Holocaust

Gunter Demnig verlegt in Kleve weitere Stolpersteine

Künstler Gunter Demnig wird in Kleve weitere Stolpersteine verlegen.

Künstler Gunter Demnig wird in Kleve weitere Stolpersteine verlegen.

Foto: NRZ-Archiv

Kleve.   Am Sonntag, 17. März, werden um das Stein-Gymnasium in Kleve zum 5. Mal Stolpersteine verlegt, die an das Schicksal jüdischer Bürger erinnern.

Kurt Sucher muss ein exzellenter Schüler gewesen sein. Er ging gern zur Schule, hatte fast nur Zweien, was seinerzeit kaum je vorkam. Das Klever Gymnasium, heute Freiherr-vom-Stein-Gymnasium, hätte stolz sein können auf den begabten Jugendlichen. Stattdessen entließ es ihn 1933. Denn Kurt Sucher war Jude.

Jüdischer Schüler wurde vom Lehrer rausgeekelt

Er war nicht der einzige jüdische Schüler, der das Gymnasium in den Anfangsjahren der Nazi-Herrschaft verlassen musste. „Einer wurde von seinem Klassenlehrer regelrecht rausgeekelt“, berichtet die Historikern Helga Ullrich-Scheyda. Wenn am Sonntag, dem 17. März, zum inzwischen fünften Mal Stolpersteine in Kleve verlegt werden, um an die Vertreibung und Vernichtung der Juden und anderer Verfolgter in Hitlerdeutschland zu erinnern, dann geht es schwerpunktmäßig um die betroffenen Schüler des Klever Gymnasiums. Die wohnten fußläufig zu ihrer Schule, die alles daransetzte, sie loszuwerden.

Sieben Steine werden an Lindenallee 6 verlegt

Die Nicht-Arier-Quote sei bereits erfüllt, beschied das Gymnasium dem jüngeren Sohn der Familie Mayer, die an der Lindenallee 6 wohnte. Hier beginnt am Sonntag um 15 Uhr die öffentliche Stolpersteinverlegung. Rolf Mayer sollte 1934 aufs Gymnasium wechseln. Die zugelassene Zahl der Nicht-Arier betrug genau eine Person, und die bestand aus Rolfs Bruder Edgar. Den entließ man dann allerdings im selben Jahr.

Sieben Steine soll es an der Lindenallee 6 geben. Denn aus sieben Personen bestanden die beiden Familien Mayer, die hier lebten. Sie betrieben alteingesessene Textilgeschäfte. Insgesamt wird der Künstler Gunter Demnig die Steine an vier Stellen zwischen Lindenallee, Brabanter Straße und Römerstraße verlegen.

Kontakt zur Familie in England

Informationen über die Familien kann man am Geschäftssitz des Vereins Haus der Begegnung – Beth HaMifgash in der Kavarinerstraße nachlesen. „Wir haben Plakate zu den Familien aufgehängt“, sagt Edmund Verbeet. Da gibt es dann Erschütterndes nachzulesen. Während beispielsweise die Brüder Sucher im Exil überlebten, der eine in Amerika, der andere in England, wurden ihre Eltern im Ghetto Riga 1942 ermordet.

Bei den Recherchen hat Nils Looschelders einen Kontakt in England gefunden: Kurt Suchers Tochter Patricia. „Ich bin im Internet auf den Namen der Tochter gestoßen und habe sie einfach angeschrieben“, erzählt er. Sie schrieb gleich am nächsten Tag zurück, ganz begeistert von der Stolperstein-Aktion. Sie wird mit ihren Kindern und Enkeln am 17. März nach Kleve gekommen, begleitet von BBC-Reportern.

Abschlussveranstaltung im Stein-Gymnasium

Auch die Jahrgangsstufe Elf des Stein-Gymnasiums hat sich mit den ungewollten Schülern von einst auseinandergesetzt. Sie werden bei der Abschlussveranstaltung im Foyer der Schule ein Hörspiel vorführen, das aus fiktiven Gesprächen der jüdischen Schüler 1934 und 1935 besteht. „Man kann die Zukunft nur gestalten, indem man sich der Geschichte bewusst ist“, sagt Ron Manheim. „Erinnerung ist wichtig.“

Beginn der öffentlichen Stolpersteinverlegung ist am 17. März um 15 Uhr an der Lindenallee 6. Die Abschlussveranstaltung im Stein-Gymnasium ist um 16.15 Uhr geplant.

Weitere Informationen zu den Stolpersteinen in Kleve gibt es auf: mifgash.de.

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