehrt Menschen später ,mit Corona’ verstorben sein, die außerhalb systematischer Testungen vermutlich nicht damit in Verbindung gebracht worden wären“, erklärt das Ministerium.

Landrat Frank Beckehoff zeigte sich zufrieden mit dem Ergebnis: „Ich danke Minister Laumann und den von ihm beauftragten Fachleuten für die Unterstützung bei der Aufarbeitung und Bewertung des Infektionsgeschehens im Kreis Olpe.“ Wegen der hohen Zahl der Sterbefälle hatte der Kreis Olpe das Land im April um Hilfe gebeten und stand seitdem im regelmäßigen fachlichen Austausch mit Experten des Landeszentrums Gesundheit NRW.

Insgesamt wurde das Coronavirus bislang bei 655 Menschen im Kreis Olpe nachgewiesen, 56 Infizierte sind gestorben. Drei Menschen in Kirchhundem und einer in Olpe sind aktuell noch infiziert.

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