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Gespaltene Meinungen zur Abfallentsorgung in Goch

Auf das Gelände der Vermögensbetriebe Goch könnte laut Verwaltungsplan auch der neue Umweltbetrieb ziehen.

Foto: Anke Gellert-Helpenstein

Auf das Gelände der Vermögensbetriebe Goch könnte laut Verwaltungsplan auch der neue Umweltbetrieb ziehen. Foto: Anke Gellert-Helpenstein

Goch.   Vor der Diskussion im Rat am Mittwoch machen sich Politiker und Bürger Gedanken um die Neuregelung der Abfallentsorgung in Goch.

Vor fast genau einem Jahr kündigte die Stadt Goch fristgerecht den Vertrag mit der Firma Schönmackers über die Entsorgung von Müll. Mitte Oktober stellte die Verwaltung dann im nichtöffentlichen Teil der Ratssitzung ihr Konzept zur Neuordnung der Abfallentsorgung vor, das diese Aufgabe künftig einem neuen Umweltbetrieb der Stadt Goch zuweist. Am Mittwoch wird darüber nun öffentlich diskutiert. Kurz vor der Sitzung sind die Meinungen zur Rekommunalisierung in der Gocher Politik wie bei den Bürgern gespalten.

Kritik von der CDU

„Wir sehen das Ganze durchweg kritisch“, sagt Klemens Spronk, Pressesprecher der CDU-Fraktion. „Das Zeitfenster, um eine Entscheidung zu treffen, ist uns zu klein.“ Auf die Bremse tritt auch die SPD, die sich vor der Ratssitzung nicht in die Karten schauen lässt. „Wir haben noch viele Fragen“, sagt der Fraktionsvorsitzende Klaus-Dieter Nikutowski. „Das Thema ist zu wichtig, als dass wir es en passant entscheiden könnten. Wir wollen es uns nicht einfach machen, sondern müssen darüber intensiv debattieren.“

Angesichts des Zeitplans der Verwaltung, in nur gut einem Jahr den Umweltbetrieb aufbauen zu müssen, besteht ein gewisser Zeitdruck. Gleichwohl hält BFG-Fraktionschef Udo Wennekers das Vorhaben für realistisch: „Wir müssen uns jetzt aber für eine Option entscheiden: entweder neu ausschreiben oder selbermachen.“

Letzteres sei besser für die Gocher Bürger. Laut Verwaltung könnten die Kosten auf rund 1,1 Millionen Euro sinken, wovon die Gebührenzahler direkt profitieren würden. Aktuell zahlt die Stadt rund 1,8 Millionen Euro für die Müllentsorgung an die Firma Schönmackers. „Goch steht bei den Gebühren für die Müllentsorgung an der Spitze. Deswegen war es richtig, die Reißleine zu ziehen und den Vertrag mit Schönmackers fristgerecht zu kündigen“, sagt Wennekers.

FDP: Ein Risiko bleibt immer

Die Grünen positionieren sich bereits vorab klar und kündigen ihre Zustimmung an. „Die Verwaltung hat den Plan sehr gut durchdacht. Das überzeugt uns“, lobt die Fraktionsvorsitzende Hildegard Fielenbach-Hensel. „Wir sehen darin viele Chancen.“ Mögliche Anfangsschwierigkeiten im Umweltbetrieb müsse man in Kauf nehmen, dafür gewinne man Handhabe.

Dies unterstreicht ebenfalls die FDP-Fraktion, auch wenn der Vorsitzende Ferdinand Heinemann betont, dass „jede der Varianten ein Risiko birgt und wir jetzt kurzfristig eine Entscheidung mit sehr langfristigen Konsequenzen treffen müssen.“ Eine interkommunale Zusammenarbeit sei für die Zukunft jedoch ein interessanter Faktor.

Ludwig Kade zeigt sich hingegen „nicht unbedingt begeistert“ davon, eine Anstalt öffentlichen Rechts zu gründen. „Wir haben mit dem Gewerbepark Weeze-Goch und Neu-See-Land schon genug Baustellen. Da brauchen wir nicht noch eine große“, sagt der ZIG-Fraktionsvorsitzende, der zudem die Frage stellt, warum die Politik nicht bereits eher informiert worden sei. Antworten darauf wird es am Mittwochabend geben.

>> DAS SAGEN DIE BÜRGER

Nina Jedryka. Foto: Anke Gellert-Helpenstein Nina Jedryka, gebürtige Gocherin und junge Mutter: „Wenn die Stadt Goch die Abfallentsorgung nicht mehr mit Schönmackers macht, sondern es in die eigenen Hände nimmt, dann ist es ja schön für die Gocher, wenn dadurch die Müllentsorgungsgebühren sinken. Aber was wird aus Schönmackers? Wenn nämlich dadurch Arbeitsplätze verloren gehen, dann wiegt das eventuelle niedrigere Gebühren nicht auf. Arbeitsplätze sind wichtiger. Auch ist es ja noch die Frage, ob durch eine Umstellung der Abfallentsorgung wirklich die Gebühren sinken.“

Ralf Tebuckhorst. Foto: Anke Gellert-Helpenstein Ralf Tebuckhorst, Metgerei Tebuckhorst in Goch: „Grundsätzlich ist es immer gut, wenn Gebühren für die Bürger sinken. Wenn nun Goch einen neuen Umweltbetrieb gründen und so die Müllentsorgung selbst regeln möchte, dann müsste dadurch auch wirklich Geld eingespart werden. Und das ist die Frage. Denn wenn der Betrieb Schönmackers aus Sicht der Stadt nicht mehr für die Entsorgung gebraucht wird, dann muss die Stadt erst einmal investieren: Fahrzeuge, Personal, Gelände und vieles mehr. Betriebskosten sind nicht zu unterschätzen.“

Elke Konings. Foto: Anke Gellert-Helpenstein Elke Konings, Pfalzdorf, Fachverkäuferin in Goch: „Also ich sehe das so: Konkurrenz belebt ja das Geschäft. Jedes Geschäft. Und wenn die Stadt Goch zeigt, dass sie die Müllentsorgung ebenso gut und vielleicht ja tatsächlich günstiger als Schönmackers hinkriegt: Warum nicht! Das ist bei den Energiebetrieben ja auch so – da, wo es viele Anbieter gibt, da profitieren die Endverbraucher dann schon vom Preiskampf, also von der Konkurrenzsituation. Ob das nun bei der Abfallentsorgung für uns Bürger letztendlich wirklich günstiger wird, bleibt abzuwarten.“

Hülya Bozan. Foto: Anke Gellert-Helpenstein Hülya Bozan, Goch, Mitarbeiterin Horsthemke: „Sollte die Umstellung der Müllentsorgung durch die Stadt Goch wirklich Vorteile für den Bürger aus finanzieller Sicht bringen, dann wäre das natürlich gut. Aber ich mache mir ganz ehrlich auch Gedanken darum, was aus der Firma Schönmackers wird. Da ist Goch ja ein wichtiger Kunde. Was, wenn aus der Umstellung der Müllentsorgung durch Schönmackers auf einen neuen Umweltbetrieb der Stadt Goch viele Arbeitsplätze bei Schönmackers verloren gingen? Das wäre wirklich schlecht.“

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