Kommunale Bildung

Kleve: Ruffmann hat als Chef die VHS geprägt

Thomas Ruffmann nimmt bei der VHS seinen Abschied und will sich künftig noch stärker im Verein Haus Mifgash engagieren.

Thomas Ruffmann nimmt bei der VHS seinen Abschied und will sich künftig noch stärker im Verein Haus Mifgash engagieren.

Foto: Markus van Offern

Kleve.  Thomas Ruffmann nimmt nach 35 Jahren seinen Abschied von der Volkshochschule in Kleve. Der 65-Jährige übergibt an Aija Samina-Edelhoff.

Wer mit Thomas Ruffmann über seine 35-jährige Dienstzeit an der Volkshochschule Kleve sprechen will, sollte Zeit mitbringen. Der 65-Jährige hat eine Menge zu erzählen – über seine politische Sturm-und-Drang-Periode, die Entwicklung der Erwachsenenbildung oder seine Zeit nach der Pensionierung. Vor wenigen Wochen übergab Ruffmann die Leitung des Fachbereichs „Mensch, Gesellschaft, Politik, Persönlichkeit, Entspannung, Kunst und Kultur“ an seine Nachfolgerin, die 39-Jährige Aija Samina-Edelhoff. „Ich bin sicher, dass sie alle Qualitäten mitbringt, die es für diese Stelle braucht: eine große Offenheit, Neugier und Interesse an Menschen. Sie wird in den nächsten Jahren sicher viele Akzente setzen. So gehe ich leichten Herzens.“

An Uni Bielefeld und in London studiert

An der Universität Bielefeld und in London studierte der in Erlangen aufgewachsene Ruffmann von 1975 bis 1982 Geschichte und Sozialwissenschaften – und engagierte sich in der evangelischen Studentengemeinde. Besonderes Interesse entwickelte er an den politischen Verhältnissen und der Geschichte Südamerikas. „Ich war damals ein großer Kuba-Fan“, blickt Ruffmann zurück. Von Deutschland aus klärte er ab 1978 mit Studienkollegen bei Demonstrationen etwa über die Militärdiktatur in Argentinien auf. „Für meine politische Sozialisation war die Befreiungstheorie aus Südamerika prägend“, sagt Ruffmann.

Doch als Lehrer drohte ihm zunächst die Arbeitslosigkeit. Nach seinem Referendariat am Konrad-Adenauer-Gymnasium trat er daher 1985 die Stelle als Hauptberuflicher Pädagogischer Mitarbeiter an der Volkshochschule in Kleve an, die damals noch im Haus Dorsemagen beheimatet war. An die Schule kehrte er nie zurück. „Zwar fand ich das Leben in Kleve irgendwie zu eng. Mich haben damals aber schon zwei Dinge an der Stadt fasziniert: die Natur, speziell in der Düffel, und die Nähe zu den Niederlanden“, sagt der 65-Jährige, der mit seiner Frau in Keeken wohnt. Die Stelle an der VHS habe ihm die Möglichkeit beschert, so viel zu lernen, wie es ihm sonst wohl nirgends möglich gewesen sei. „In meinem Fachbereich politische und kulturelle Bildung habe ich in den dreieinhalb Jahrzehnten unglaublich viele Menschen und Themen kennengelernt“, sagt der Pädagoge.

Das Angebot war geprägt vom Fremdsprachenbereich und der Alphabetisierung

Als Ruffmann seinen Werdegang an der Volkshochschule begann, war das Angebot geprägt vom Fremdsprachenbereich, dem zweiten Bildungsweg und der Alphabetisierung. „Kleve ist schon damals ein spannender Ort gewesen, da das kulturelle Leben sehr viel ausgeprägter war als in vergleichbaren Städten. Das ist bis heute der Fall“, sagt Ruffmann, der 1994 den Umzug der VHS an die Hagsche Poort begleitete. Bis heute hat die Bildungseinrichtung dort ihren Sitz – wenngleich das Gebäude in die Jahre gekommen ist. Die Sanierung steht auf der Agenda der Stadt.

In der politischen Bildung habe er immer eine große gestalterische Freiheit gespürt. „In politischen Diskussionen, von denen in den vergangenen Jahrzehnten unzählige an der VHS stattgefunden haben, wollte ich immer die Rolle als Moderator des Bildungsprozesses einnehmen, der sich von den Teilnehmerinteressen lenken lässt“, sagt Ruffmann. Kriegerische Auseinandersetzungen, Kapitalismus-Kritik, die Klever Stadtgestaltung – an Themenarmut litt die Volkshochschule unter Ruffmann nie.

Ruffmann hat den musikalisch-tänzerischen Bereich ausgebaut

Auch den musikalisch-tänzerischen Bereich baute er unentwegt aus. „Menschen sollen und wollen im Leben nicht nur Lesen und Schreiben lernen. Es braucht mehr, nämlich auch eine künstlerische Ausbildung“, sagt Ruffmann. So können Teilnehmer heute Kurse zur Malerei, Holzbearbeitung oder Drucktechnik besuchen.

Ruffmanns Interesse für fremde Menschen und Kulturen prägte die Volkshochschule ebenfalls nachhaltig. „Fremd genug waren vielen Klevern die Niederlande“, sagt der Keekener. So organisierte er Tagesreisen, Veranstaltungen oder Fahrradseminare ins Nachbarland. 2014 dann folgte die Flüchtlingswelle – und Ruffmann entdeckte seine Begeisterung für das Fremde völlig neu. Die VHS beteiligte sich an Netzwerken und runden Tischen zur Arbeit mit Migranten, der Fachbereichsleiter moderierte die Integrationslotsenkurse. „Ich wollte vermitteln, dass Integration deutlich mehr ist als das Lernen der deutschen Sprache“, sagt Ruffmann. Und dennoch spiele eben jenes Angebot, nämlich Deutsch als Fremdsprache, heute eine große Rolle an der VHS. 1000 Migranten lernen dort aktuell Deutsch.

Eine feste und treue Stammbelegschaft

Auch nach der Pensionierung wolle er den seit den 90er-Jahren existierenden Geschichtskurs leiten. „Die Gruppe umfasst eine feste und treue Stammbelegschaft, die teilweise schon seit 20 Jahren dabei ist. Ich wollte aufhören, doch sie haben mich noch einmal vom Weitermachen überzeugt. Schwarzafrika wird unser nächstes großes Thema“, sagt Ruffmann. Der Geschichtskurs habe ihn in den vergangenen Jahren „intellektuell am Leben gehalten“. Diesen wolle er fortsetzen. Gleiches gelte für sein Engagement im Verein Haus Mifgash. „Mein Dank gilt den Kollegen im VHS-Team, vor allem den Dozenten. Fast alles, was ich heute kann, habe ich mit ihnen gelernt.“

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