Kultur

Interreligiöses Theater in der Stadthalle Kleve

Zeha Schmidtke, Farhad Payar, Jalda Rebling und Paula Sell.

Foto: Andreas Daams

Zeha Schmidtke, Farhad Payar, Jalda Rebling und Paula Sell. Foto: Andreas Daams

Kleve.   Das Stück „Jehoshua ben Joseph“ in der Klever Stadthalle zeigte die kleinen Unterschiede in jüdischen, christlichen und muslimischen Geschichten.

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Ein richtiges Theaterstück war es eigentlich gar nicht, „Jehoshua ben Joseph“, das die Jüdin Jela Rebling, der Muslim Farhad Payar und die beiden eher atheistischen Paula Sell und Zeha Schmidtke auf die Bühne der Stadthalle gebracht hatten. Eher eine Art improvisierte Unterhaltung mit szenischen Elementen, begleitet von Akkordeon oder Schlaginstrumenten.

Weniger um die Form ging es, um dramaturgische Anlagen oder um persönliche Seelenzustände, sondern um die kleinen Unterschiede in den großen Mythen der drei großen Schriftreligionen. Und das zuweilen auf eine eher flapsige Art.

Wann hat Gott Tag und Nacht voneinander getrennt? Am ersten Tag der Schöpfung oder am zweiten? Einwurf des Atheisten: Aber woher wusste Gott, dass der zweite Tag war, wenn es Tag und Nacht doch noch gar nicht gab?

Das Ergebnis des Stücks stand freilich schon vorher fest. Eine Zuschauerin formulierte das so: „Was für ein Schwachsinn, dass sich alle im Namen der Religionen bekriegen.“ Da wohl keiner der erfreulich zahlreichen Zuschauer mit einer gegenteiligen Meinung in die Stadthalle gekommen war, fühlte man sich logischerweise vom Spiel in seiner Haltung bestärkt. In der anschließenden Diskussion merkte ein Muslim dann auch an, dass man so ein Stück eigentlich in Schulen aufführen müsse. Denn da sind die Menschen, die vielleicht noch nicht auf die Idee kommen, ihre Überzeugungen gewissermaßen von außen zu betrachten und bei religiösen Fragen den Verstand nicht auszuschalten. Die Frage drängt sich allerdings auf, ob diese aufklärerische Position dem Wahrheitsanspruch der Religionen etwas anderes entgegenzusetzen hat, als selber im Recht zu sein und ansonsten Toleranz zu üben - immerhin.

„Unser Theater ist dafür gemacht, Fragen an Herzen und Köpfe der Menschen zu richten“, befand Theatermacherin Jela Rebling in der Diskussion. „Aber warum kamen die Botschaften der Religionen nicht zur Sprache?“, merkte Ron Manheim kritisch an. Genau dann wäre es aber um den Anspruch der Religionen gegangen. Je nach Lesart kann der dann pazifistisch sein oder martialische Auswüchse annehmen – Geschichte und Gegenwart sind voll davon. Jela Rebling: „Man hat dann Gott im Mund und meint etwas ganz anderes.“

Begeistertes Publikum

Das Rezept der Berliner Theaterleute: Miteinander reden, Geschichten anhören. Paula Sell zitierte ihre Bibelverse auf der Bühne allerdings so diskret, dass ein Zuschauer befand: „Es spricht Bände, dass das Christentum so leise war.“

Wie auch immer, das Publikum zeigte sich ausgesprochen begeistert. Besonders der iranisch-stämmige Farhad Payar hatte es so manchen Damen angetan. „Sie können sich ja toll bewegen“, schwärmte eine Besucherin. Wegen des großen Erfolgs überlegen die fünf Veranstalter VHS, Stadt Kleve, Evangelische Kirche, Katholisches Bildungswerk und Haus Mifgash, demnächst erneut für ein solches Projekt zusammenzuarbeiten.

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