Toter in JVA Kleve: Gutachter schließt Unfall aus

Die Tür zur Zelle 143 in der Klever Justizvollzugsanstalt, in der Amad A. durch ein Feuer schwerst verletzt wurde und Tage später starb.

Die Tür zur Zelle 143 in der Klever Justizvollzugsanstalt, in der Amad A. durch ein Feuer schwerst verletzt wurde und Tage später starb.

Kleve/Krefeld.   Nach dem Tod eines Syrers in der JVA Kleve hat die Staatsanwaltschaft das Ergebnis eines Gutachters veröffentlicht. Unfall wird ausgeschlossen.

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Das Feuer, durch das der Syrer Amad A. am 17. September in einer Zelle der JVA Kleve zu Tode gekommen war, war von ihm selbst gelegt worden. Zu diesem Ergebnis kommt der Brand-Gutachter, der den Vorfall im Auftrag der Staatsanwaltschaft Krefeld untersucht hat. Das teilte die Krefelder Polizei am Dienstag mit.

Ein "Einschlafen mit Zigarette" als Ursache für den Brand, wird nach Einschätzung des Gutachters ausgeschlossen; die Verletzungen und die Wundheilung seien "völlig untypisch" für einen solchen Fall, heißt es in dem Bericht. Eine Fahrlässigkeit sei demnach "in höchstem Maße unwahrscheinlich".

Gutachter vermutet Suizid

Alle Zeichen deuteten vielmehr auf vorsätzliche Brandstiftung hin, "vermutlich in suizidaler Absicht", berichtete die Polizei über das Ergebnis des Gutachters: "Andere Verursachungsmöglichkeiten waren für den Sachverständigen nicht zu erkennen", heißt es in der Mitteilung. Der Gutachter habe damit das Ergebnis der polizeilichen Brandermittlungen bestätigt.

Das Feuer sei auf der unteren Fläche eines Etagenbettes in der Zelle entstanden, in dem Textilien, die in der Zelle lagen, aufgehäuft und angezündet worden waren. Womit der Brand entzündet wurde, habe der Sachverständige nicht festgestellt, teilte die Polizei mit: "Ein dafür geeignetes Feuerzeug wurde in der Zelle aufgefunden".

Amad A. wurde Opfer einer Verwechslung

Der anerkannte Flüchtling Amad A. war Anfang Juli in Geldern wegen angeblicher sexueller Belästigung festgenommen worden. Die Polizei hielt den Araber zunächst für einen gesuchten Vergewaltiger, dann für einen Kleinkriminellen aus Afrika, nach dem die Staatsanwaltschaft Hamburg fahndete. Die Verwechselung fiel über Wochen nicht auf, obwohl die Anstaltspsychologin Hinweise darauf erhalten hatte. Auch zur Suizidgefahr und Haftfähigkeit von Amad A. gab es widersprüchliche Einschätzungen.

Der Fall setzt NRW-Justizminister Peter Biesenbach (CDU) seit Wochen zu. Am Montag hatte er einen 60-seitigen Bericht vorgestellt. Demnach kam es im Zuge des Brandes auch in der JVA zu weiteren Verfehlungen. So hab Amad A. nach dem Brand über die Kommunikationsanlage der Zelle einen Hilferuf abgesetzt. Ein Justiz-Bediensteter habe diesen Hilferuf jedoch nach wenigen Sekunden 'weggedrückt'. Der Brand sei erst nach knapp 20 Minuten bemerkt und dann durch Justizkräfte gelöscht worden. Amad A. starb Tage später in einer Klinik an seinen schweren Verbrennungen.

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