Landgericht

Hartes Urteil für Diebstahl in Uedem

Das Klever Landgericht ahndet den Diebstahl eines Rosenbäumchens eines Gläschen Pestos sehr hart.

Foto: Niklas Preuten

Das Klever Landgericht ahndet den Diebstahl eines Rosenbäumchens eines Gläschen Pestos sehr hart. Foto: Niklas Preuten

Kleve/Uedem.   Das Klever Landgericht verurteilt eine Kleverin zu einer einjährigen Strafe, weil sie im Bauernmarkt Lindchen nicht bezahlte.

Besonders schwerer räuberischer Diebstahl und versuchte gefährliche Körperverletzung: Die Anklage gegen eine 41-jährige Kleverin wog schwer. Oberstaatsanwalt Guido Schulz wischte sie nach der Beweisaufnahme vor dem Landgericht Kleve jedoch vom Tisch: „Die Vorwürfe lassen sich nicht halten“, sagte er, nachdem die Frau ein umfassendes Geständnis abgelegt hatte.

Die Krankenschwester war im Juni nach der Arbeit zum Bauernmarkt Lindchen nach Uedem gefahren und hatte dort ein Rosenstämmchen für knapp 20 Euro und ein Pestoglas für 6,99 Euro gestohlen. Auf dem Parkplatz ließ sie sich auch von einem Mitarbeiter nicht aufhalten und fuhr nach Hause.

Der Oberstaatsanwalt erkannte darin zweifachen Diebstahl, der mit einer geringen Geldbuße bestraft werden solle. Schulz war sich dabei mit Verteidiger Marcel Pollmann einig. Allein der Vorsitzende Richter Gerhard van Gemmeren sah nicht genügend Gründe, „die Kirche im Dorf zu lassen“, wie er in der Begründung des Urteils sagte. Dieses fiel für die Angeklagte niederschmetternd aus: ein Jahr auf Bewährung wegen räuberischen Diebstahls. Die zweifache Mutter brach nach einigen Augenblicken der Ungläubigkeit in Tränen aus.

„Mein Verstand hat damals ausgesetzt. Ich sehe ein, dass ich dafür eine Strafe verdiene. Ich hoffe aber auf Milde“, hatte die Kleverin noch in ihren letzten Worten gesagt. Diese blieb er verwehrt, obwohl die Staatsanwaltschaft ihr „keine Beutesicherungsabsicht“ unterstellte.

Auf den Bildern der Überwachungskamera ist zu sehen, wie die 41-Jährige vor dem Bauernmarkt Lindchen nach langer Überlegung eines der ausgestellten Rosenstämmchen, ohne zu bezahlen, zu ihrem Kleinwagen trägt. Anschließend geht sie in das Geschäft, steckt ein Pestoglas und Ziegenkäse in die Tasche, bezahlt jedoch nur Letzteren.

„Das passiert häufig bei uns“, sagte der als Zeuge geladene Mitarbeiter, der die Kleverin auf dem Parkplatz zur Rede stellte. Seine Aufforderung, den Kassenbon zu zeigen, ignorierte sie. Daraufhin trat der Angestellte vor das Auto, ging jedoch zur Seite, als die Angeklagte im Schritttempo auf ihn zufuhr. Weil er das Kennzeichen notiert hatte, fand die Polizei die Frau kurze Zeit später zu Hause. Das Pestoglas hatte sie auf dem Weg dorthin aus dem Autofenster geworfen, die Pflanze brachte sie noch am gleichen Tag zurück zum Bauernmarkt. Noch einmal kehrte die Frau dorthin zurück, um sich zu entschuldigen.

„Ich halte das Urteil für überzogen“, sagte Oberstaatsanwalt Schulz nach der Strafverhandlung. Er überlegt, zugunsten der Angeklagten Revision einzulegen. Dies wird auch die Verteidigung tun.

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