Rallye

2. Sauerland-Klassik: Ende einer Dienstfahrt im Land Rover

Sauerland Klassik im Jaguar Land Rover (2017)
Video von Torsten Berninghaus

Das Wittgensteiner Land unter den Rädern. Unterwegs mit Jaguar Land Rover experience. Ein Video von Torsten Berninghaus

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Sauerland/Wittgenstein.  Eine kurze, letzte Etappe der 2. Sauerland Klassik. Bei Kilometer 7 gibt die Wasserpumpe des Land Rover auf. Mit dem Jaguar-Team geht es weiter.

Urban Priol hatte uns schon gewarnt: der Land Rover Baujahr 52 habe etwas Patina. Und tatsächlich sticht der Wagen, der vor mehr als einem halben Jahrhundert als Feuerwehr-Fahrzeug in Finnland in Dienst gestellt wurde, deutlich heraus aus der ansonsten chromblitzenden Flotte, die sich an diesem Samstag aufmacht auf die letzte Etappe der Sauerland Klassik.

Bundeswehr Oliv statt British Racing Green. Dag Rogge, Geschäftsführer von "Jaguar Land Rover Experience" hat das Fundstück erst letzte Woche über den TÜV gebracht. Technisch sei der Oldtimer, den der Comedian Urban Priol am Donnerstag auf der ersten Etappe dieser historischen Rundfahrt unter dem Hintern hatte, ok, aber eben weitgehend in einem originalen Zustand. Wie die Vokabel "weitgehend" zu deuten ist, werden wir gleich selbst erkunden.

Technische Einweisung

Während mein Bruder und Beifahrer Kai das 178 Seiten starke Roadbook in Empfang nimmt, beginnt für mich die technische Einweisung. NATO-Knochen umlegen, damit der Apparat Strom hat. Dann Zündung an, Choke ziehen, Startknopf drücken. Der Anlasser dreht, überraschend leicht erwachen die 52 PS des zwei Liter Motors zum Leben. Dass dieser Typ 1 gemacht wurde für schwieriges Gelände und gröbere Arbeitseinsätze, wird sofort klar.

Fahrersitz eine Stahlbank mit Kissen

Der Fahrersitz besteht aus einer kissenbeplankten Stahlbank, die sparsamen Armaturen und Schalter sind selbsterklärend. Kupplung treten. Der erste Gang rastet mit einem deutlich hörbaren Klacken ein. Ein Gas-Stoß und schon setzt sich unser Landy in Bewegung. Die erste viertel Umdrehung des schwimmring-großen Steuerrades geht sind Leere, dann aber reagiert die Lenkung. Hier ist der ganze Mann gefordert. Das Fahren wird zum Abenteuer - und ein riesiger Spaß.

Attendorn hat sich fein gemacht für die Sauerland Klassik. Der Starbogen steht mitten in der Innenstadt. Nach und nach rollen die Rallye-Teilnehmer heran. Die Karawane lebendig gewordener automobiler Geschichte formiert sich zur Wittgenstein-Etappe.

Und trotz der frühen Uhrzeit haben sich schon zahlreiche Schaulustige eingefunden. Es wird gestaunt, gefilmt und fachgesimpelt. Besonderen Respekt holen sich die Piloten der offenen Vorkriegsmodelle ab. Sie trotzen in Sturmhaube und gefütterter Kleidung dem Sauerländer Herbst schon seit zwei Tagen. Das schafft nur, wer Benzin in den Adern hat.

Auf zur Chinesen-Rallye

Und dann tickt unsere Uhr. Der Trippmaster ist genullt, das Raodbook mit den Chinesenzeichen, wie die Kreuzungsskizzen, die zur Orientierung dienen sollen, genannt werden, liegt griffbereit. Es geht los.

Sauerland Klassik im Jaguar Land Rover (2017)
Sauerland Klassik im Jaguar Land Rover
Video von Torsten Berninghaus

Erste Kreuzung gerade aus. An der nächsten Ampel links. Den Kreisverkehr verlassen wir an der ersten Ausfahrt. Nach und nach grooven wir uns ein. Die Heizung des Land Rovers bullert tapfer gegen die feuchte Kälte dieses Morgens an. Trotzdem bleibt die Steppjacke hoch geschlossen. Denn der Wind pfeift durch alle Ritzen. Zwischen Tür und Windschutzscheibenholm passt ein Finger. Gut, dass es nicht auch noch regnet.

2. Sauerland-Klassik rund um Attendorn
2. Sauerland-Klassik rund um Attendorn

Schon haben wir Attendorn im Rückspiegel. Vierter Gang, den Gas-Pinn voll durchgetreten. Unser Landy tut sich schwer. Dafür schafft der Lärm im Innenraum ein archaisches Gefühl automobiler Gründer-Jahre. Das macht Spaß!

Das Ende der Wasserpumpe

Und dann passiert es: Die ohnehin ohrenbetäubenden Fahrgeräusche erweitern sich um ein leichtes Pfeifen. Dann riechen wir schon das Kühlwasser und ziehen eine feine Rauchfahne hinter uns her. Auskuppeln, ausrollen, Motor abschalten. Als die massive Motorhaube mit dem Reserverad offen ist, sehen wir die Misere.

Die Wasserpumpe hat ihren Geist aufgegeben und speit die Reste der Kühlflüssigkeit auf den heißen Motor und in den Rinnstein. Weißer Rauch steigt auf. Der Landy mit der Startnummer 15 hat bei Kilometer 7 aufgegeben. Ende einer Dienstfahrt.

Die Sauerland-Klassik in Wittgenstein
Die Sauerland Klassik in Wittgenstein
Peter Kehrle / www.fotogeist.de

Da kann auch der Team-Mechaniker Harry Hemmann nichts mehr ausrichten. Eine Wasserpumpe hat das Team natürlich nicht dabei. Das Ersatzteil aber ist auf dem Markt zu bekommen. "Die meisten Teile für den Typ 1 gibt es noch. Und alles andere lässt sich mit ein bisschen Geschick anpassen ", erklärt Harry. Er ist entspannt. Pannen sind Teil des Geschäftes und gehören zu einer solchen Rundfahrt einfach dazu.

Herausgeputzte Dörfer

Und jetzt? Glück hat, wer bei Dag Rogge im Team fährt. Uns picken die Rallye-Profis Till Beckmann und Michael Bock mit einem Range Rover (1978) auf. Technisch ist das eine ganz andere Nummer, obwohl wir voll beladen in langgezogenen Kurven aufpassen müssen, dass wir nicht sinken. Der Wagen schwimmt wie eine Hafen-Barkasse. So schön schaukelt das Gerät uns durch das Land der tausend Berge, wo sich die Dörfer herausgeputzt haben und sie feiern, die wackeren Piloten und Copiloten der 2. Sauerland Klassik.

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