Sparkassenstiftung

Alagie Abdou Ceesay: Von Gambia nach Attendorn zur Sparkasse

Robin Möwert, Leiter Vertriebssteuerung bei der Sparkasse ALK (links), mit Alagie Abdou Ceesay aus Gambia. Im Rahmen eines Entwicklungsprojektes lernt der junge Mann aus Gambia, wie er in seiner Heimat ein Risikomanagementsystem aufbauen kann.

Robin Möwert, Leiter Vertriebssteuerung bei der Sparkasse ALK (links), mit Alagie Abdou Ceesay aus Gambia. Im Rahmen eines Entwicklungsprojektes lernt der junge Mann aus Gambia, wie er in seiner Heimat ein Risikomanagementsystem aufbauen kann.

Foto: Flemming Krause / WP

Attendorn/Kreis Olpe.  Junger Mann aus Gambia lernt bei Sparkasse ALK, wie er in seiner Heimat ein Risikomanagementsystem aufbauen kann. Diesen Samstag geht’s zurück.

Alagie Abdou Ceesay lacht kurz auf. „Das ist eine gute Frage“, sagt der junge Mann aus Gambia und betont: „Es gibt viele Unterschiede zwischen meinem Heimatland und Deutschland. Der Größte liegt im Wetter. Bei uns ist es immer sehr warm, obwohl wir gerade Regenzeit haben.“ Wie aus der Pistole geschossen schiebt der 26-Jährige hinterher: „Aber hier hält man es auch aus.“

Kleinst-Kredite an Jungunternehmer

Auf den jungen Afrikaner prasseln seit seiner Ankunft in Attendorn am vergangenen Wochenende viele neue Eindrücke ein. Eindrücke, die er nutzen will, um in seiner Heimatstadt Serekunda am Atlantischen Ozean, in die er am Samstag zurückkehrt, ein Risikomanagementsystem aufzubauen. Denn Alagie Abdou Ceesay, der bei einer kleinen, noch sehr jungen Kreditgenossenschaft in seiner Heimat arbeitet, hat sich keineswegs auf die lange Reise ins Sauerland gemacht, um lediglich eine andere Kultur kennenzulernen.

Bei der Sparkasse ALK möchte er lernen, welche Risiken ein Kreditinstitut wie das seine eingeht, wenn dieses beispielsweise Kleinst-Kredite an Jungunternehmer aus Gambia vergibt. In einem bettelarmen Land, in dem es erst wenige Jahre eine Demokratie gibt. Und er möchte lernen, wie man diese Risiken einschätzen und minimieren kann.

„Dafür braucht es ein System, dass diese Gefahren erkennt. Denn so ein Kredit kann schnell mal ausfallen“, erklärt Robin Möwert aus Drolshagen, Leiter Vertriebssteuerung bei der Sparkasse in Attendorn. Der 42-Jährige leitet seinen Gast, der im Rahmen eines Entwicklungsprojektes der Sparkassenstiftung für internationale Kooperationen nach Attendorn gekommen ist, an und hilft ihm dabei, sein theoretisches Wissen in die Praxis umzusetzen. Denn von diesem Know-How, sagt Möwert voller Achtung, habe der junge Mann aus Gambia eine Menge. Immerhin weist der 26-Jährige, der in Marokko studierte, Masterabschlüsse in Finanzwissenschaften und Buchhaltung vor. „Er ist wahnsinnig gut qualifiziert. Alagie hat nur das Problem, dass er bislang nicht die Chance bekommen hat zu erfahren, wie er sein Wissen umsetzen kann“, sagt Möwert und er führt aus: „Wir arbeiten hier gemeinsam an unkomplizierten Lösungen, ohne dabei eines unserer deutschen Systeme eins zu eins nach Gambia zu tragen.“

Vergleichbare Situation

Am notwendigen Equipment, also beispielsweise an einem Computersystem, mangele es in dem afrikanischen Land nicht mehr. Die Voraussetzungen sind also geschaffen. Die Situation sei übrigens vergleichbar mit der in Deutschland vor mehr als 200 Jahren, erklärt Möwert. Denn damals wurden auch die Sparkassen in Deutschland gegründet, um Beziehern geringer Einkommen Zugang zu Finanzdienstleistungen zu verschaffen. Diese Zielgruppe bedient auch Alagie Abdou Ceesay, der in seiner Heimat bereits als Trainer arbeitet und sowohl seine Kollegen als auch seine Kunden im Kreditwesen fit machen möchtet. All diesen Aufwand nimmt der 26-Jährige aus einem extrem großen Eigenantrieb auf. Denn er sieht das große Ganze.

„In Gambia leben viele, vor allem junge Leute, die keinen Job haben und deshalb nach Europa aufbrechen wollen. Wir müssen alles daran setzen, dass sie in Afrika bleiben. Zum Beispiel, in dem wir sie finanziell beim Aufbau eines Start-Ups unterstützen.“

Gegenbesuch in Gambia

Für Robin Möwert, der im November zum Gegenbesuch nach Gambia fliegen wird, handelt es bei diesem Entwicklungsprojekt keineswegs um eine Einbahnstraße. „Wir lernen auch viel von Alagie. Er hilft uns dabei, wieder viel stärker auf den Kern eines Problems zu schauen.“ Probleme der Kreditgenossenschaften, die in Afrika an der Tagesordnung sind und in Deutschlands stark regulierten Banken mitunter in Vergessenheit geraten können.

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