Landgericht

Prozess gegen Einbruchsbande vor dem Landgericht Kleve

Im großen Schwurgerichtssaal des Landgerichts Kleve wird verhandelt.

Foto: Niklas Preuten

Im großen Schwurgerichtssaal des Landgerichts Kleve wird verhandelt. Foto: Niklas Preuten

Kleve.   In einem Prozess vor dem Landgericht müssen sich drei Angeklagte für eine Serie von Einbrüchen in Kleve und Bedburg-Hau verantworten.

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Langsam fräst sich der Bohrer in den Türrahmen, Holzspäne fallen auf den kalten Beton. Es ist längst Nacht, als sich die Einbrecher an ihr Werk machen. Drinnen schlafen nichts ahnend die Hausbewohner. Die Täter müssen schwitzen, nicht nur wegen der Angst, entdeckt zu werden. „Das ist harte Handarbeit“, sagte der Kriminalbeamte, der als Leiter der Ermittlungskommission „Wohnung“ die Techniken der Einbrecher genau kennt.

Vor dem Landgericht Kleve wird derzeit die Serie von Wohnungseinbrüchen in Kleve und Bedburg-Hau im vergangenen Winter verhandelt. Auf der Anklagebank sitzen drei Albaner, denen die Staatsanwaltschaft schweren Bandendiebstahl in zehn Fällen – viermal davon blieb es beim Versuch – im Dezember 2016 und Januar 2017 vorwirft. Zum Prozessauftakt hatte einer der Männer alle zehn Einbrüche zugegeben, die anderen beiden hatten nur eine Beteiligung an drei bzw. zwei Taten eingeräumt.

„Nach meiner Erfahrung ist immer mindestens noch eine weitere Person dabei“, antwortete der Polizist nun am dritten Verhandlungstag im Zeugenstand auf eine Frage des Vorsitzenden Richters Jürgen Ruby. „Bei diesen Banden stehen die Mitglieder Schmiere und geben sich gegenseitig Unterstützung bei der Arbeit.“

Bilder einer Überwachungskamera

Eine Überwachungskamera an einem Klever Haus hatte das Trio aufgezeichnet, das offensichtlich stets nach dem gleichen Muster vorging: In Türen oder Fenster bohrten die Männer Löcher, steckten einen Draht hindurch und drückten von innen die Klinke herunter. In den sechs Fällen, in denen sie in Häuser eingedrungen, sollen sie Bargeld und Wertgegenstände im Gesamtwert von mehr als 5000 Euro erbeutet und einen Sachschaden in gleicher Höhe verursacht haben.

Die Bilder der Kamera hatten letztlich auch zur Festnahme der Männer Ende Januar in einer Flüchtlingsunterkunft in Griethausen geführt. „Sie waren kooperativ“, bestätigten die beiden Polizisten, die die Tatverdächtigen auf ihrer Streife aufgegriffen hatten. Typische Beutestücke wie Schmuck oder Geld fanden sie bei ihnen nicht.

Eindeutige DNA-Spuren

Auch der dritte Verhandlungstag brachte keine klaren Beweise, dass neben dem Geständigen die beiden anderen Angeklagten bei mehr als den zugegebenen Einbrüchen mithalfen. Ein Sachverständiger erläuterte die Ergebnisse verschiedener Gutachten, die eindeutige DNA-Spuren des einen Mannes an den Tatorten nachweisen. Für die zwei anderen fehlen diese zweifelsfreien Belege. Die Polizei wertete nach der Festnahme zudem die Handys der Angeklagten aus und sichtete die auf Servern gespeicherten Informationen. Ortungsdaten, die auf weitere Tatbeteiligungen hinweisen könnten, entdeckte sie dabei jedoch nicht.

Auffällig sei allerdings gewesen, dass nach der Festnahme die Einbruchsserie schlagartig aufgehört habe, sagte der Leiter der Ermittlungskommission. Er zitierte eine Auswertung von Wohnungseinbrüchen zwischen Oktober 2016 und Februar 2017, die 192 Fälle in ganz Nordrhein-Westfalen verzeichnet: „Der Klever Raum nimmt darin eine Insellage ein.“

Der Prozess wird am Mittwoch, 15. November, fortgesetzt. Dann soll auch das Urteil gesprochen werden.

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