Fridays for Future

Klever Eltern und Lehrkräfte verteidigen Schüler-Demos

Klever Schüler*innen demonstrierten mal vormittags, mal nachmittags und betonten, dass es Ihnen nicht um Unterrichtschwänzen, sondern um die Sache geht.

Klever Schüler*innen demonstrierten mal vormittags, mal nachmittags und betonten, dass es Ihnen nicht um Unterrichtschwänzen, sondern um die Sache geht.

Foto: Privat / NRZ

Kleve.   Kollegium und Elternschaft der Gesamtschule am Forstgarten schreiben an Ministerin: „Wer erst alles verstehen will, wird zu spät dran sein“.

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Einen offenen Brief schreiben das Kollegium und die Elternschaft der Gesamtschule am Forstgarten Kleve an die Landes-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP), die die Schulen aufgefordert hatte, Schüler-Teilnahme an Demos „Fridays for Future“ als Fehlverhalten zu ahnden. „Wir möchten deutlich machen, wie schwer es für uns ist, glaubwürdig zu bleiben in unserem pädagogischen Handeln, wenn wir Ihre Verordnungen zum Umgang mit SchülerInnen, die an den Streiks ’Fridays for Future’ teilnehmen, beachten“, beklagen die Klever Absender.

Schule will umzusetzen, wozu sich Deutschland in der Agenda 2030 verpflichtet hat

„Wir versuchen an unserer Schule umzusetzen, wozu sich Deutschland in der Agenda 2030 im internationalen Kontext verpflichtet hat und was seit 2017 im Nationalen Aktionsplan Bildung für Nachhaltige Entwicklung als gemeinschaftliche Aufgabe von Politik und Zivilgesellschaft definiert ist.“ Dass Kleve als eine der ersten Kommunen den ‘Klimanotstand’ ausgerufen hat, freue die Schulgemeinschaft.

Global-Ziele für nachhaltige Entwicklung der UNO sind zentrale Säule im Schulprogramm

Als Netzwerkschule „Schulen im Aufbruch“ verfolge die Gesamtschule am Forstgarten in zahlreichen Projekten und Aktionen die 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung der UNO (Global Goals). „Dies ist eine zentrale Säule in unserem Schulprogramm. Handlungsorientierung, Orientierung an Problemstellungen aus der Lebenswirklichkeit der Schüler*innen und gemeinsames Handeln sind uns als Teamschule wichtig. Nur so können wir erreichen, was eine moderne Arbeitswelt von unseren Absolventen verlangt: problemlösendes Arbeiten im Team.“ Der Unterricht und das gesamte Schulleben seien geprägt von dieser Haltung der Verantwortung für ein nachhaltiges und friedliches Zusammenleben.

Die Gesamtschüler-Teams arbeiten hier im höchsten Maße kreativ, innovativ und aktiv

„In Projekten erforschen die Jugendlichen die naturwissenschaftlichen und gesellschaftlichen Zusammenhänge und wir leiten sie dazu an, Probleme, die sie erkannt haben, nicht nur in Klassenarbeiten schlüssig darzulegen, sondern mit ihrer Verantwortung ernst zu machen und zu handeln, wo immer das möglich ist. In jedem Jahr pflanzen wir gemeinsam mit niederländischen Schulen hunderte Bäume in lokalen Naherholungsgebieten, wir pflegen einen großen Schulgarten und unsere Schulimkerei. Wir engagieren uns in städtischen Aktionen zur Artenvielfalt und versuchen aktiv in unsere direkte Schulumgebung und Stadt hinein zu wirken. Unsere Gruppe ‘Schüler knüpfen ein Umweltnetzwerk’ ist preisgekrönt und trägt erheblich dazu bei, Plastikmüll zu vermeiden. Unsere Gruppe ‘Bikepower’ ermöglicht es, Handys nebenbei mit dem Fahrrad aufzuladen. Unsere Teams arbeiten hier im höchsten Maße kreativ, innovativ und aktiv.“

„Mündig wird man nicht plötzlich am Ende seiner Schulzeit, sondern Stück für Stück“

„Bei all dem achten wir auf ein ausgewogenes Verhältnis von Wissen und Handeln.“ Die Eltern und Lehrkräfte argumentieren: „Wer die Dinge nicht ausreichend verstanden hat, läuft Gefahr, populistischen Thesen hinterherzulaufen. Aber wer erst alles verstehen will, wird zu spät dran sein, wenn es darum geht, das Ruder auf unserem Planeten herumzureißen. Mündig ist man nicht plötzlich am Ende seiner Schulzeit – so unsere Auffassung -, sondern mündig wird man Stück für Stück, indem man mehr und mehr Verantwortung übernimmt für das eigene Leben und das seiner Mit- und Umwelt.“

Schüler tun genau das, was Ziel der pädagogischen Bemühungen ist

Wenn nun Teile der Schülerschaft zu der Ansicht gelangten, „dass es Zeit ist, deutliche Zeichen zu setzen, damit die Politik auf die Warnungen aller ernstzunehmenden WissenschaftlerInnen hört und die Reduzierung der Treibhausgase zu einem ihrer obersten Ziele macht, und wenn sie dabei auch Formen ausprobieren und nutzen, die effektiv sind, gerade weil sie ‘business as usual stören, tun sie eigentlich genau das, was wir uns grundsätzlich als Ziel unserer pädagogischen Bemühungen wünschen: Sie nehmen ihre gesellschaftliche Verantwortung ernst und nutzen den Wirkraum, den sie als junge Menschen haben, um die Aufmerksamkeit für ihre Anliegen zu erhalten.

Die meisten Schüler arbeiten gewissenhaft nach, was sie im Unterricht verpasst haben

Sicherlich mag unter den Streikenden auch der ein oder die andere sein, der/die die Aktion nutzt, um sich vor Schule zu drücken. Aber der Großteil derer, die zu den Demonstrationen gehen, wägt sehr gewissenhaft ab, geht demonstrieren und arbeitet bereitwillig nach, was in der Zeit an Unterricht versäumt wurde.

Wir meinen, dass es für eine demokratische, freie, gerechte Gesellschaft, die ihre eigenen Lebensgrundlagen schont, von großer Bedeutung ist, Schulen zu haben, in denen junge Menschen in diesem Sinne zu mündigen und verantwortungsbewussten BürgerInnen heranwachsen können.“

Die Absender erklären der Ministerin: „In Ihrem Schreiben vom 13.02.2019 erinnern Sie uns ausschließlich an unsere Aufgabe, den SchülerInnen ihre Schulpflicht bewusst zu machen und diesbezügliches Fehlverhalten zu ahnden. Das beachten wir. Unser vorrangiges Anliegen bleibt aber, dem viel weitreichenderen pädagogischen und gesellschaftlichen Auftrag im oben dargestellten Sinne gerecht zu werden“, schreiben die Eltern und Lehrkräfte.

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