Brand

Droht ein Inferno wie in Paris auch Kreis Klever Kirchen?

Dachdecker Marcel Ott und Erwin Baumgartner der Gocher Fachfirma Wegscheider Bedachungen klopfen zurzeit auf dem Dach der Donsbrügger Kirche die  Schieferplatten aus dem Hunsrück in die nötige Form.

Dachdecker Marcel Ott und Erwin Baumgartner der Gocher Fachfirma Wegscheider Bedachungen klopfen zurzeit auf dem Dach der Donsbrügger Kirche die  Schieferplatten aus dem Hunsrück in die nötige Form.

Foto: Astrid Hoyer-Holderberg

Kreis Kleve.   Kann ein Brand wie an der Pariser Kathedrale Notre-Dame auch hier passieren? Die NRZ hörte sich bei Fachleuten in Kleve, Goch und Kalkar um.

Auf dem Dach der St.-Lambertus-Kirche in Donsbrüggen bearbeiten die Dachdecker Erwin Baumgartner und Marcel Ott mit dem Schieferhammer die Schieferplatten aus dem Hunsrück. Sie schlagen sie in Form und nageln sie dann fest, jede einzeln. Handarbeit der Fachfirma Wegscheider aus Goch. „Wir schweißen hier nicht und wir rauchen auch nicht“, nimmt Baumgartner ein bisschen die Sorge, dass aktuell an der kleinen Dorfkirche solch ein Inferno ausbrechen könnte wie in der Nacht zuvor an der Pariser Kathedrale Notre-Dame. „Wo wir schweißen müssen, nehmen wir einen Feuerlöscher mit aufs Dach“, sagt Baumgartner. Aber gefeit ist niemand davor.

Statiker und Feuerwehrleute auf der Drehleiter

„Wenn der Turm brennt, dann brennt der“, sagt der Gocher Stadtbrandinspektor Georg Binn. Erstrecht hilft dann kein Wasser aus Hubschraubern von oben, wie es Donald Trump den Franzosen vorgeschlagen hatte, denn dann könnte das ganze Gewölbe einstürzten und Feuerwehrkameraden sich verbrühen. „Die Gocher Drehleiter erreicht 30 Meter. Es ist schwierig, auf die Höhe Wasser hoch zu pumpen.“ Aufgebaut sind die Kirchen hier ähnlich Notre Dame: Hauptschiff, Gewölbe aus Tuffstein, hölzerner Dachstuhl.

Martin Jürgens ist Statiker und im Kirchenvorstand der Arnold-Janssen-Gemeinde Goch. „Ich bin erst letzes Jahr mit der Drehleiter der Feuerwehr zur Maria-Magdalena Kirche Goch hoch gefahren und habe sie mir von oben angesehen. Die Höhe ist nicht so gewaltig, hier kommt die Feuerwehr dran“, ist er beruhigt.

Nachdem im Mai 1993 deren Kirchturm eingestürzt war, hatte man Stahlbetonträger bis in den alten Bereich der Magdalena-Kirche gezogen, für mehr Standsicherheit. „Der Turm ist auf neuestem Stand.“ Bei der nur eingeschossigen Arnold-Janssen-Kirche wird das Dach zwar von einer Holzkonstruktion getragen, jedoch über dem kerzenbeschienenen Marienaltar gibt es zusätzlich eine Stahlbetondecke.

Auch profanierte Kirche wird weiterhin überprüft

Jürgens überprüft alle drei Kirchen, auch die profanierte Liebfrauenkirche, einmal im Jahr. „Technische Defekte kann man aber nirgendwo ausschließen“, sagt der Statiker. Auch technische Geräte werden jährlich kontrolliert. Technische Geräte in der Kirche? „Zum Beispiel das Telefon.“

Wasser ist dann nicht das geeignete Löschmittel

200 Feuerwehrleute in Goch würden im Notfall auch Zusatzausrüstung aus dem großen Atemschutzcontainer des Kreises nutzen, der für Großschadenslagen vorgehalten wird, sagt Feuerwehrsprecher Torsten Matenaers. „Wenn das Feuer so große Hitze erzeugt“ wie in Paris, dann „ist Wasser nicht das geeignete Löschmittel. Es hat vor allem kühlende Wirkung“, erklärt Matenaers. Er erinnert an den Brand bei Rewe in Goch: „Als Löschmittel reichte das Wasser nicht aus, wir haben das Gebäude mit Schaum geflutet, der hat die Löschwirkung ,ersticken’, es kommt kein Sauerstoff mehr dran.“ Bei einer Kirche wäre die Ausbreitung so aber wohl nicht zu verhindern.

Kalkar hat sogar eine Brandmeldeanlage in St. Nicolai

Der Einsturz des Gocher Kirchturms war auch für die Nachbarn aus Kalkar Anlass, an Renovierungen zu denken. Im Jahr 2000 wurde St. Nicolai renoviert, „eine Lücke von 20 Zentimetern“ hat man im hölzernen Kirchturm entdeckt „und dann das Gewölbe ganz mit Beton befestigt“, schildert Pfarrer Alois van Doornick. Der Kirchenvorstand ließ obendrein gleich in das Gotteshaus voller geschnitzter Kunstschätze eine Brandmeldeanlage einbauen. Auch Steigrohre und ein Löschsystem sind angebracht, „dass die Feuerwehr sofort hinein könnte“, falls nötig.

Stahlträger würden wegen der Hitze durchschlagen.

In der Klever Stiftskirche gibt es keine Sprinkleranlage, „das wäre ein enormer Kostenfaktor“, sagt Probst Johannes Mecking. Aber auch hier werden jedes Jahr Glocken, Heizung und Elektrik überprüft, der Tüv ist dabei. Mecking weiß: Wenn das Holz brennt, würde es vom Gewölbe aufgehalten. Wären es Stahlträger, würden sie wegen der Hitze durchschlagen.

Nach Donsbrüggen ist bald die Unterstadtkirche mit Renovierungen dran, bekommt neue Dachreiter und neuen Schiefer. Danach folgen die Türme der Stiftskirche. Mecking: „Auf allen Etagen Beton, nur in der Spitze Holz.“

Probst erlebte: „Feuersäulen fraßen das Gebälk“

Johannes Mecking erlebte in seiner Heimatstadt Kevelaer, wie eine Kirche abbrannte: 1982 die St.-Antonius-Kirche. Kinder, Kerzen, trockene Weihnachtsbäume. „Das schlug vier Meter hohe Feuersäulen, sie fraßen das Gebälk“, beschreibt Mecking. Der Dachstuhl stürzte nach innen. Zum Brand der Notre Dame sagt er: „Ich finde es beeindruckend, wie viele Menschen Anteil genommen haben.“

Feuerwehrübung lief in der Kirche Materborn

„Wir haben gerade erst in der Materborner Kirche geübt“, berichtet in Kleve Feuerwehrsprecher Florian Pose. „Wie wir unter Atemschutz über Wendeltreppen an den Ecktürmen aufs Dach kommen, einen verletzten Kameraden runter bringen könnten“, schildert er. „Wir sind mit Material und Mannschaft darauf eingestellt.“ Zwei Drehleitern hat Kleve. „Aber am wichtigsten ist der vorbeugende Brandschutz“ durch regelmäßige Kontrollen der Stadt. Ob Kirchen oder die Schwanenburg, sie wurden ohne Brandschutzvorschriften errichtet.

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