Wirtschaft

Uedemer Unternehmen Horlemann wurde verkauft

Peter und Josef Horlemann haben ihr Unternehmen verkauft.

Foto: Thomas Momsen

Peter und Josef Horlemann haben ihr Unternehmen verkauft. Foto: Thomas Momsen

Uedem.   Französischer Weltkonzern Vinci übernimmt das Uedemer Familienunternehmen. Josef Horlemann: „Wir müssen eine Perspektive für Wachstum schaffen."

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Das Uedemer Traditionsunternehmen Horlemann wurde in der vergangenen Woche verkauft. Horlemann ist seit über 80 Jahren ein Familienunternehmen und gehört mit 570 Mitarbeitern und einem Umsatz von rund 100 Millionen Euro zu den größten Arbeitgebern im Kreis Kleve. Im Gespräch mit der NRZ bestätigte Geschäftsführer Josef Horlemann den Verkauf an den französischen Baukonzern Vinci Energies. Für die Mitarbeiter des Uedemer Unternehmens wird sich nichts ändern, versicherte Josef Horlemann: „Unter Vinci bleibt alles beim Alten. Das Unternehmen versteht unsere Philosophie und kann unserer Gruppe eine Perspektive für die Zukunft geben.“

Die wirtschaftliche Lage ist zurzeit sehr gut und auch das Unternehmen Horlemann stehe sehr gut da, versichert der Geschäftsführer. Warum dann dieser Verkauf? „Wir haben für uns festgestellt, dass wir mental und physisch den nächsten Wachstumsschub nicht mehr schaffen“, gibt Horlemann zu. Das Unternehmen habe mittlerweile eine Größe erreicht, wo die beiden Brüder Peter und Josef Horlemann an ihre Grenzen stoßen. „Uns ist es wahrlich nicht leicht gefallen, diesen Schritt zu gehen. Und für mich persönlich kann ich sagen, dass Kopf und Bauch diesen Verkauf sehr unterschiedlich bewerten. Aber für einen weiteren Wachstumsschub fühlen wir uns persönlich zu schwach“.

Ein wehmütig klingender Geschäftsführer

18 Jahre lang habe er gemeinsam mit seinem Bruder Verantwortung für das Unternehmen getragen: „Wir haben viel erreicht, Umstrukturierungen vorgenommen, wir sind gewachsen und natürlich hat nicht immer alles funktioniert. Aber es hat sehr viel Spaß gemacht. Die gemeinsame Zeit mit unserem Vater im Unternehmen war die schönste Zeit unseres Lebens“, sagt ein wehmütig klingender Geschäftsführer.

Der Verkauf sei eine Kopfentscheidung: „Wir haben eine Verantwortung unseren Mitarbeitern gegenüber. Und wir wissen, dass wir weiter wachsen müssen. Ein Unternehmen, das nicht wächst stagniert. Und stagnierende Unternehmen werden vom Markt verdrängt. Wir haben einen Partner gesucht und mit Vinci einen guten Partner gefunden. Das ist der größte Baukonzern der Welt“, sagt Horlemann. Über die Verkaufsgespräche und die Höhe der Verkaufssumme möchte er nichts sagen. Auch über die zukünftige Wachstumsstrategie möchte Horlemann nichts äußern. Der Verkauf steht noch unter Vorbehalt. Die Kartellbehörden müssen diese Entscheidung vor dem Hintergrund des Wettbewerbsrechts noch prüfen, da Vinci bereits der größte Baukonzern der Welt ist.

Josef und Peter Horlemann werden sich aus dem Unternehmen zurückziehen. Josef (56) und Peter (53) dachten bereits seit längerer über eine Nachfolgeregelung nach. Man habe sich dafür einen Zeithorizont von fünf bis sechs Jahren gegeben. Dass der Verkauf jetzt so plötzlich vollzogen wird, habe auch mit internen Ereignissen zu tun: „Mein Bruder und ich haben uns angesehen und gewusst, dass dies die richtige Entscheidung ist. Wir geben jetzt ein super gut geführtes Unternehmen ab.“

Mitarbeiterversammlung

Yves Meignié, Geschäftsführer von Vinci Energies, teilt in einer Presseerklärung mit: „Horlemann wird unsere Position stärken. Auf dem deutschen Markt in Regionen, in denen wir noch nicht aktiv sind. Im Hinblick auf erneuerbare Energien wird Horlemann seine Expertisen in neuen Märkten vorantreiben und unsere Marke Omexom, die für 20 Prozent des Umsatzes von Vinci Energies steht, als Hauptakteur auf dem europäischen Markt stärken.“

Am 24. November wird es eine Mitarbeiterversammlung geben, wo genauere Details genannt werden. Die Mitarbeiter von Horlemann wurden am Donnerstag vom Betriebsrat über diese Entscheidung informiert. Der Konzernbetriebsratsvorsitzende Hans-Gerd Schaffers zeigte sich gestern im Gespräch mit der NRZ überrascht über diesen Schritt: „Damit haben wir nicht gerechnet. Der Betriebsrat wurde im Vorfeld nicht informiert, sondern wir wurden am Mittwochabend zu einem Gespräch eingeladen. Noch vor drei Wochen haben wir die Geschäftsführer gefragt, ob Veränderungen anstehen. Damals wurde dies noch verneint“, so Schaffers. Er sieht das Unternehmen gut für die Zukunft gerüstet. „Die Geschäftsführung hat bereits in die Zukunft gedacht“, so Schaffers. Im Zusammenhang mit dem Verkauf sieht er für den Betriebsrat noch viele Fragen.

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