Theater im Fluss

Theater im Fluss brachte Mord und Totschlag zum Jubiläum

Selina Koenen und Janis Krebbers proben für „Hamlet“ beim Theater im Fluss

Selina Koenen und Janis Krebbers proben für „Hamlet“ beim Theater im Fluss

Foto: Andreas Daams

Kleve.  Das Theater im Fluss feiert sein 25-jähriges Bestehen. Drei große Stücke erleben eine frische Wiederaufführung.

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Manchmal gibt es Probleme, deren Lösung misslingt. Das Ergebnis kann, je nach Sichtweise, ein Drama oder eine Komödie sein. Hamlet hat so ein Problem. Sein Vater ist tot, vergiftet von Hamlets Onkel, der dessen Mutter heiratet und auf diese Weise König wird. Vergiftet sind die Beziehungen der Verwandten, vergiftet ist die Liebe zwischen Ophelia und Hamlet, vergiftet die Zukunft.

Das ist, wie man früher sagte, starker Tobak. Und immer wieder schön anzusehen. Das Theater im Fluss hat 2006 den Hamlet aufgeführt, und zwar in einer sensationellen Inszenierung. Jetzt, zum Silberjubiläum des Theaters, greift Regisseur Harald Kleinecke das Stück noch einmal auf. Mit neuen Jugendlichen, mit neuen Schwerpunkten und neuen Bildern. „Ich habe viel mit Stimmgestaltung und Bewegungsformen gearbeitet“, verrät Kleinecke. Man darf gespannt sein, wenn es das Stück ab dem 22. Juni im eigenen Theater an der Ackerstraße und am 8. Juli dann im Innenhof der Schwanenburg gibt. Manchmal sind Jubiläen wirklich schön, weil man auch als Unbeteiligter etwas davon hat: Man kann sich das Stück anschauen.

Das wichtigste Stück ist immer das nächste

„Das wichtigste Stück ist immer das, das als nächstes ansteht“, sagt Kleinecke. Im September bringt er „Don Juan kommt aus dem Krieg“ von Ödon von Horvath auf die Bühne – das erste Stück, dass er auf Klever Boden inszenierte. 18 Jahre ist das her, damals in Kooperation mit der VHS. Angefangen hat das Theater im Ruhrgebiet vor genau 25 Jahren, und zwar mit dem Stück „Unter dem Milchwald“ von Dylan Thomas. „Ein fantastisches Stück“, schwärmt Kleinecke. Grund genug für ein Wiedersehen: Das Ensemble des Theaters im Fluss wird das Stück im September aufführen.

Längst gehört das Theater zu den festen Größen in Kleve, und es wird vermutlich einige Jugendliche geben, für die die Stadt überhaupt nur dadurch erträglich ist. Manche haben in der Talentschmiede ihre Berufung entdeckt und studieren nun an Schauspielschulen. Für andere ist das Theater in Sachen Persönlichkeitsentwicklung ungleich wichtiger als die Schule. „Es hat mir Halt in der Pubertät gegeben und mich dazu gebracht, mich kreativ auszuleben“, sagt die Psychologie-Studentin Selina Koenen. Annika Ramcke (19) ergänzt: „Ich war ein kleines graues Mäuschen, jetzt habe ich volle Präsenz.“ Und das, weil ihre Mutter sie zu einem einwöchigen Ferienkurs mit Theater im Fluss auf dem Wolfsberg angemeldet hatte – gegen ihren Willen. Seither ist sie voller Begeisterung dabei geblieben.

Offenes Podium

Yannis van Soest ist inzwischen im Vorstand des Vereins aktiv: „Viele Freunde sind durch das Theater hinzugekommen.“ Und Janis Krebbers (18) wird hier demnächst sein freiwilliges soziales Jahr machen: „Man merkt über die Jahre, wie man selbstbewusster wird.“

Eine offizielle Feierstunde wird es nicht geben. Stattdessen ein offenes Podium: Am 5. Oktober kreist alles um das Thema „Theater im Fluss“. Wie man die Leute im Dunstkreis des Theaters kennt, dürfte auch das ein inspirierender Abend werden.

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