Landgericht

Einbruch in Kleve geriet außer Kontrolle – Prozess beginnt

Der Prozess gegen den 31-jährigen Niederländer läuft vor dem Klever Landgericht auf der Schwanenburg.

Der Prozess gegen den 31-jährigen Niederländer läuft vor dem Klever Landgericht auf der Schwanenburg.

Foto: Astrid Hoyer-Holderberg

Kleve.   Besonders schwerer Raub und gefährliche Körperverletzung: Nimweger steht vor Gericht und bestreitet, mit Pistole Beute gemacht zu haben.

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Am Klever Landgericht hat am Montag die Strafverhandlung gegen einen 31-jährigen Niederländer wegen besonders schweren Raubes und gefährlicher Körperverletzung begonnen. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Mann vor, im September 2015 gegen 20 Uhr mit weiteren Tatbeteiligten in ein Wohnhaus in Kleve-Keeken eingedrungen zu sein. Dort sollen die Eindringlinge die Bewohner zu Boden gestoßen, auf diese eingeschlagen und eingetreten haben. Anschließend sollen sie unter Vorhalt einer Pistole die Mobiltelefone der Zeugen, einen Autoschlüssel sowie 1700 Euro Bargeld erbeutet haben, so die Anklage.

Der Angeklagte, ein Sportinstruktor und Ernährungsberater aus Nimwegen, äußerte sich am Montag zu den Vorwürfen. „Ich habe in der Zeit ein wenig die Richtung verloren. Ich hatte keine feste Arbeit, bin viel in den Club gegangen und habe Alkohol und Drogen konsumiert“, übersetzte eine Dolmetscherin die mündliche Einlassung des 31-Jährigen.

Zweimal am Haus geklingelt

In einem der Nachtclubs habe er dann einen Deutschen kennengelernt, der ihm von einem Haus erzählt habe, in dem sich eine Marihuanaplantage befinde. In den Plan, in das Haus einzubrechen, habe er dann eingewilligt, so der Angeklagte. Er sei am 16. September 2015 mit zwei weiteren Personen dorthin gefahren.

„Es war eigentlich als Einbruch geplant“, so der Angeklagte. Man habe zunächst an der Haustür geschellt, um sich zu vergewissern, dass niemand anwesend ist. Geöffnet habe niemand, man sei aber zur Sicherheit noch eine Runde mit dem Auto gefahren und habe dann erneut geschellt.

Diesmal allerdings habe sich die Tür geöffnet. „In dem Moment haben wir einfach reagiert“, so der 31-Jährige. Man sei ins Hausinnere eingedrungen, er selbst habe sich im dunklen Flur eine Auseinandersetzung mit einem Mann geliefert. Pfefferspray sei eingesetzt worden, und nach einem Schlag gegen sein Gesicht sei er rausgerannt und stundenlang zu Fuß geflüchtet, so der Angeklagte. Erbeutet habe er entgegen dem Anklagevorwurf nichts, und auch von einer Pistole wisse er nichts.

Auslieferung nach Deutschland

Seine Komplizen habe er seit dem Tatabend nicht mehr gesehen, kenne auch nicht deren volle Namen, so der Angeklagte. Er selbst wurde am 10. November 2018 in den Niederlanden festgenommen und am 19. November nach Deutschland ausgeliefert. Seitdem sitzt er in der JVA Kleve in Untersuchungshaft.

Sieben Zeugen waren am Montag zum ersten Verhandlungstag geladen, darunter die Hausbewohner und zwei Kriminalkommissare. Verhört wurden die Zeugen aber noch nicht, da die 1. große Strafkammer nach den Erkenntnissen aus der Einlassung des Angeklagten zunächst einen sachverständigen Arzt hinzuziehen will.

Denn der 31-Jährige schilderte, er habe im Zeitraum um die Tat fast täglich Alkohol und harte Drogen wie Kokain und Ecstasy konsumiert. Der Gutachter soll daher die Schuldfähigkeit des Angeklagten, sowie – für den Fall einer Verurteilung – eine mögliche Unterbringung in einer Entziehungsanstalt beurteilen. Der Angeklagte willigte ein, sich von einem Sachverständigen untersuchen zu lassen. Ein neuer Verhandlungstermin wurde noch nicht festgelegt.

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