Museum Schloss Moyland

Museum Schloss Moyland zeigt Ausstellung Die zweite Haut

Ausstellung Die zweite Haut im Museum Schloss Moyland. Arbeit von Deborah Sengl

Foto: Claudia Gronewald

Ausstellung Die zweite Haut im Museum Schloss Moyland. Arbeit von Deborah Sengl Foto: Claudia Gronewald

Bedburg-Hau.   Museum Schloss Moyland zeigt „Die zweite Haut“, eine vielschichtige Ausstellung, die beeindruckt und befremdet zugleich.

Die Haut ist wohl das vielseitigste Organ des menschlichen, aber auch des tierischen Organismus. Sie dient der Abgrenzung von Innen und Außen, bietet dem Körper Schutz vor Umwelteinflüssen, sie ist aber auch verantwortlich für die Wirkung, die Menschen auf andere haben. Wenn nun eine Ausstellung im Museum Schloss Moyland den Titel „Die zweite Haut“ trägt, geht es primär zwar nicht um die buchstäblich nackte Haut, sondern die Hülle, unter der sie für gewöhnlich verborgen und geschützt wird. Dennoch ist sie stets präsent oder sogar ganz konkret sichtbar. Die Moyländer laden für heute, 18 Uhr, zur Eröffnung einer spannenden, vielschichtigen Präsentation.

21 überwiegend weibliche Künstler setzen sich mit sehr unterschiedlichen Formen der Verhüllung und Bekleidung auseinander. Dafür verwenden sie Naturmaterialien wie Gräser, Holz oder Blüten, sie integrieren Schmetterlinge, Insekten, Spinnen oder Quallen, verarbeiten menschliche Haare oder eben Haut von Tieren wie von Menschen in Objekten oder Fotografien.

Eine Handtasche aus Weidenkätzchen

So schuf Anni Rapinoja Pumps und eine Handtasche aus Weidenkätzchenblüten und Heidelbeerblättern. Mit einem Zweigenkranz schmückte das Künstlerduo Karoline Hjorth/Riitta Ikonen eine alte Frau, hüllte einen alten Mann nahezu vollständig in ein Strohgewand. Licht und schwerelos wirkt das Graskleid von Ulla Reis oder „Beinkleid“ und „Leibbinde“,die Bettina Zachow aus ihren eigenen Haaren herstellte. Fast mit ihrer natürlichen Umgebung verschmelzen Menschen, die im Schnee eine weiße Hose tragen und weil im Hintergrund ein Nadelwald steht eine nadelbaumgrüne Jacke. Faszinierend ist der strandsandfarbene Rock, den die junge Frau zum Gischt-weißen T-Shirt und der meerblauen Bluse trägt. Fast scheint sie im Bild von Wilma Hurskainen zu verschwinden.

Auf die Spitze getrieben hat Alba d’Urbano die Idee von der zweiten Haut. Sie hat sich selbst nackt fotografiert, um ihren Körper anschließend auf Kleidungsstücke zu drucken. Diese ‘Haut’ Couture dann auch zu tragen erfordert allerdings etwas Mut. Schließlich sind Brüste oder Schambehaarung ebenso zu sehen wie die sicher harmlosere Armbanduhr.

Kleidungsstücke erzählen Geschichten

„Es sind teils träumerische Arbeiten von poetischer Wirkung“, findet Kurator Dr. Alexander Grönert. Die Ausstellung hinterlasse ein positives Gefühl. Aber eben nicht nur: Sie hinterlässt auch ein ungutes, beklemmendes Gefühl und lässt Kleidungsstücke Geschichten erzählen.

Die drei leeren und von der Decke baumelnden Kleidungsstücke von Esther Glück machen nur auf den ersten Blick einen harmlosen Eindruck. Mit ihnen will die Künstlerin allerdings an das Schicksal der Textilunternehmer Arthur und Benno Arnold und dessen Frau Anna erinnern. Sie alle wurden von den Nazis in Theresienstadt ermordet. Eine Arbeit, die vor allem unter die Haut geht.

Die Idee und das Konzept zur Ausstellung sind vom Museum Sinclair-Haus in Bad Homburg entwickelt worden.

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