Betrugsverdacht

Kalkar: Polizei durchsucht Galerie wegen falscher Kunst

In Kalkar gab es am Freitag einen Polizeieinsatz in einer Galerie.

In Kalkar gab es am Freitag einen Polizeieinsatz in einer Galerie.

Foto: Markus Joosten

Kalkar.  Wegen des Verdachts des Betrugs und Urheberrechtsverletzung gab es Razzien in Kalkar. Der ehemalige Galerist bestreitet den Vorwurf.

Polizei und Staatsanwaltschaft haben am Freitagmorgen um 8 Uhr eine Galerie und zwei Ateliers in Kalkar durchsucht. Auch suchten die Beamten Wohnungen in Goch und Mülheim auf. Gegen die Betreiber der Galerie besteht nach Aussagen der Staatsanwaltschaft Kleve der Verdacht des gewerbsmäßigen Betrugs und der Urheberrechtsverletzung.

Vorwurf der Fälschung

Den Beschuldigten wird vorgeworfen, in großem Stil gefälschte Kunstwerke des namhaften Düsseldorfer Künstlers Markus Lüpertz in Umlauf gebracht zu haben. Sie sollen an eine Galerie in Süddeutschland verkauft worden sein. Der Betreiber der geschädigten Galerie bestätigte der NRZ den Betrugsfall. Es gehe um 25 bis 30 Gouachen (Aquarellfarbe/Ölfarbe) auf Papier. In der Kalkarer Galerie habe man auch ein Echtheitszertifikat erhalten, so der 70-Jährige. Der entstandene Schaden liege bei über 100.000 Euro.

Aufgeflogen waren die mutmaßlichen Fälschungen dadurch, dass der Künstler Lüpertz die Exponate auf der Homepage der Galerie im Großraum München entdeckt hatte, so Staatsanwalt Günter Neifer. „Er hatte uns dann im August 2019 angerufen und darauf hingewiesen, dass die gezeigten Werke nicht von ihm seien“, beschreibt der Galerist aus Süddeutschland der NRZ. Daraufhin hätten sowohl der Künstler als auch das Galeristen-Ehepaar eine Strafanzeige gestellt. Die Durchsuchung in Kalkar hätte eigentlich schon viel früher erfolgen sollen.

100 bis 200 Objekte sichergestellt

Am Freitag war es dann soweit. Die Maßnahmen dienten der Auffindung von Beweisen sowie Vermögenswerten, um die aus den Straftaten erlangten Gewinne wieder zu entziehen, so die Staatsanwaltschaft Kleve. Insgesamt seien zwischen 100 und 200 Objekte beschlagnahmt worden. Diese werden jetzt durch einen Sachverständigen geprüft. Staatsanwaltssprecher Günter Neifer teilte mit, dass auch der Verdacht bestehe, dass es bei Werken von Magritte und Modigliani zu einer Urheberrechtsverletzung bzw. zu einer unerlaubten Vervielfältigung gekommen sei.

Der süddeutsche Galerist gibt an, dass die Geschäftsbeziehung zur Galerie am Markt seit 2016 bestanden habe. Für den Ankauf der Lüpertz-Werke sei er persönlich vor Ort in Kalkar gewesen. Er selbst kenne noch zwei weitere Galerien, die möglicherweise geschädigt wurden. Diesen Verdacht bestätigte auch die Staatsanwaltschaft.

Geschockt von den Vorwürfen

Nach Aussagen des ehemaligen Galerie-Betreibers in Kalkar seien die Anschuldigungen „aus der Luft gegriffen“. Er wundert sich sehr, „dass die Staatsanwaltschaft eine entsprechende Presseerklärung abgegeben hat“. Am Freitag gab der Galerist gegenüber der NRZ an, dass er geschockt über die Vorwürfe sei: „Das ist ja auch rufschädigend. Die überziehen vollkommen.“

Genauere Details zu den Vorwürfen konnte er gegenüber der NRZ noch nicht nennen, da er nicht wisse, um welche Werke es sich genau handeln soll. Er habe ein enges Verhältnis zu Markus Lüpertz, der in Kalkar 2015 auch schon ausgestellt habe. Lüpertz selbst habe das Vorwort zu einem Ausstellungskatalog geschrieben. Bei verkauften Lüpertz-Werken habe er dann selbstverständlich ein Echtheitszertifikat ausgestellt.

„Das sind ganz normale Prints“

Der Galerist bestätigt, dass er auch Werke von Lüpertz angekauft habe. Zum Vorwurf, Magritte und Modigliani-Werke vervielfältigt zu haben, sagt er: „Das sind ganz normale Prints und nicht signiert. Die wurden auch nicht als Originale angeboten. Das sind legitime Reproduktionen.“

Er werde jetzt seinerseits Fachanwälte einschalten, um sich zu verteidigen.

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