Kultur

Kenntnisreich und üppig illustriert

Die Hand Goltzius'. Der berühmte Zeichner hat sich schon im Kindesalter die Hand verbrannt.

Foto: Repro: Andreas Gebbink

Die Hand Goltzius'. Der berühmte Zeichner hat sich schon im Kindesalter die Hand verbrannt. Foto: Repro: Andreas Gebbink

Kleve.   Zur aktuellen Ausstellung Hendrick Goltzius und Pia Fries im Museum Kurhaus Kleve ist ein umfangreicher Katalog erschienen

„Das ist ein Buch, das jeder Klever in seinem Schrank haben sollte.“ Das forderte ganz selbstbewusst Museumsleiter Prof. Harald Kunde, der bei der Vorstellung der aktuellen Ausstellung „Hendrick Goltzius und Pia Fries: Proteus und Polymorphia“ im Museum Kurhaus Kleve auch den umfangreichen und reich bebilderten Katalog zur Schau präsentierte.

Auf fast 300 Seiten wird kenntnisreich und informativ in das Werk des großen Kupferstechers, Grafikers und Malers eingeführt, dessen Todestag sich in diesem Jahr zum 400. Mal jährt. Spannend ist die wie in der Ausstellung auch im Katalog vollzogene Gegenüberstellung von Goltzius mit der zeitgenössischen und international renommierten Schweizer Künstlerin Pia Fries. In der Publikation schlägt sich das nicht nur inhaltlich, sondern auch in der Wahl unterschiedlichen Papiers nieder. Schon die Titelseite führt darüber hinaus beide Künstler zusammen.

Der üppig illustrierte Katalog mit einem Vorwort von Harald Kunde nimmt den Leser mit auf eine Reise in die Zeit des Künstlers, der bereits zu Lebzeiten für seine technische Brillanz und Virtuosität gerühmt wurde. Ein besonderer Glücksfall für Kleve ist es, dass ein großer Teil der jetzt ausgestellten Bilder im Besitz der Stadt Kleve ist.

Zurückzuführen ist das auf den Ankauf der Sammlung Angerhausen 1982, um die sich unter anderem der langjährige Museumsleiter Guido de Werd erfolgreich bemüht hatte. Darin befanden sich rund 200 Kupferstiche, die nun den Grundstock für die Ausstellung bilden. „Das Buch“, so sagt Museumsmitarbeiterin Valentina Vlasic, „zeugt von der Besessenheit des Sammlers Robert Angerhausen, der über Jahre die Kupferstiche zusammengetragen hat.“ Mit der Ausstellung wird dieser Bestand im übrigen erstmals gezeigt.

Valentina Vlasic, die auch Kuratorin der Ausstellung ist, setzt in ihrem Beitrag zum Katalog Hendrick Goltzius und Pia Fries in einen kunsthistorischen Kontext, stellt das Leben des Künstlers als gebürtigen Niederrheiner vor und führt in seine Arbeit ein. Die Historikerin Eva-Maria Willemsen skizziert den Aufstieg Goltzius’ zum besten Kupferstecher der Niederlande (um 1577) und stellt ihn als geschickten Geschäftsmann vor. Guido de Werd erzählt die spannende Geschichte des Erwerbs der Sammlung Angerhausen und wie es sich ergab, dass Goltzius und sein Urgroßvater überhaupt nach Kleve gelangten.

Zur Malerei von Pia Fries schreibt der freie Berliner Kurator Ory Dessau. „Fries’ aktuelle Werkgruppe“, schreibt der Autor, „verstärkt die unlösbare Spannung zwischen dem ‘Hier und Jetzt’ des malerischen Aktes und dem ‘Dort und Damals’ der Kunstgeschichte.“

Nach Themenschwerpunkten geordnet werden im weiteren die Werke des Kupferstechers in Wort und Bild vorgestellt und erläutert. Der Katalog kostet 34 Euro für Mitglieder des Freundeskreises, ansonsten wird er zum Preis von 36 Euro im Museumsladen verkauft.

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