Stellenabbau

Attendorn: Autozulieferer Sodecia streicht 100 Stellen

Der Automobilzulieferer Sodecia aus Attendorn wird in diesem Jahr rund 100 Stellen streichen.

Der Automobilzulieferer Sodecia aus Attendorn wird in diesem Jahr rund 100 Stellen streichen.

Foto: Flemming Krause

Attendorn.  Der Automobilzulieferer Sodecia baut an seinem Standort in Attendorn 100 Stellen ab. Dafür soll ein Sozialplan ausgearbeitet werden.

Die weltweit schwächelnde Konjunktur in der Automobilbranche macht vor den Toren der Hansestadt nicht Halt. Aktuellstes Beispiel ist die Firma Sodecia. Aufgrund der massiven Veränderungen im Automobilsektor, erklärt das portugiesische Unternehmen, das im Herbst 2016 die Firma Kemmerich übernahm, seien Anpassungen in der Organisationsstruktur notwendig geworden.

Mit anderen Worten: In diesem Jahr werden rund 100 Mitarbeiter den Automobilzulieferer, der in Attendorn unter anderem Gurthöhenversteller, Fahrwerkskomponenten und Modulquerträger fertigt, verlassen müssen. Das bestätigt Peter Neumann, Geschäftsführer am Standort in Attendorn, auf Nachfrage dieser Redaktion.

Betroffen sind vor allem Beschäftigte aus der Verwaltung, der Logistik, dem Werkzeugbau und der Instandhaltung. Insgesamt sind in der Hansestadt inklusive Zeitarbeitnehmer 650 Menschen beschäftigt.

Freiwilligenprogramm zum Stellenabbau gestartet

„In Attendorn arbeiten mehr indirekte als direkt operative Mitarbeiter. Das ist für kein Produktionsunternehmen gesund. Deshalb ist die Organisationsanpassung unser primärstes Ziel“, teilt Sodecia auf Anfrage mit. „Zudem unterliegen auch wir einem massiven Kostendruck seitens der Kunden und müssen produktiver werden.“

Bereits im vergangenen Jahr hatte das Unternehmen ein Programm für ein freiwilliges Ausscheiden auf den Weg gebracht – laut Angaben des Unternehmens samt eines attraktiven Abfindungspakets. „Der Prozess ist noch nicht ganz abgeschlossen. Wir gehen aktuell von etwa 35 Mitarbeitern aus, die dieses Programm in Anspruch nehmen werden.“

Bleibt eine Differenz von rund 65 bis 70 Mitarbeitern, die das Angebot nicht annehmen werden, aber trotzdem gehen müssen. Für genau diesen Fall hat das Unternehmen die zweite Stufe eingeläutet und die Ausarbeitung eines Sozialplans, der betriebsbedingte Kündigungen sozial verträglich gestalten soll, in Angriff genommen. „Ein Interessensausgleich wird zur Zeit verhandelt“, bestätigt Peter Neumann.

IG Metall in Gesprächen mit Geschäftsführung

Die Mitarbeiter seien bereits im Oktober auf einer Betriebsversammlung informiert worden. „Die Verhandlungen sind Mitte Januar gestartet.“ Mehr könne das Unternehmen zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen. Allerdings würden alle Maßnahmen für die Mitarbeiter transparent dargestellt und mit dem Betriebsrat sorgfältig diskutiert.

Dabei sei auch die IG Metall voll involviert. Das bestätigt André Arenz, Bevollmächtigter der IG Metall im Kreis Olpe, im Gespräch mit dieser Redaktion: „Wir sind derzeit in intensiven Gesprächen.“ Diese beinhalten vor allem, eine möglichst gute Lösung für alle Beteiligten zu vereinbaren. „Unser Ziel ist ganz klar: Wir wollen die Unsicherheit so gering wie möglich halten. Ganz zu vermeiden ist sie nicht, weil erstmal die Verhandlungen abgeschlossen werden müssen. Trotzdem werden wir uns bemühen, unnötige Sorgen zu vermeiden und wirklich betroffene Mitarbeiter rechtzeitig zu informieren“, so Dr. Peter Neumann.

Insbesondere gehe es darum, die seit Längerem brodelnde Gerüchteküche, die auch unsere Redaktion erreicht hat, einzudämmen. Dr. Peter Neumann: „Das schürt Unruhe und Angst.“

Kein Zusammenhang mit Übernahme

Dass die bevorstehenden Stelleneinsparungen mit der Übernahme der Firma Kemmerich aus dem Jahr 2016 zusammenhängen könnten, dem widerspricht Sodecia ausdrücklich. „Man könnte höchstens sagen, dass jetzt teilweise Korrekturen vorgenommen werden müssen, die schon viel früher angestanden hätten.“

Und weiter: „Es ist nicht möglich, ein Unternehmen von einem Tag auf den anderen für die Zukunft neu auszurichten und anzupassen. Das braucht einfach Zeit. Wir mussten die laufenden Geschäftsaktivitäten und die Entwicklung, die uns der internationale Automobilmarkt diktiert, aufnehmen, um das Unternehmen nachhaltig und profitabel aufzustellen.“ Dazu gehörten nun die rund 100 Stellenstreichungen.

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